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Hackspace Marburg

Nicht nur etwas für Computernerds

Hier rauchen die Köpfe: Im Hackspace Marburg wird programmiert, designt, gebastelt, gelötet, gelernt oder einfach nur gechillt. Ein Besuch in der „Base“.

Oleander Reis (links) und Sören Kupjets (rechts) im Hackspace Marburg. Auf dem oberen Bild probiert Sören Kupjets die im Hackspace entworfene 3-D-Fräse aus.

© Ruth Korte

Marburg. Der alte Holzboden knarzt, als wir durch die Räume gehen, an deren Wänden sich Regale mit Werkzeugen und Computerzubehör aneinanderreihen und in denen der Duft einer Tiefkühlpizza, die gerade im Ofen in der Küche aufbackt, sich breit macht.
„Das ist meine“, sagt ein Mädchen, das, über ihren Laptop gebeugt, mit drei anderen jungen Leuten an einem großen Tisch sitzt. Im Raum nebenan, dem „Aufenthaltsraum für Gleichgesinnte“, stehen mehrere Sofas und Sessel, auf denen es sich Oleander Reis und Sören Kupjets gemütlich machen.

Der Hackspace Marburg ist eine Mischung aus WG-Leben und Werkstatt. Doch was passiert hier eigentlich genau? „Es ist ganz einfach“, erklärt Oleander und streicht sich seine langen Haare aus dem Gesicht. „Die Leute bringen ihre Projekte mit hierher und wir stellen ihnen die Infrastruktur zur Verfügung.“

Mit „Infrastruktur“ meint Oleander die Dinge, die sich in den vielen Regalen und Schubladen im Hackspace befinden: Kabel, Tastaturen, Festplatten, Boxen, aber auch Zangen, Sägen, Lötgeräte – Dinge, die der Hackspace durch Spenden erhalten hat.

Programmieren gehört ebenso wie Abhängen dazu

„Es geht darum, kreativ mit den zur Verfügung stehenden Mitteln umzugehen. Dazu gehört Programmieren ebenso wie Kochen und Abhängen“, ergänzt Informatikstudent Sören. „Mir persönlich fällt es schwer, alleine zu arbeiten“, sagt Oleander. „Hier hat man die Möglichkeit, sich nebenbei auszutauschen oder aber auch ablenken zu lassen, wenn man auf manche Sachen keinen Bock hat.“ Bei schlechtem Wetter kommen in der kleinen Drei-Zimmer-Wohnung schon mal um die 20 Personen zusammen.

Angefangen hat alles 2011, als sich eine Gruppe Computerbegeisterter nicht mehr länger in Kneipen zu einem Stammtisch treffen wollte, sondern nach einem Raum suchte. Unterstützung erhielt sie schließlich von dem Verein „Rechenkraft.net“, die den Hackspace seit Juli 2013 in ihren Räumen in der Marburger Oberstadt unterhält. Die Hackspaceler haben schon viele Projekte auf die Beine gestellt. Zum Beispiel eine computergesteuerte 3-D-Fräse, die filigran auf drei Dimensionen scheidet. Oder das sogenannte „Klow light“, eine mit LED-Ioden beleuchteteKloschüssel, in der sich per Datenkabel und Mikrocontroller die Farben abwechseln.

Spaß und "digitale Selbstverteidigung"

Das sei „reiner Spaß“, sagen die beiden Computerbegeisterten. Es gehe auch ernst: So bietet der Hackspace zum Beispiel in Workshops Hilfestellung zur „digitalen Selbstverteidigung“ an. „Seit der Snowden-Affäre und dem NSA-Skandal gibt es deutlich mehr Interesse an diesen Themen“, weiß Sören, der diese Workshops leitet.

Der Hackspace bietet auch Hilfe bei Computerproblemen – zum Beispiel, wenn sich ein Virus auf dem Computer eingeschlichen hat oder die Software nicht richtig läuft.
Dabei sei die Hilfe zur Selbsthilfe ein wichtiges Prinzip, wie Oleander betont: „Hier gilt: Ich mach es dir ganz, aber so, dass du es beim nächsten Mal selber machen kannst.“

von Ruth Korte

Weitere Infos
Der Hackspace trifft sich regelmäßig montags um 20 Uhr Am Plan 3. Weitere Infos findet Ihr hier.

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