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Ruft Asta-Referat zu Gewalt auf?

Plakat Ruft Asta-Referat zu Gewalt auf?

Eine Gruppe im Asta Marburg ruft offenbar zur Gewalt gegen männliche Sexualstraftäter auf. Die Uni hat ein entsprechendes Plakat inzwischen aus ihrem Gebäude entfernt.

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Am Freitagmittag demonstrierten 78 Menschen gegen Gewalt gegen Frauen in der Marburger Innenstadt. Das „Autonome FrauenLesbenReferat“ hatte dazu aufgerufen.Foto: Philipp Lauer

Quelle: Philipp Lauer

Marburg. Es ist nur eines von vielen bunten Plakaten, das im Mensa-Gebäude hängt - und unter all den anderen kaum heraussticht. Gegenüber vom Schwarzen Brett und neben anderen Aushängen des Astas hängt unscheinbar ein pinkes Blatt, das auf ein tatsächlich existierendes Problem unserer Gesellschaft hinweist. „Gewalt gegen Frauen ist nie eine Privatangelegenheit“ ist dort zu lesen.

Tatsächlich ist Gewalt gegen Frauen ein ernstzunehmendes und häufig unterschätztes Problem in unserer Gesellschaft. Laut einer EU-Studie ist jede dritte Frau in Ihrem Leben einmal von sexueller und/oder körperlicher Gewalt betroffen. Nur bei einem Bruchteil dieser Fälle handelt es sich um Vergewaltigungen, dennoch zeigt sich daran die Tragweite dieses Problems. Laut Kriminalstatistik wurden 2015 in Hessen 66 Fälle von Vergewaltigung angezeigt (Aufklärungsquote: 84 Prozent). Die Dunkelziffer liegt vermutlich deutlich darüber.

Die Bundesrepublik Deutschland definiert sich als Rechtsstaat. Die Ermittlung und Bestrafung von Tätern ist dementsprechend Sache der Polizei und der Justiz. Gegen diese - eigentlich allgemein anerkannte - Grundregel der demokratischen Gesellschaftsordnung verstößt jedoch offenkundig das, was dem Plakat ansonsten noch zu entnehmen ist.

Mit „Vergewaltiger angreifen. Überall - mit allen Mitteln“ ist es überschrieben. Eine Aussage, die für sich allein schon als ein Aufruf zur Selbstjustiz interpretierbar ist. Noch deutlicher wird dieser Eindruck bei einem Blick auf den stilisierten Stöckelschuh, der wohl als ein Symbol für Weiblichkeit zu verstehen ist. Statt eines normalen Absatzes ist auf dem Bild allerdings der Schaft eines Revolvers zu sehen. Die kaum subtile Botschaft dahinter: „Erschießt alle Vergewaltiger“. So zumindest lässt es sich mit wenig Phantasie verstehen. Auch der unten stehende Satz „Hinschauen, einschreiten, Hilfe holen, zuschlagen“ geht über einen Aufruf zur Zivilcourage hinaus.

Weiteres Plakat hängt am Büro des Asta-Referates

Ein Verfasser ist nicht genannt, der Infokasten wird allerdings ausschließlich vom Asta bearbeitet, berichtet die Universität. „Besagter Kasten wurde dem Asta zur Verfügung gestellt und dieser hängt dort eigenverantwortlich Informationen aus“, erklärt Franziska Busch, Pressesprecherin des Studentenwerkes, zu dem das Mensagebäude gehört.

Das Studentenwerk greife dort „selbstverständlich nicht ein, solange unsere Hausordnung von den ausgehängten Beiträgen nicht berührt wird“. In diesem Fall habe man nach der Kontaktaufnahme durch die OP aber reagiert und das Plakat aus dem Kasten entfernt. Die Hausordnung sehe nämlich vor, dass „nichts verteilt oder ausgehängt wird, das gegen geltendes Recht verstößt - dies sehen wir in diesem Fall allerdings verletzt“, so Busch.

Ein weiteres Exemplar hängt allerdings weiterhin am Gebäude des Astas - in der Tür des „Autonomen FrauenLesbenReferats“. Dort war für die OP vergangene Woche leider niemand zu erreichen. Am Freitag (25. November - Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen) fand in Marburg allerdings eine Demonstration statt, zu der das Referat aufgerufen hatte. Dort waren Rufe wie „Frauen, hört ihr Frauen schrei’n, haut dem Mann die Fresse ein“ zu hören.

Dass Selbstjustiz ebenfalls ein Verbrechen ist, wurde letzte Woche an einem Fall in Münster deutlich. Aus Rache wegen einer vermeintlichen Vergewaltigung müssen sich drei Jugendliche dort vor Gericht verantworten, weil sie einen 18-Jährigen fast zu Tode gequält hatten. Dabei stellte sich raus, dass das angebliche Opfer die Vergewaltigung nur erfunden hatte.

Ein Aufruf zu solcher Selbstjustiz ist also alles andere als harmlos. Die Polizei Marburg hat das Plakat-Foto zur Prüfung an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. „Ähnliche Überprüfungen von Schriftstücken kommen hin und wieder vor, zum Beispiel nach Sicherstellungen von Plakaten oder Transparenten nach Demonstrationen oder nach der Sicherstellung von Schriftstücken nach wildem Plakatieren. Auch da überprüft die Staatsanwaltschaft zum Beispiel die Strafbarkeit des Inhalts beziehungsweise der Aussage“, so Polizeisprecher Martin Ahlich. Mögliche Straftaten, die dabei festgestellt werden könnten, seien Beleidigung, Verleumdung, üble Nachrede, Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, öffentliche Aufforderung zu Straftaten oder Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten.

von Peter Gassner

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