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Sprache ist der Schlüssel zur Integration

Deutsch als Fremdsprache Sprache ist der Schlüssel zur Integration

Deutsch als Fremdsprache (DaF) ist mit mehr als 500 Studenten das größte Drittfach an der Uni Marburg. Allein im letzten Wintersemester haben sich 121 Studenten neu eingeschrieben. Was ist ­ihre Motivation?

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„Der Bedarf an dem Unterrichtsfach ist nach der Flüchtlingswelle gestiegen“, begründet Dr. Chiara Cerri den vermehrten Zulauf an DaF-Studenten.

Quelle: Ruth Korte

Marburg. Irgendwann gingen Lisa Gäbel die Antworten aus. „Ich habe viele Freunde, die keine Muttersprachler sind und mich häufig gefragt haben, warum man was wie schreibt oder ausspricht“, berichtet die Lehramtsstudentin von ihrer Entscheidung zu ihren beiden Fächern Deutsch und Geschichte Deutsch als Fremdsprache als Drittfach hinzu zu wählen.

Seit mehr als zwanzig Jahren ist dies an der Philipps-Universität – als einzige Hochschule in Hessen – möglich. Mit über 500 Studenten ist DaF derzeit das größte Drittfach. Es kann als Master of Arts, als Weiterbildungsmaster oder, wie im Fall von Lisa Gäbel, als Erweiterungsfach für Lehramtsstudenten studiert werden. Zudem bietet die Uni Alphabetisierungs-Zusatzqualifizierungen an.

Berufschancen sind für DaF-Studenten besser

Warum aber ist das Fach so beliebt? „Der Bedarf an dem Unterrichtsfach ist nach der Flüchtlingswelle gestiegen“, begründet Dr. Chiara Cerri von der AG „Deutsch als Fremdsprache“ den vermehrten Zulauf an DaF-Studenten in den vergangenen Jahren.

„Es klingt profan, aber ohne Sprache können Sie sich nicht unterhalten. Ohne Sprache fehlt Ihnen ein Baustein in der Integration.“  Ein weiterer Grund für die vielen Einschreibungen ist, dass Lehrer mit der Zusatzqualifikation bessere Einstiegschancen haben, weiß Martin Lüdecke, Geschäftsführer des Zentrums für Lehrerbildung.

Dies war auch für Michaela Krämer ein Grund, sich für DaF als Erweiterungsfach zu entscheiden. „Dadurch erhöhen sich für die angehenden Lehrer  zum einen die Chancen am deutschen Schul-Arbeitsmarkt und zum anderen auch auf eine Verbeamtung“, sagt sie.

Archivfoto: Nadine Weigel

Zudem könne, wer DaF studiert hat, leichter ins Ausland gehen und dort seine Muttersprache unterrichten. Dafür lernen die DaF-Studenten im Studium klassische Inhalte der Germanistik als auch der Fachdidaktik – das heißt, sie lernen, wie sie eine Unterrichtsstunde planen und bestimmte Inhalte vermitteln.

In einem erziehungswissenschaftlichen Teil lernen sie zudem, wie man mit Traumata umgeht. „Es ist wichtig, zu wissen, wen man unterrichtet und worauf man gegebenenfalls achten muss“, erklärt Lüdecke. Es ist vorgekommen, dass Schüler mitten im Deutschunterricht aufgesprungen sind und Liegestützen gemacht haben, weil sie sich für eine eventuelle weitere Flucht körperlich fit halten wollten.“

Auch interkulturelle Bildung spiele eine sehr große Rolle in der Ausbildung der DaF-Studenten. „Die Klassen, die die Lehrer vor allem in der Erwachsenenbildung später unterrichten, sind wie kleine Gesamtschulklassen“, so Cerri.
„Sie sind extrem heterogen was Sprache und Kultur angeht. Da sind zum Beispiel Albaner, Nordafrikaner und Syrer in einer Klasse – Personen also aus völlig verschiedenen Kulturkreisen. Dessen muss man sich bewusst sein.“
„Unser Wunsch ist es, das Drittfach in Zukunft weiter auszubauen und das Fach für alle Studenten zu öffnen“, so Lüdecke. Anlass dafür sei nicht nur die Flüchtlingswelle.

„Schönste Art und Weise, mein Geld zu verdienen“

„Durch die Globalisierung und Mobilität findet eine europäische Wanderungsbewegung statt. Dadurch sind wir immer mehr mit ausländischen Personen umgeben – in der Schule,­ aber auch im Beruf. Der Bedarf nimmt also nicht ab, sondern zu.“ Lisa Gäbel unterrichtet inzwischen jugendliche Flüchtlinge an einer Berufsschule in Frankfurt. Dabei handelt es sich um Analphabeten, die selbst in ihrer eigenen Sprache nicht lesen und schreiben können, weil sie in ihrer Heimat nie die Möglichkeit hatten, eine Schule zu besuchen. „Ich muss ganz von vorne anfangen und ihnen erklären: Was ist ein Verb? Was ist ein Nomen? Wie beschrifte ich ein Heft? Wie halte ich eine Schere?“, berichtet sie.
Das sei „ziemlich herausfordernd“, für sie aber „die schönste Art und Weise, mein Geld zu verdienen.“

Mehr Informationen zum Fach „Deutsch als Fremdsprache“ finden Sie auf der Homepage der Uni: www.uni-marburg.de/fb09/igs/­arbeitsgruppen/daf

von Ruth Korte

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