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Die Starthilfe ist das Problem

Studium in Marburg Die Starthilfe ist das Problem

Auf der einen Seite steht das Leben im Iran. Auf der anderen der Wunsch nach einer hochqualifizierten Ausbildung. Deswegen ist Nasim Fattahi nach Deutschland gekommen. Es war und ist ein großer Schritt mit vielen Hindernissen.

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In dieser Ecke im Institut für Bildende Kunst arbeitet derzeit Tanja Reitz (nicht im Bild) an ihren Werken. Bald will auch Nasim Fattahi ihrer Kreativität hier ihren freien Lauf lassen.

Quelle: Andreas Arlt

Marburg. Der Flughafen in Frankfurt vor vier Wochen. Nasim Fattahi landet in einem Flugzeug aus Teheran. Mit einem Ziel im Sinn und schweren Koffern. Aber nicht mehr. Die 28-Jährige kennt eigentlich niemanden in Deutschland. Versuche in Marburg eine Wohnung zu finden, wo sie Bildende Kunst studieren will, waren aus der Ferne vergeblich. Und sind es bis heute geblieben, vier Wochen nach ihren Ankunft.

Keinen Plan und keinen Platz

„Es war schrecklich. Der Flug hatte Verspätung, die schweren Koffer, ich wusste nicht, wohin ich gehen soll“, sagte Fattahi. Ohne Hilfe hätte sie es wohl nicht geschafft, vom Flughafen zum Bahnhof in Frankfurt und von dort nach Marburg. Und dort ins Ungewisse. „Ich hatte keinen Plan und keinen Platz“, sagte sie, die über Hilfe von hier lebenden Landsleuten und eine Annonce bei den „Couch-Servern“ überhaupt erst eine vorübergehende Bleibe gefunden hat.

Bei Professor Mohammad R. Malmanesh ist sie fürs erste fündig geworden. Dort kann sie zumindest für einige Zeit im Zimmer der Tochter unterkommen. Eine Dauerlösung ist das aber nicht. „Studenten im ersten Semester, die von außerhalb kommen, brauchen erst einmal einen Platz“, sagte Fattahi und formuliert damit auch eine Forderung. Nach einem Jahr sollten sich die Studenten eine Wohnung selber suchen. Das ist nicht das erste Problem, mit dem sich die 28-Jährige ab dem ersten Tag konfrontiert sah. Dazu gehört auch die Sprache. Fattahi lernt seit sechs Jahren deutsch und sprich die Sprache eigentlich flüssig. Nur manchmal sprechen ihre Gesprächspartner zu schnell.

Es war eine bewusste Entscheidung, damals diesen sprachlichen Weg eingeschlagen zu haben, sagt sie heute. „Die Qualität der Lehre in Deutschland war für mich interessant. Englisch habe ich seitdem vergessen.“ Auch wenn die Entscheidung für die aus der Zwei-Millionen-Stadt Esfahan stammende Fattahi klar war, in Deutschland zu studieren, haben es die Behörden keineswegs leicht gemacht.

Nach der Schule studierte die Iranerin Fotografie, schloss dieses Fach mit dem Bachelor of Arts ab, und absolvierte anschließend erfolgreich den Masterstudiengang Grafik und Design in der iranischen Hauptstadt Teheran. „Es ist schwierig, ein Visum für eine Universität im Ausland zu bekommen, auch wenn man an den besten iranischen Universitäten studiert hat“, sagte Fattahi. Acht Wochen dauerte es bei ihr. Während dieser Zeit lernte sie aber auch eine Reihe von Menschen kennen, die deutlich länger warten mussten. „Es war teilweise ein unmenschliches Verhalten, was mir und anderen Leuten in der deutschen Botschaft widerfahren ist“, sagte sie. Studenten müssten oft lange warten, ohne eine Begründung zu bekommen - auch nicht für Absagen.

Ein kleines Stück Heimat auch in Deutschland

Bisher ist unklar, ob sie überhaupt für den Master-Studiengang „Bildende Kunst“ in Marburg zugelassen ist. „Ich wollte hier studieren, weil die Lehre anderes ist als im Iran“, sagte die 28-Jährige. Das Studium sei theoretischer und nicht so praxisorientiert. Zudem sei auch der größte Teil der Theorie veraltet und könne den Studenten nicht vermittelt werden.

Das größte Problem bleibt für Fattahi aber das Heimweh. Per Telefon oder Skype hält sie Kontakt mit den Verwandten im Iran. Aber zumindest ein kleines bisschen Heimat findet Fattahi auch in Deutschland. Dann, wenn sie sich mit ihrer jüngeren Schwester trifft, die an der Universität Hohenheim studiert.

von Andreas Arlt

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