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Debatte über Klinik-Privatisierung

Marburg Debatte über Klinik-Privatisierung

„Der Patient als Ware“: Das war der Titel einer Diskussions-Veranstaltung der Vereinigung „Notruf 113“ im Technologie- und Tagungszentrum (TTZ) in Marburg.

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Auf dem Podium bei der Diskussionsveranstaltung von „Notruf 113“ saßen (von links) Moderator Daniel Reuter, Dr. Nadja Rakowitz, Professor Hans-Ulrich Deppe, Dr. Eike Schäfer und Dr. Reiner Fromm.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. „Der Patient als Ware: Medizinische Versorgungszentren (MVZ) der Rhön AG verdrängen freie Haus- und Fachärzte in Marburg/Gießen. Was können wir gegen das Geschäft mit der Krankheit tun?“: Das war der Titel einer Info-Veranstaltung, die rund 150 Zuhörer im TTZ in Marburg verfolgten. Auf das Podium geladen waren der Frankfurter Medizinsoziologe Professor Hans-Ulrich Deppe, Dr. Nadja Rakowitz (Verein demokratischer Ärzte), Dr. Eike Schäfer (ehemaliger Arzt des Uni-Klinikums Marburg) und der Fernsehjournalist Dr. Reiner Fromm. Ein Vertreter der Rhön Klinikum AG oder der Uni-Klinikum Gießen und Marburg GmbH war jedoch nicht auf das Podium geladen.

Dabei stand nach einem einleitenden Vortrag von Professor Deppe über die wachsende Bedeutung von Medizinischen Versorgungszentren im deutschen Gesundheitssystem vor allem die Privatisierung des mittelhessischen Uni-Klinikums im Fokus der Kritik. Denn das Hauptziel der von Ärzten gegründeten Initiative „Notruf 113“ ist die kritische Begleitung des zu 95 Prozent im Besitz des Rhön Klinikum AG befindlichen Klinikums.

„Bei Medizinischen Versorgungszentren arbeiten bis zu fünf Ärzte in der ambulanten Versorgung unter einem Dach. Mit den Medizinischen Versorgungszentren wird seit 2004 das Monopol der ambulanten Versorgung durch Kassenärzte durchbrochen“, erläuterte Deppe. Denn auch Kliniken können diese MVZ betreiben.

Elf Jahre lang war Dr. Eike Schäfer Arzt in der Unfallchirurgie des Marburger Uni-Klinikums, darunter zwei Jahre lang Oberarzt. Er sollte erläutern, welche Gefahr der mögliche Kauf von Medizinischen Versorgungszentren durch die Rhön Klinikum AG in Marburg bedeuten könne. Doch zunächst erklärte er dem Publikum, wieso er selber zwei Jahre nach der Privatisierung das Uni-Klinikum verlassen habe. Ausschlaggebend sei für ihn die Personalreduzierung und die Arbeitsverdichtung im Klinikum gewesen.

Gegen die Grundsatzkritik am privatisierten Klinikum erhob Professor Rainer Moosdorf, Ärztlicher Leiter des Marburger Uni-Klinikums, Widerspruch. Er kam als Gast der Veranstaltung zu Wort, als die Runde für Fragen und Statements aus dem Saal geöffnet wurde. Moosdorf betonte, dass die Arbeitsverdichtung in den Uni-Kliniken kein Marburger Phänomen sei, sondern leider auch in allen nicht privatisierten Uni-Kliniken von München bis Hamburg zu beobachten sei.

von Manfred Hitzeroth

Mehr lesen Sie am Donnerstag in der gedruckten OP.

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