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Aus Liebe zu Marburg

Kunststudentin zeigt Werk Aus Liebe zu Marburg

Wilde Pinselstriche in Blautönen umhüllen leuchtende Sterne am Himmel, darunter das ­erleuchtete Landgrafenschloss und die Altstadt: als ob Vincent Van Gogh Marburg gekannt und ­gemalt hat.

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Die Inspiration durch Vincent van Gogh ist unverkennbar: Anna Benesova mit einem Schloss-Panorama.

Quelle: Patricia Graehling

Marburg. Es ist ein Kunstwerk der Studentin Anna Benesova. Die junge Tschechin lebt seit vier Jahren in Marburg, in einer Wohnung mit Blick auf das Schloss, auf die Szenerie, die sie in ihrem Bild darstellt. Sie liebt die „Sternennacht“ von Van Gogh und sie liebt Marburg - kein Wunder also, dass sie beides auf Leinwand zusammen­bringt.

Damit begeistert sie auch die Marburger - denn Benesova hat auf ihrer Facebook-Seite „Ann‘s handmade jewellery“ ein Video im Zeitraffer online gestellt, das zeigt, wie das wild-romantische Bild entstanden ist und das sich bereits Tausende angeschaut haben. Etwa acht Stunden hat sie gefilmt, dann war das Bild grob fertig. „Für die Feinarbeiten habe ich aber nochmal so lange gebraucht“, verrät sie und schaut hinaus auf das Schloss.

Es war genau diese Aussicht, in die sie sich verliebte, als sie während ihrer Schulzeit für einige Wochen zu einem Freiwilligendienst nach Marburg kam, um ihr Deutsch zu verbessern. „Ich habe mich gleich in Marburg verliebt und neue Freunde gefunden“, erzählt die heute 23-Jährige.

Nach dem Abitur kam sie daher direkt zurück in die Universitätsstadt, wo sie Kunst, Musik und Medien studiert. „Im ersten Jahr habe ich nur Englisch gesprochen und einen Sprachkurs besucht“, erinnert sie sich. Ihr Studium beendet sie in einem Jahr, will dann den Master in Kunstgeschichte machen. „Oder ich mache mit der Kunst weiter. Vielleicht taucht ja ein Angebot auf“, sagt sie mit einem fröhlichen Lachen.

Ihre Werke sind in der ganzen Welt verteilt

Schon als Kind widmete Benesova sich in Pardobitz, einer Stadt von der Größe Marburgs, der Kunst: „Ich habe Keramik gemacht und gemalt“, erzählt sie. „Das beruhigt mich und ich erhole mich nach einem langen Tag an der Uni, wenn ich kreativ bin und etwas Schönes schaffen kann.“

Schön sind nicht nur ihre Schlossbilder zu verschiedenen Jahreszeiten, sondern auch ihre Porträts, die Benesova dem Stil von Edvard Munch nachempfindet. Ihn studiere sie am liebsten. „Seine Bilder haben einen tiefen Ausdruck“, beschreibt die Tschechin.

Deshalb ist sie auch mittler­weile auf einer Studienreise in Norwegen, will dort erleben, wie Munch das Land und die Stimmungen dort erlebt hat. „Ich will dadurch mehr verstehen, was er gemalt hat.“

Nicht nur bei der Malerei zeigt Benesova Kunstfertigkeit. Mit flinken Fingern biegt sie zudem aus Edelstahldraht und Mineralien kleine, zierliche oder große, imposante Schmuckstücke. Meist zieren Drachen die Ohrringe und Ketten und halten grüne, rote oder blaue Steine in den Klauen. Hier und da ist auch ein Notenschlüssel zu sehen oder ein detailreiches Seepferdchen. Mit einer Zange, Hammer und Amboss im Miniaturformat gestaltet sie filigrane Formen.

„Ich habe als Kind schon Figuren und Schmuck aus Draht gemacht“, erzählt Benesova. Damals habe sie aber nur mit ­Kupfer und Glasperlen arbeiten können.

Für Kinder sei das toll, da Kupfer leicht biegsam sei. Schlecht hingegen sei es für Schmuck, der dauerhaft in Form bleiben solle. Die Steine kauft sie auf ­Mineralienmessen oder sammelt sie an den Stränden und in den Bergen der Welt. „Dann trägt der Schmuck auch die ­Geschichte des Steins.“

In Tschechien hat Benesova­ Kreativkurse für Erwachsene und Kinder angeboten, gezeigt, wie Schmuck aus Draht entsteht. In Prag hat sie zudem oft ihre Werke auf Märkten verkauft. „Mein Schmuck ist in der ganzen Welt verteilt, etwa in Finnland, Prag und Hongkong“, sagt Benesova. Eine Wanddekoration in Form eines Katzengesichts ging nach Amerika. In Marburg fertigt die Studentin Bilder und Schmuck meist für Freunde und Bekannte an, übernimmt Auftragsarbeiten.

In Norwegen allerdings will sie in den nächsten Monaten viele eigene Ohrringe, Ketten oder Manschettenknöpfe kreieren: „Ich habe eine Einladung für den Kunsthandwerkermarkt in Marburg und plane einige Ausstellungen“, verrät sie mit Aufregung in der Stimme.

von Patricia Grähling

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