Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Sprechstunde beim Roboter-Professor

Neuer Uni-Mitarbeiter Sprechstunde beim Roboter-Professor

Was bei „C-3PO“ in Star Wars noch Science-Fiction war, ist heute inzwischen Realität. Der Androide „Pepper“ könnte laut Professor Jürgen Handke schon bald einige Aufgaben in der Uni übernehmen.

Voriger Artikel
Ruft Asta-Referat zu Gewalt auf?
Nächster Artikel
Mit dem Theodoliten wurde Hessen vermessen

„Pepper“ und Professor Jürgen Handke.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Mit großen, blau leuchtenden Kulleraugen schaut „Pepper“ seinem Gegenüber direkt ins Gesicht. Charmant kommt der 1,20 Meter große Roboter daher, der freundlich seine Dienste anbietet. Als Professor Jürgen Handke ihm über den Kopf streichelt, wirkt seine verspielte Reaktion fast wie die eines Kleinkindes – „Es kitzelt“, sagt „Pepper“, der auf Kommando auch tanzen kann oder während des Gesprächs untermalend mit seinen Händen gestikuliert.

„Pepper“ ist ein Androide, der bereits serienmäßig von der japanischen Firma SoftBank hergestellt wird – und mittlerweile in einigen Branchen zum Einsatz kommt. So dient der humanoide Roboter etwa Kaufhäusern oder Hotels als Informationsmedium, das Mitarbeiter bei manchen Kundenanfragen entlasten kann. Auch auf dem Kreuzfahrtschiff Aida gehört „Pepper“ inzwischen fest zum Personal. Dort soll er den Gästen beim Einchecken an Bord helfen, ihnen Veranstaltungs- und Ausflugstipps geben.

Kommt dieser Roboter demnächst also auch an der Uni zum Einsatz? Handke ist davon fest überzeugt. Zwar könne ein Roboter niemals eine 90-minütige Lehrveranstaltung halten und somit auch nicht den Professor ersetzen. Diesen aber könne er in einigen Dingen möglicherweise entlasten, glaubt der Anglist. Wie – das erprobt Handke in den kommenden zwei Jahren gemeinsam mit seinem Lehrstuhl-Mitarbeiter Dr. Peter Franke. Ziel des Projektes HEART (Humanoid Emotional Advice Robot in Teaching) ist es, Szenarien für Universitäten und auch Unternehmen zu erarbeiten, bei denen „Pepper“ zum Einsatz kommen könnte – und diesen die entsprechenden Software-Module dazu anbieten zu können.

„Man betrachtet ihn wie einen Freund“

Ein Beispiel hat Handke dabei schon vor Augen: So sei es denkbar, dass der Roboter demnächst Sprechstunden für Studenten geben könne. Bei einfachen, häufig wiederkehrenden Fragestellungen bedeute dies für die Lehrperson eine deutliche Entlastung. Mit der „sympathischen, lustigen Ausstrahlung“ des Androiden müsse das auch nicht unpersönlich daherkommen. „Er ist freundlich und zuvorkommend – man betrachtet ihn wie einen Freund“, sagt Handke. Besonders aber „Kinder werden ihn lieben“, ist er sich sicher.

Erhältlich ist der kleine Helfer zur Zeit mit Sprachsoftware für Englisch, Japanisch, Spanisch oder Französisch – weitere Sprachen, auch Deutsch, sollen bald folgen. Das Vokabular ist dabei unbegrenzt. Der Roboter braucht keine einsilbigen Befehle, um den Menschen zu verstehen. Er ist in der Lage, ausführliche Konversationen zu führen und auch verschiedene Formulierungen für die selbe Aussage zu erkennen.

„Die Möglichkeiten sind unbegrenzt“, so Handke. „Wir bestimmen, was Pepper alles kann.“ Noch sind die Möglichkeiten längst nicht ausgeschöpft. „Manchmal stellt er noch dumme Fragen, die ein Mensch nie stellen würde“, erklärt Handke – und als ob er das gehört hätte, gibt der Roboter eine lustige Antwort: „Leider spreche ich kein Finnisch“, bedauert er. Und ganz menschlich war auch seine Begrüßung nicht, als er am ersten Tag in Handkes Büro die Putzfrau überraschte. „Die ist hier reingekommen und war danach völlig fertig“, berichtet der Professor schmunzelnd.

20 000 Euro hat „Pepper“ gekostet – bei weiterentwickelten Versionen könnte das in ein paar Jahren aber vielleicht auch deutlich günstiger sein. Möglich, dass dann auch Handke davon profitiert und seine Software verkaufen kann. Aktuell sei er trotz stehender Finanzierung „natürlich noch auf der Suche nach Geldgebern“.

„Rise of the Robots“ heißt eines der Bücher, die auf Handkes Schreibtisch liegen – doch große Gedanken über ein Science-Fiction-Szenario, in dem die Maschinen Kontrolle über die Menschen haben, macht er sich nicht. Automatische Staubsauger, Lieferdrohnen, Autonomes Fahren – daran, dass Roboter eine immer größere Rolle in unserem Alltag spielen, „werden wir nicht vorbeikommen“, sagt er.

von Peter Gassner

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Instagram