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Eine grenzüberschreitende Doktorin

Deutsch-französischer Dissertationspreis Eine grenzüberschreitende Doktorin

Deutschland oder Frankreich? Gehen oder bleiben? Johanna Probst wollte sich nicht entscheiden. Sie wollte ihre berufliche Zukunft offen halten und hat dafür einiges investiert.

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Die deutsche Botschafterin in Frankreich, Dr. Susanne Wasum-Rainer (von links), mit der Geehrten Dr. Johanna Probst, dem DFH-Präsidenten Prof. Dr. Patrice Neau, Jean-Marie Marx (Apec) und Wolfgang Chur (Robert Bosch Stiftung).

Quelle: Carmelo Naranjo Garcia

Marburg. Wer schon einmal eine Abschlussarbeit an einer Hochschule abgelegt hat, weiß, welch bürokratischer Aufwand sich damit verbindet. Nachweise über Vorlesungen und Seminare müssen vorgelegt werden. In der Abgabemappe sammeln sich Zeugnisse, Belege und Formulare. Kurzum: Es gibt jede Menge zu tun für fleißige Studenten und auch reichlich Fehlerquellen. Um das Ganze nicht noch weiter zu verkomplizieren, sollte man also auf keinen Fall planen, den Abschluss noch zusätzlich an einer zweiten Uni geltend zu machen. Denn dies bringt noch mehr Aufwand und noch mehr Bürokratie mit sich - sollte man meinen.

Johanna Probst hat diesen Weg dennoch für sich eingeschlagen. Die Soziologin entschied sich bei ihrer Dissertation für ein sogenanntes „binationales Promotionsverfahren“. Der Vorteil: Der so erlangte Doktortitel wird in den beiden kooperierenden Ländern anerkannt. Im Fall von Johanna Probst war dies die Philipps-Universität Marburg und die Université de Strasbourg.

„Mir hat der Austausch zwischen Deutschland und Frankreich persönlich total viel gebracht. Es war aber auch sinnvoll für meine Feldforschung“, sagt Probst. Das Thema ihrer Doktorarbeit war ein Vergleich der Asylverfahren in Deutschland und Frankreich. Wobei der 29-Jährigen die Gegebenheiten im Nachbarland noch ein Stück näher waren. „Ich habe bisher nur an französischen Hochschulen studiert, unter anderem in Nancy. In Deutschland aber noch nie. Deswegen musste ich mich da auch erst mal einfinden.“

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Und warum ausgerechnet Marburg? „Ich bin dort geboren, aufgewachsen und zur Schule gegangen. Es gibt also noch genügend Verbindungen“, sagt die zweifache Mutter.

Eine Hürde in dem ganzen Verfahren war sicherlich der Vertrag, der zwischen den beiden Universitäten geschlossen werden musste, sagt Probst. „Alleine diese Formalitäten zu klären, dauerte ein Jahr“, sagt die 29-Jährige, die mit einigem Abstand nun aber froh darüber ist, den doppelten Abschluss gemacht zu haben.

„Ich wollte die Sicherheit haben, auch nach Deutschland zurückkehren zu können. Deswegen habe ich mich für diese Art der Doktorarbeit entschieden.“

Wie gut ihr das Experiment gelungen ist, zeigt sich an einer ganz besonderen Würdigung. Die Arbeit der 29-Jährigen wurde nun mit dem Dissertationspreis der Deutsch-Französischen Hochschule Saarbrücken (DFH) ausgezeichnet. Der mit 1000 Euro dotierte Ehrenpreis wurde Probst in der Residenz der deutschen Botschafterin, Dr. Susanne Wasum-Rainer, in Paris verliehen.

Der Erfolg von Probst ist aber auch ein Erfolg der beiden beteiligten Universitäten und deren wissenschaftlicher Mitarbeiter. Denn zum Gelingen der Arbeit mussten auch die Fachbereiche und die Administration der beiden Standpunkte eng zusammenarbeiten.

Hintergrund:

Die Deutsch-Französische Hochschule Saarbrücken (DFH) ist eine binationale Einrichtung und wurde 1997 anlässlich des deutsch-französischen Gipfels von Weimar gegründet. Sie ist ein Netzwerk von mehr als 163 Hochschuleinrichtungen aus Deutschland und Frankreich sowie verschiedenen Drittländern. Jährlich gibt es etwa 1000 erfolgreiche Absolventen eines Studiums oder einer binationalen Promotion.

von Dennis Siepmann

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