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"Beste Zeit, ein Kind zu bekommen"

Kind & Studium "Beste Zeit, ein Kind zu bekommen"

Kinder sind unsere Zukunft - klar. Aber wie gelingt der Spagat zwischen Uni-Karriere und den Aufgaben als Eltern? Die OP hat sich umgehört.

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Mutter Clarissa mit Töchterchen Greta auf der Mensabrücke in Marburg.

Quelle: Sophia Hedderich

Marburg. Pünktlich um 6.30 Uhr klingelt der Wecker. Bastian weckt den kleinen Jonathan und zieht ihn an. Das klappt, wie bei allen Eltern, mal schneller, mal nur unter lautstarkem Protest. Eben noch die Tasche gepackt und schon machen sich die beiden auf den Weg zur Uni-Kita. Nachdem der Zweijährige gegen 9 Uhr dort angekommen ist, geht es für Bastian entweder in den Hörsaal oder zum Lernen nach Hause. „Meinen Vormittag widme ich ganz der Uni. Nach der Kita gehen wir dann entweder auf den Spielplatz oder wir machen was Schönes daheim.“, erklärt der 29-Jährige. Seine Frau Denise, die als Referendarin arbeitet, ist nachmittags häufig in der Schule. „Wir wechseln uns ab: Wenn mal eine Hausarbeit oder eine Prüfung ansteht, passt sie auf den Kleinen auf.“, sagt Bastian. Der Latein- und Geschichtsstudent wurde am Ende seines Erststudiums Vater.

Studierende Eltern müssen sich gut organisieren

Beim Studieren mit Kind ist seiner Ansicht nach eine gute Organisation und Flexibilität das A und O. Dieser Meinung ist auch die 28-jährige Lehramtsstudentin Clarissa. Sie hat bereits ihr Examen in Geschichte und Geographie mit Bravour bestanden und macht nun ein Referendariat an einem Marburger Gymnasium. Nebenbei studiert sie Spanisch. Clarissa wurde mit 25 Jahren schwanger - mitten im Studium. „Es war auf jeden Fall eine Überraschung. Aber eine durchaus positive.“, sagt sie. Inzwischen ist ihre Tochter Greta drei Jahre alt.

Nachdem sie wussten, dass sie ein Kind erwarten, haben sich Clarissa und ihr Freund Javier als erstes auf die Suche nach einer gemeinsamen Wohnung begeben. „Eine preiswerte schöne Wohnung in Marburg zu finden, ist echt verdammt schwer“, erzählt sie. Besonders die finanzielle Situation stellte sich als schwierig heraus: „Da ich mein Studienfach gewechselt habe, hatte ich keinen Anspruch mehr auf Bafög. Ich bin dann zur Beratungsstelle von ProFamilia gegangen. Die haben mir ein Stipendium von einer Stiftung aus Frankfurt vermittelt. Da hatte ich wirklich Glück.“

Die Studentin hat zusätzlich noch dreimal in der Woche als Pflege- und Haushaltshilfe gearbeitet. Außerdem erhielt sie von der Marburger Universität monatlich einen Betreuungszuschlag von 300 Euro, als sie sich in ihrer Examensphase befand.

Babypause kam für sie nicht in Frage

Auch Bastian und Denise bekommen staatliche Unterstützung. „Mit den 100 Euro monatlich, die wir als Kitazuschuss erhalten, können wir den Großteil des Kitageldes bezahlen“, erklärt der junge Vater. Beide Familien haben ohne längeres Warten einen Kitaplatz bekommen. „Ich bin direkt einen Tag nach der Geburt zur Kita am Erlenring gegangen und habe Jonathan dort angemeldet.

Passend mit acht Monaten konnte ich ihn dann dahin bringen“, erzählt Bastian. Eine Pause kam für Clarissa von Anfang an nicht in Frage: „Die Angst, dass ich dann nicht mehr ins Studium rein finde, war viel zu groß. Zwei Wochen nach der Geburt saß ich wieder im Hörsaal. “, erzählt die Referendarin.

Trotz Lernstress und Doppelbelastung sind sowohl Bastian als auch Clarissa froh, während des Studiums Eltern geworden zu sein. „Ich finde, es gibt keinen besseren Zeitpunkt Mutter zu werden als im Studium. Natürlich gibt es auch Momente, in denen man denkt, dass man es nicht mehr schafft.

Besonders während meines Examens war es wirklich stressig. Aber ich glaube, wenn man erst mal richtig arbeitet, ist es bestimmt schwieriger, Kind und Beruf unter einen Hut zu bekommen“, meint die junge Mutter.

von Sophia Hedderich

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