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11:58 04.05.2012
Neu strukturiert und modernisiert: Die Abteilung „Kirchliche Kunst“ im Universitätsmuseum für Kulturgeschichte, in dem eine bedeutende Sammlung der Uni gezeigt wird. Quelle: Moritz Jacobsen
Marburg

Tierknochen und nachgebildete Menschenhände, mathematische Modelle und mittelalterliche Schilde: In den wissenschaftlichen Sammlungen der Universität finden sich Schätze und Skurriles.

„In den Sammlungen wird Wissen visuell erfahrbar“, sagt Dr. Agnes Tieze. Was dort gesammelt und archiviert ist, macht vieles begreifbar, was an der Uni sonst eher theoretisch gelehrt wird.

Agnes Tieze ist die Direktorin des Museums für Kunst und Kulturgeschichte und damit Leiterin der bekanntesten Marburger Uni-Sammlung. Außerdem setzt sie sich als Vorsitzende eines Arbeitskreises gemeinsam mit Kollegen aus anderen Fachbereichen für die Pflege und Präsentation der wissenschaftlichen Sammlungen ein.

Die Sammlung, die Agnes Tieze betreut, besteht eigentlich aus zwei Sammlungen: der kulturgeschichtlichen, aus der die Exponate im Wilhelmsbau des Landgrafenschlosses stammen, und der Kunst-Sammlung, die im Ernst-von-Hülsen-Haus ihre Heimat hat.

25.000 Exponate stark sind diese beiden Sammlungen, deren Ursprünge im 19. Jahrhundert zu finden sind. Damals begann der Marburger Jurist Ludwig 
Bickell, kulturgeschichtliche „Altertümer“, wie das damals hieß, zu sammeln. Seine Sammlung ging später an den Hessischen Geschichtsverein über und wird erst seit 1927 als Dauerleihgabe im Museum gezeigt.

Seit Ludwig Bickells Zeiten ist die Sammlung um viele tausend Exponate angewachsen. Nur etwa ein Fünftel des Bestandes ist im Universitätsmuseum für Kulturgeschichte im Landgrafenschloss zu sehen, der weitaus größere „Rest“ lagert als Magazinbestand an verschiedenen Standorten der Uni.

Davon, dass Teile der kulturgeschichtlichen Sammlung im Schloss ausgestellt werden, profitieren jährlich ca. 30.000 Besucher. Sie können sich dort wahre Schätze ansehen: zum Beispiel die europaweit umfangreichste Sammlung mittelalterlicher Schilde, kunstvoll mit Wappen verziert und teils auch auf der Innenseite bemalt.

Einer der ausgestellten Schilde im Wilhelmsbau gehörte einst Landgraf Heinrich dem Ersten (1244 - 1308), dem Enkel der heiligen Elisabeth. „Dieser Schild ist eines der letzten nicht architektonischen Zeugnisse jener Zeit“, sagt Tieze. Sie bedauert, dass Mittel und Personal fehlen, um Stücke wie dieses angemessen präsentieren zu können: „Im Rahmen eines Forschungsprojektes müssten die Schilde untersucht und gegebenenfalls restauriert werden. Mit dem neuen Wissen könnte man die kostbaren Exponate dann auch attraktiver inszenieren. Doch auch mit knappen Mitteln ist die kulturgeschichtliche Sammlung in Bewegung: Die Abteilungen „Vor- und Frühgeschichte“ und „Ländliches Leben“ werden zurzeit neu strukturiert und modernisiert. Die Abteilung „Kirchliche Kunst“ erstrahlt bereits in neuem Glanz.

In Agnes Tiezes anderer Sammlung, dem Universitätsmuseum für bildende Kunst, wird ebenfalls in die Zukunft investiert: Die Ausstellungsräume in der Biegenstraße, in denen normalerweise Gemälde, Papierarbeiten und Skulpturen aus dem 16. bis 21. Jahrhundert zu sehen sind, werden gerade saniert. Voraussichtlich bis Ende 2013 lagert die gesammelte Kunst daher im Magazin und ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Das Universitätsmuseum für Kulturgeschichte im Landgrafenschloss ist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr geöffnet, in der Zeit von April bis Oktober bis 18 Uhr.

von Sabine Nagel-Horn