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Brauchen wir einen Superhelden?

Die Debatte Brauchen wir einen Superhelden?

Die nicht ganz ernst gemeinte Dikussion des Debatierclubs Marburg.

Marburg. Pro, Frank Posch (21), 4. Semester Geographie: Diese Stadt braucht einen Superhelden, diese Stadt braucht ein Vorbild. In Marburg gibt es bisher kein solches Vorbild und wir brauchen es, weil wir vor allem Jugendliche ermuntern wollen, sich wieder mehr für die Gesellschaft einzusetzen und mehr sozial zu agieren. Wir sehen es gerade jedes Jahr an Rosenmontag, dass sich verzweifelte Jugendliche, die häufig nur das einzige Vorbild Smirnoff oder Baileys kennen, die Birne weghauen. Und deswegen brauchen wir jemanden, der für soziale Gerechtigkeit eintritt, den Menschen über die Straße hilft, um hier ein Zeichen zu setzen und Jugendliche zu ermuntern, zu fördern, um sich selber sozial zu engagieren.

Jöran Beel (33), Doktorand der Informatik: Wenn überhaupt, dann bräuchten wir eine Superheldin, denn wir sind in Marburg. Aber auch eine Superheldin brauchen wir nicht. Wir brauchen ganz viele kleine Helden. Jeder sollte ein kleiner Held werden, etwas für die Gesellschaft tun und sich nicht auf einen Superhelden verlassen. Was wäre nämlich die Folge? Die Folge wäre, dass sich jeder andere zurücklehnt und sich denkt: „Ach, der Superheld, der wird‘s schon richten.“ Genau das wollen wir nicht. Jeder soll sich engagieren und nicht die Arbeit auf einen Superhelden abschieben.

Frank: Auch eine Superheldin wäre natürlich klasse oder gleich ein Superhelden-Paar. Aber findest du nicht auch, dass gerade in Marburg, die Stadt der Gebrüder Grimm, die Stadt der Märchen, ein modernes Wunder verdient hat? In Märchen geht es auch um jemanden, der außergewöhnliche Fähigkeiten besitzt, der anderen Leuten hilft. Gerade diesen jemand brauchen wir, der moderne Wunder vollbringt, sich einsetzt und hier auch andere mitzieht. Denn wir brauchen ein Vorbild, an das wir uns halten können.

Jöran: Ich frage mich: Warum brauchen wir in Marburg Wunder? In Marburg ist doch schon alles wunderbar. Schauen wir uns doch mal die Probleme in Marburg an: Das sind bestenfalls gröhlende Studenten, vielleicht freche Debattierer und andere Kleinigkeiten. Aber dafür braucht man doch keinen Superhelden, um diese Probleme zu lösen. Da stellt man, wenn überhaupt, ein paar mehr Leute beim Ordnungsamt ein oder, vielleicht noch ein bisschen besser, jeder ist ein bisschen toleranter. Dann braucht man auch kein Wunder mehr in Marburg, dann ist alles wunderbar.

Frank: Vielleicht stimmt das im Moment. Aber man sollte natürlich auch einen Blick in die Zukunft machen. Die sieht dann vielleicht nicht so rosig aus. Und dann brauchen wir hier einen Superhelden. Wer rettet denn die ganzen Menschen, wenn zum Beispiel die Oberstadt geflutet wird? Dann muss jemand da sein, der sich um die Menschen kümmert, sie aus dem Wasser rettet und ihnen das Schwimmen beibringt.

Jöran: Schwimmen, das habe ich schon in der Grundschule gelernt. Und ich glaube, die meisten Marburger können auch schon schwimmen und müssen das nicht mehr lernen. Aber selbst wenn, überlegen wir doch einmal, was würde dann passieren: Die ganzen Bademeister und Mitarbeiter vom Technischen Hilfswerk würden arbeitslos oder hätten nichts zu tun. Das heißt, sie kämen abends nach Hause und die Frau würde fragen: „Na Schatz, wie war dein Tag?“ Und was würden Sie dann sagen? „Hm, der Superheld war schon da und hat alles gemacht. Mir geht es jetzt eigentlich nicht so gut.“ Das möchte ich nicht und deswegen braucht Marburg keinen Superhelden.

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