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Bei islamischen Studien sollen viele Richtungen vertreten sein

Philipps-Universität Bei islamischen Studien sollen viele Richtungen vertreten sein

Muslimische Theologen und angehende islamische Religionslehrer sollen in Marburg lehren und lernen. Der Bund muss über den Förderantrag der Uni noch entscheiden.

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Ein Lehrer unterrichtet in Hanau Grundschüler verschiedener Klassen in alevitischer Religion.

Quelle: OP

Marburg. In dem in Marburg geplanten Zentrum für Islam-Studien sollen nach Möglichkeit alle religiösen Richtungen innerhalb des Islam vertreten sein. Dafür sprachen sich Mitglieder des Senats und des Präsidiums der Marburger Philipps-Universität aus.

Das wissenschaftliche Zentrum soll mit sechs Professoren-Stellen besetzt werden. So sollen unter anderem renommierte Koranexperten nach Marburg berufen werden, teilte Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause mit. Das Land Hessen unterstützt das Vorhaben, für das die Marburger Uni gemeinsam mit der Justus-Liebig-Universität einen Förderantrag beim Bund gestellt hat. Die beiden Hochschulen wollen auch die Ausbildung von islamischen Religionslehrern in Hessen übernehmen, die zunächst in Grundschulen unterrichten sollen.

„Das bundesweite Vorhaben ist von außerordentlicher gesellschaftlicher Relevanz. Es ist ein Zeichen, dass Migranten mit anderem Glauben in Deutschland angekommen sind“, sagte Krause. Die islamische Theologie werde sich künftig auf Augenhöhe mit anderen Religionen befinden.

Die Uni Marburg und das Land Hessen folgen mit den Plänen einer Empfehlung des Wissenschaftsrates, der über die Einrichtung von Einzelprofessuren mit islamisch-religionspädagogischer Ausrichtung hinaus künftig an zwei bis drei Standorten im staatlichen Hochschulsystem größere Organisationseinheiten für islamische Studien fordert.

Das in Marburg geplante Zentrum für Islamische Studien soll in der ehemaligen Kinderklinik nahe der Elisabethkirche untergebracht werden, dort befindet sich bereits das Orientzentrum. Studierende sollen dort als Fach Islamische Studien belegen können und ihr Studium mit einem Bachelor oder Master-Abschluss beenden. Zudem soll in Marburg und Gießen die Lehrerausbildung für islamischen Religionsunterricht in Hessen angesiedelt werden.

Pro Jahr werde im Schnitt mit 50 Studierenden gerechnet. Wie Krause erklärte, hat die Uni Marburg aus pragmatischen Gründen gemeinsam mit der Uni Gießen den Antrag auf eine Bundesförderung gestellt. Der Bund wird sich an dem Projekt mit einer halben Million Euro pro Jahr zunächst für fünf Jahre beteiligen, nach einer Evaluierung möglicherweise für weitere fünf Jahre.

Das Land müsse den Rest finanzieren, etwa 800.000 bis 900.000 Euro pro Jahr – je nach Studierendenzahl. Insgesamt rechne man mit 3,4 Millionen Euro an Personal- und Sachkosten, so Krause. Im Uni-Senat stieß das Vorhaben inhaltlich auf Zustimmung, doch gab es Skepsis und mehrere Fragen zur Finanzierung.

Der Jura-Professor Wolfgang Voit sagte: „Man muss vorsichtig mit finanziellen Zusagen des Landes sein“. Er fragte, was passiert, wenn das Zentrum „nicht funktioniert?“. Allein aufgrund der demografischen Entwicklung sei davon auszugehen, dass muslimische Migranten sich zunehmend für diese Fächer interessieren, so Krause.

von Anna Ntemiris

Mehr zu diesem Thema lesen Sie am Mittwoch in der Printausgabe der OP.

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