Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Uni und Stadt Ein kleines Projekt mit großen Zielen
UNIversum Uni und Stadt Ein kleines Projekt mit großen Zielen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:27 05.12.2013
Lisa Geisler (von links), Tatjana Mauthofer und Komal Sharma fliegen im März nach Indien, um ihr Forschungsprojekt umzusetzen. Quelle: Andreas Arlt
Anzeige
Marburg

Ein Forschungsprojekt, das nach der Benotung in die Schublade wandert, kam für Lisa Geisler, Tatjana Mauthofer und Komal Sharma nicht in Frage. Die drei absolvieren im dritten Semester den Master-Studiengang „International Development Studies“, haben zuvor unterschiedliche Fachrichtungen an anderen Hochschulen abgeschlossen und sich erst an der Philipps-Universität kennengelernt. Eines haben sie aber gemeinsam: eine hohe Affinität zu den Menschen in Indien und deren Kultur. Aus diesem Grund lebten alle auch schon mehrere Monate in dem 1,2-Milliarden-Einwohner-Land.

Angereichertes Speiseöl ist nur minimal teurer

„Hunger ist das eine Problem, jedoch sind von Mangelernährung noch viel mehr Menschen betroffen“, sagt Geisler. Das Hauptproblem bei der Ernährung: Die Einseitigkeit. Reis ist oft ausreichend vorhanden, aber es fehlt an Gemüse, Fleisch und anderen Alternativen, um Mangelerscheinungen zu verhindern. Ein Problem: Der Mangel an Vitamin A.

250 Millionen Vorschulkinder sind davon weltweit betroffen. Die Folgen: eine verringerte Sehschärfe, die bis zur Blindheit führen kann, Wachstumsstörungen und eine erhöhte Anfälligkeit gegen Krankheiten. Etwa eine Million Kinder sterben jährlich an den Folgen von Vitamin-A-Mangel. Bei Frauen treten zudem Fruchtbarkeitsstörungen und ein höheres Risiko für eine Fehlgeburt auf.

Eine Möglichkeit der Problemlösung ist, Speiseöl, das oft ohnehin zum Kochen verwendet wird, mit Vitamin A anzureichern. Entsprechende Programme laufen bereits erfolgreich in Ländern wie Indonesien oder Tansania. Der Preis für das Endprodukt steigt durch die Anreicherung nur um 0,1 Prozent.

Im März fliegen Geisler, Mauthofer und Sharma nach Indien, um dort zu erforschen, welche Schritte notwendig sind, um entsprechende Programme anzustoßen. Ausgesucht haben sie sich dafür den Bundesstaat Rajasthan im Nordwesten des Landes, der von der Fläche fast so groß ist wie Deutschland und in dem knapp 70 Millionen Menschen leben.

Gespräche vor Ort mit unterschiedlichen Akteuren

Dort sind nicht nur die Probleme in der verarmten Bevölkerung besonders groß sondern die Studentinnen erhoffen sich auch eine positive Reaktion von den Behörden. „Jedoch nur wenn Regierung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammen aktiv werden, kann sich die Situation in Indien verbessern“, sagt Mauthofer. Schließlich müsste das Produkt von lokalen Erzeugern hergestellt und Besitzer von Lebensmittelmärkten überzeugt werden, das Öl zu verkaufen. Nicht zuletzt muss die Bevölkerung aufgeklärt werden. „Das langfristige Ziel ist, dass die Regierung einer Anreicherung verpflichtend macht“, sagt Sharma. Eine weitere große Aufgabe für die Studentinnen ist es, die Finanzierung ihres Projektes sicherzustellen. Kosten von insgesamt 2400 Euro kommen auf die drei für Flugtickets, Visa, Versicherungen, Fahrkarten und Unterkünfte zu. Bisher waren Bemühungen um Förderung oder Stipendium nicht erfolgreich.

Weitere Informationen über das Projekt können über die E-Mail-Adresse project_india@hotmail.com angefragt werden.

von Andreas Arlt

Anzeige