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Uni und Stadt Die Präsidentin: Prima inter pares
UNIversum Uni und Stadt Die Präsidentin: Prima inter pares
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11:32 04.10.2010
Katharina Krause ist die erste Frau an der Spitze der Philipps-Universität. Quelle: Rolf K. Wegst
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Marburg. Wenn man ihr zu Beginn ihres Studiums gesagt hätte, sie würde einmal Uni-Präsidentin werden: "Ich glaube, ich hätte nur gelacht". Das sagt Katharina Krause im September 2010, ein gutes halbes Jahr nach ihrem Amtsantritt als Präsidentin der Philipps-Universität. In der Hochschulpolitik und der Verwaltung ist die 50-Jährige aber schon viel länger aktiv. Und daher kann sie auch nicht mehr so genau sagen, wann sie zum ersten Mal darüber nachdachte, wie es wäre, sich für das höchste Amt in der Universität zu bewerben.

Am Anfang ihres Studiums war das sicher keine Frage. Damals, 1978, hatte die Abiturientin des Gymnasiums Philippinum in Marburg, ganz naheliegende Ziele bei der Studienfachwahl: "Ich wollte auf keinen Fall an die Schule und auch nicht unterwegs der Versuchung erliegen, zu wechseln." Aus dem Bildungssystem auch einmal herauszukommen sei neben dem genuinen Interesse ausschlaggebend für die Kunstgeschichte gewesen, erklärt Krause. Zudem habe sie eine Herausforderung gesucht, etwas zu studieren, das in der Schule nicht vorkam. An Herausforderungen mangelt es ihr auch in der aktuellen Position nicht. Krauses Arbeitstag beginnt gegen 6 Uhr - weshalb sie momentan gar nicht so abgeneigt wäre, wenn die Sommerzeit Ende September endete: "Dann wäre es morgens schon eher hell im Büro". Wenn der Arbeitstag endet, ist es aber Sommerzeit hin oder her, auf jeden Fall dunkel.

Manche Herausforderung ähnelt heute sogar denen im Kunstgeschichts-Studium. Hier wie dort spielt die sprachliche Vermittlung eine große Rolle. In der Kunstgeschichte geht es in den allermeisten Fällen um Dinge, die nicht sprachlich sind: Bilder, Plastiken, Bauwerke. Im Präsidentenamt geht es um komplexe Sachverhalte wie den Hochschulpakt oder die Campus-Universität. Eines der größten Bauvorhaben in der Innenstadt Marburgs fällt in die Amtszeit Katharina Krauses.

Die Frau, die heute viele Verordnungen und Schriftsätze lesen - und schreiben - muss, sagt über ihr eigenes Studium: "Ich habe nie eine Studien- und Prüfungsordnung gelesen. Ich habe in einer Zeit studiert, in der es große Freiheiten gab. Die erste Prüfung war die Dissertation." Die Freiheit barg aber auch die Freiheit, zu scheitern. "Man war viel mehr auf sich selbst gestellt als heute", sagt die Kunsthistorikerin. Nach zwei Semestern Marburg zog es sie in eine größere Stadt, nach München. Und von dort - "Deutschland kannte man ja schon" - nach Paris, wo die Aufnahme an der Universität für die Absolventin eines altsprachlichen Gymnasiums fast an der Sprachprüfung gescheitert wäre. "Ich konnte Französisch zwar ganz gut lesen, bin aber bei der Sprachprüfung erst einmal durchgefallen", erzählt Krause. Warum sie dennoch einen Studienplatz bekam, das wisse sie bis heute nicht, fügt sie lachend hinzu.

Nach der Promotion in München folgte Ende der 80er Jahre der Wechsel an die Universität Freiburg. 1996 trat Krause eine Professur in Marburg an. 2006 wurde sie zur Vize-Präsidentin gewählt. Doch der richtige Bruch im Alltag kam mit der Wahl zur Präsidentin. "Der Rhythmus der Uni fehlt, der Wechsel zwischen Semester und vorlesungsfreier Zeit", erklärt sie. Damit ändere sich auch das Lebensgefühl. Natürlich überlege man sich so etwas vorher, "aber als ich mein Zimmer im Institut ausgeräumt habe, habe ich doch festgestellt, dass es mir schwerfällt".

Denn mit dem Fach, mit der eigenen wissenschaftlichen Arbeit, ist es als Präsidentin erst einmal vorbei. Das nächste Forschungsprojekt, das sich mit der Frage der künstlerischen Erfindung aus der freien Handzeichnung, zum Beispiel im Ornament und den angewandten Künsten befasst, wird so noch etwas warten müssen. Und noch etwas hat sich für die Präsidentin geändert: "Ich werde viel öfter auf der Straße erkannt".

Das Fach Kunstgesichte empfiehlt Krause auch noch 2010, in einer Zeit, in der die Verwertbarkeit der Studieninhalte fürs Berufsleben bei vielen Studenten schon fast wichtiger ist als das Interesse am Fach. "Generell ist das Ziel eines Universitätsstudiums, das, was man gelernt hat, auf andere Felder zu übertragen. Und in der Kunstgeschichte erwirbt man eine Doppelqualifikation: fachlich und sprachlich."

Damit schließt sich der Kreis zum eigenen Studium, denn da ging es ja auch um die sprachliche Vermittlung nichtsprachlicher Inhalte. Und dann wartet auch schon der nächste Termin. An Menschen, die etwas von der Präsidentin wollen, mangelt es nicht. Ob sie Unterschiede zu einem Uni-Präsidenten sieht? "In der Amtsausübung nicht, aber als Frau muss man vielleicht ein noch etwas dickeres Fell haben."

von Gabriele Neumann

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