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"Der Bachelor ist nichts wert"

Umfrage unter Studenten "Der Bachelor ist nichts wert"

Vergangene Woche kamen an dieser Stelle zwei Studentinnen zu Wort. Sie bemängelten, ihr Studium sei durch schlechte Rahmenbedingungen und mangelhafte Lehre gekennzeichnet. Die OP hörte sich daraufhin weiter um.

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Ist der Bachelor ein sinnvoller Abschluss? Unter Studenten wird das Thema heftig diskutiert.Archivfoto

Quelle: Diana_Drubig

Marburg. Wie zufrieden sind Marburgs angehende Informatiker, Lehrer, Soziologen oder Mediziner mit ihrem Studium? Wir haben die Meinung der beiden Studentinnen auf eine breitere Basis gestellt, um ein Stimmungsbild zu erstellen. 100 Studierende aus 25 Studiengängen haben einen Fragebogen ausgefüllt, der sowohl ausführliche Antwortmöglichkeiten als auch Angaben zum Ankreuzen bot. Dabei haben nicht alle Befragten alles ausgefüllt, so dass die Ergebnisse, die hier vorgestellt werden, nicht auf 100 Prozent kommen. Am prägnantesten sind die Antworten auf die Frage „Bist du der Meinung, dass das Bachelor-System (innerhalb kürzerer Zeit stehen gut ausgebildete junge Menschen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung) so aufgegangen ist?“ 49 Prozent der Befragten beantworteten diese Frage mit „nein“. Nur 13 sind der Meinung, das System sei so aufgegangen. Acht Prozent schrieben „zum Teil“.

Zu jung, nicht gut vorbereitet

Viele gaben an, mit einem Bachelor-Abschluss sei man noch zu jung und nicht gut vorbereitet für den Arbeitsmarkt. Ein 22-Jähriger Geographie-Student schrieb beispielsweise: „Niemals! Der Bologna-Prozess ist eine absolute Fehlkonstruktion. Ein Bachelor-Abschluss ist nichts wert auf dem Arbeitsmarkt.“ Oder: „Nein, das Modulsystem in strenger Abfolge lässt wenig Zeit, Kapazitäten und Möglichkeiten, um sich vielseitig zu interessieren“, schreibt eine 21-jährige Kunst-Studentin. „Nein“, kam es auch von einer 22-jährigen Psychologie-Studentin aus dem zweiten Semester, „gerade für Psychologie ist eine längere Ausbildung sinnvoll.“

Die Frage „Bist du mit der Lehre zufrieden?“ wurde weit weniger eindeutig beantwortet. 44 Prozent gaben an, sie seien teilweise zufrieden. 19 Prozent sind zufrieden, 16 Prozent nicht. Es konnten verschiedene Kritikpunkte angekreuzt werden (Mehrfachnennungen möglich). Jeder Zweite bemängelt fehlende Praxis, 44 Prozent stören sich an dem Sparzwang der Uni, der sich in Dozentenmangel oder mangelhaft ausgestattete Bibliotheken zeigt. Fast jeder sieht sich zu viel Druck und Stress an der Uni ausgesetzt und 31 Prozent bemängeln, zu wenig Zeit zum Arbeiten und für Praktika zu haben. 28 Prozent kreuzten an, zu wenig Möglichkeiten zum freien wissenschaftlichen Denken zu haben und 18 Prozent sehen zu wenig Unterschied zur Schule.

Mehr Dozenten gefordert

Die Ansprüche an ein gutes Seminar lauten: ein guter Vortragsstil des Dozenten, Interaktivität, nicht zu viele Referate und der Einsatz neuer Medien. „Der Professor sollte den Studierenden Anreize geben, zu lernen. Keine Stichpunkte auf den Folien, sondern Texte“, so ein 21-jähriger VWL-Student. „Einbezug verschiedener Medien, möglichst genaue Aussage, warum vermittelter Stoff wichtig ist“, schreibt eine 23-jährige Kunst-Studentin.

An Verbesserungsvorschlägen mangelt es den Studierenden nicht. „Mehr Dozenten, Veranstaltungen. Mehr Praxisnähe“, schreibt eine 23-jährige Lehramtsstudierende. Die Zeit, in der die Prüfungen stattfinden, sollte verlängert werden, schlägt eine 22-jährige Pharmazie-Studentin vor: „Wir schreiben in viel zu kurzer Zeit zu viele Klausuren parallel zu laufenden Veranstaltungen.“

Positiv ist, dass ein großer Teil (41 Prozent) sicher ist, den richtigen Studiengang gewählt zu haben. 13 Prozent sagten nein und 28 Prozent sind sich unsicher.

Um nun den Bogen zur Ausgangsfrage zu schlagen, lässt sich feststellen: Ganz unrecht haben die beiden angehenden Wirtschaftswissenschaftlerinnen nicht mit ihrer Kritik.

Im dritten und letzten Teil zu diesem Thema werden in einer unserer nächsten Ausgaben Vertreter der Uni Marburg zu Wort kommen und sich den kritischen Anmerkungen stellen.

von Kristina Gerstenmaier

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