Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Die negative Seite der Schulmentalität

Psychologische Beratung für Studenten Die negative Seite der Schulmentalität

Prüfungsdruck, Stress in der WG, Wahl des Studienfachs: Die Gründe, warum Studierende psychotherapeutische Hilfe in Anspruch nehmen, sind vielfältig.

Voriger Artikel
Der treue Gefährte in dunkler Nacht
Nächster Artikel
Das Wichtigste zum Bafög

Die Belastung der Studenten ist in den vergangenen Jahren gestiegen – oft auch, weil der eigene Erwartungsdruck größer geworden ist.Foto: Petra Bork / pixelio.de

Marburg. Die Nachfrage der Studierenden nach psychologischer Beratung in den Studentenwerken ist anhaltend hoch. 2012 nahmen 28000 Studierende in den psychologischen Beratungsstellen der Studentenwerke Einzelgespräche in Anspruch, wie das Deutsche Studentenwerk (DSW), der Verband der 58 Studentenwerke in Deutschland, mitteilte. 4100 Studierende nutzten Gruppenangebote. Insgesamt zählten die Studentenwerke in ihrer psychologischen Beratung 96000 Beratungskontakte.

550 Gespräche in der Uni Marburg

Auch die Uni Marburg bietet regelmäßige Sprechstunden in der Beratungsstelle am Erlenring 5 an (Montag, 13bis 15.30Uhr, Mittwoch, 9.30 bis 12.30Uhr und Freitag von 8bis 11Uhr). Dann ist Thomas Schneyer, Diplom-Psychologe und psychologischer Psychotherapeut, Ansprechpartner für die Studenten. 550 Kontakte hat er im vergangenen Jahr mit Studenten gehabt. Nach den Zahlen für das erste Halbjahr zeichnet sich ein ähnlicher Trend für 2013 ab - trotz steigender Studierendenzahlen.

„Etwa ein Drittel braucht Beratung wegen Studienproblemen“, berichtete der 59-Jährige, der seit knapp 23 Jahren in Marburg ist. Dabei geht es um allgemeine Probleme wie Prüfungen und den Leistungsdruck. 18 Prozent der Studenten kommen zu Schneyer, weil sie nicht sicher mit ihrer Studienwahl sind.„Viele sagen, dass sie etwas studieren, weil sie es schon immer wollten. Aber sie merken nach den ersten Semestern, dass es nicht das Ideale für sie ist.“ Viele seien nicht so glücklich, aber meinten trotzdem, das Studium weiter durchziehen zu müssen, da es schon weit fortgeschritten sei. Nicht alle, aber viele, sind nach den Gesprächen mit Schneyer motiviert, ihr Studium weiter fortzusetzen. Aber diese Empfehlung gibt der Psychologe auch nur, wenn er davon überzeugt ist. „Ansonsten muss man die Konsequenzen ziehen“, sagte er.

Ein weiteres Drittel der Beratungen dreht sich um Probleme aus dem sozialen Umfeld. Dabei spielen zum Teil die Herkunft eine Rolle oder auch Probleme in der WG. Das letzte Drittel hat psychische Probleme.

Generell sieht Schneyer viele Probleme, die sich aus der individuellen Situation des Einzelnen entwickeln. „Man merkt das Durchschlagen von G8. Viele sind jung und haben noch die typische Schulmentalität verinnerlicht, die ihnen vorschreibt, dass sie Dinge so machen müssen.“

Darüber hinaus setzten sich viele zu sehr selbst unter Druck. „Es gibt Überlastungen, weil manche möglichst schnell fertig werden wollen. Dadurch wird die Belastung vor allem in den ersten Semestern größer.“

Schneyer wünscht sich vor allem, dass Schüler besser auf ihre Zeit im Studium vorbereitet werden. „Die Informationen, was den einzelnen in den unterschiedlichen Studiengängen erwartet, muss verbessert werden.“

DSW-Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde streicht die besondere Expertise der psychologischen Berater der Studentenwerke heraus: „Sie haben besondere beraterische und therapeutische Kompetenzen und können verhindern, dass studentische Lebenskrisen eskalieren. Damit leisten die psychologischen Beraterinnen und Berater einen wesentlichen Beitrag, damit Studieren gelingt.“

von Andreas Arlt

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Uni und Stadt
Instagram