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Asta-Referat will Unisex-Toiletten

OP-Umfrage in Marburg Asta-Referat will Unisex-Toiletten

Keine getrennten Toiletten mehr, nur noch Unisex-WCs an allen deutschen Universitäten: Das fordert ein Zusammenschluss von Asta-Referaten. Auch eine Gruppe aus Marburg hat unterzeichnet.

Marburg. An der Goethe-Universität in Frankfurt ist es schon beschlossene Sache: Im gesamten neuen Studierendenhaus am IG-Farben-Campus im Westend soll bei den Toilettenräumen nicht mehr nach Männern und Frauen unterschieden werden. Die Universitätsleitung hatte das Studierendenparlament dazu aufgefordert, selbst eine Entscheidung über die Ausgestaltung der sanitären Räumlichkeiten zu treffen. Ergebnis: Jeder Student und jede Studentin wird das Geschäft dort künftig auf Unisex-Toiletten verrichten.

Die „Bundeskonferenz der schwulen, lesbischwulen und queeren Hochschulreferate“ unterstützt diese Entscheidung und fordert die Einrichtung solcher „geschlechtsneutraler“ Toiletten nun auch an anderen Unis. „Wir setzen uns bundesweit für eine gesellschaftliche Auseinandersetzung mit sexualisierter Diskriminierung ein. Wir fordern alle öffentlichen und nichtöffentlichen Einrichtungen auf, diesem Beispiel zu folgen und sich die Problematik des althergebrachten Konzepts von Zweigeschlechtlichkeit bewusst zu machen. Das Einführen von geschlechtsneutralen Toiletten kann hierbei nur der erste Schritt sein“, heißt es in einer Presseerklärung, zu deren Unterzeichnern auch das „Autonome FrauenLesbenReferat“ des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta) in Marburg zählt.

Unterzeichner erwarten Erhöhung der Sicherheit

In anderen öffentlichen Räumen – etwa in Bahnen oder Flugzeugen – gebe es auch keine Unterscheidung nach Geschlechtern, argumentiert das „Autonome Schwulenreferat“, auf das sich die Unterzeichner berufen. Mit den Unisex-Toiletten werde „zunachst der Zwang, sich einem Geschlecht zuordnen zu mussen, aufgehoben“. Niemand müsse sich mehr „fur seine geschlechtliche Identitat rechtfertigen“.

Zudem sei für eine erhohte Sicherheit gesorgt, „da die Toiletten hoher frequentiert werden und dadurch Belastigungen und Ubergriffe schneller bemerkt werden und gehandelt werden kann“. Des Weiteren finde „Sexismus und Diskriminierung nicht nur in Toiletten statt, sondern vor allem auch in den offentlichen Raumen davor, so dass das eigentliche Problem nicht in der Unisex-Toilette zu suchen ist, sondern in sexistischen und transphoben gesellschaftlichen Strukturen.“

Die Frankfurter Unisex-Toilette soll einen gemeinsamen Vorraum mit Waschbecken in zwei verschiedenen Hohen sowie ein Wickeltisch haben. Die Einzelkabinen, deren Trennwande von der Decke bis zum Boden geschlossen sind, werden mit je einem WC sowie mit einem Pissoir ausgestattet sein. Zusatzlich wird es im Erdgeschoss nahe des Eingangsbereichs eine Einzelkabine mit Waschbecken geben, zu der Manner, „die sich mit dem bei der Geburt zugewiesenen und gelebten mannlichen Geschlecht auch identifizieren“ keinen Zugang haben sollen.

Die Universitätsleitung in Marburg erklärt auf OP-Anfrage sich mit dem Thema Unisex-Toiletten „bisher nicht befasst“ zu haben. Der Asta habe „bisher auch nichts Entsprechendes an die Hochschulleitung herangetragen“, heißt es. Bei einer Umfrage unter Marburger Studenten fand die Idee keinen großen Anklang. Die meisten Befragten wollen keine Unisex-Toiletten (siehe rechts).

von Peter Gassner

OP-Umfrage

Tobias Andrae (studiert Geschichte): „Also für diejenigen, die eben mit keinem eindeutigen Geschlecht geboren sind, würde es das bestimmt einfacher machen. Vielleicht müsste man ja auch nicht alles umbauen, sondern nur eine Toilette vergrößern.“

Sarah Möller (studiert Deutsch als Fremdsprache): „Was für ein Quatsch. Wer denkt sich sowas denn aus? Ich bin dagegen.“

Stefan Burkhart (studiert Geschichte und Archäologie): „Mir ist es ja im Prinzip egal, wer alles die Einrichtungen mit nutzt, also sollen sie ruhig machen, aber vorher wäre es doch erst einmal wichtiger, dass mehr Toiletten barrierefrei werden! Ich glaube, da hätten viel mehr Leute etwas von.“

Petra-Helena Hoffmann (studiert Psychologie): „Das wäre schon ein sehr seltsames Gefühl mit den Männern zusammen, wollen die dann nur noch Kabinen aufstellen? Ich denke, da sollten eher mal die bestehenden Toiletten ordentlich saniert werden.“

Nicolas Hullmann (studiert Geschichte): „Ich fände das vollkommen schwachsinnig, wenn da jetzt ernsthaft mit viel Geld alles umgebaut würde. Man muss wirklich nicht jeden ideologischen Quatsch mitmachen.“

Umfrage und Fotos: Marcus Hergenhan

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