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Sprungbrett Marburg

„Nicht enttäuscht sein, wenn es anders kommt“

Margot Käßmann denkt noch heute gerne an das Studium in Marburg zurück. Momentan bereitet sie das Reformationsjubiläum im Jahr 2017 vor.
Von Marburg aus bis in hohe Kirchenämter: Margot Käßmann.Foto: Bettina Flitner/EKD

Von Marburg aus bis in hohe Kirchenämter: Margot Käßmann.Foto: Bettina Flitner/EKD

© Bettina Flitner

Marburg. Sie ist das vielleicht bekannteste Gesicht der evangelischen Kirche in Deutschland. Den Vorsitz des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hatte sie zwar nur wenige Monate lang inne, doch vor allem ihr rascher Rücktritt nach einer Alkoholfahrt brachte ihr viele Sympathien ein. Begonnen hat ihre theologische Karriere mit dem Studium unter anderem an der Philipps-Universität.

„Ich hatte gar kein klares Bild davon, was ich mit dem Studium einmal anfangen werde - keinen Karriereplan“, erinnert sie sich. Pfarrerinnen habe es damals ohnehin noch kaum gegeben. Theologie studierte sie stattdessen, „weil mich die existenziellen Fragen beschäftigt haben“.

Nach dem Studium begann Käßmann zunächst ohne eigene Pfarrstelle. In Frielendorf-Spieskappel im Schwalm-Eder-Kreis war ihr Mann angestellt, sodass sie nach der damaligen Regelung nicht selbst an eine Stelle kam. „Ich durfte damals nur umsonst als zweite Pfarrerin bei meinem damaligen Mann mitarbeiten“, berichtet sie. Schon bald übernahm sie aber eigene Aufgaben.

1994 - neun Jahre nach ihrer Ordination zum Pfarramt - erhielt sie eine Chance, die sie nicht ablehnen konnte. Fünf Jahre lang war sie Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentages. „Das war der schönste Beruf der Welt für mich, denn der Kirchentag steht aus meiner Sicht für Erneuerung in der Kirche“, blickt sie zurück. Im Oktober 2009 wurde sie schließlich als Landesbischöfin der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers zur Ratsvorsitzenden des EKD gewählt. Im Februar 2010 folgte ihr Rücktritt.

Rat an Frauen: Chancen wahrnehmen, auch mit Kind

Aktuell ist Käßmann Botschafterin für das 500-jährige Jubiläum der Reformation im Jahr 2017. „Ich reise viel, stelle das Jubiläum vor und bin an der Planung des Ablaufs beteiligt“, sagt sie. Spaß habe sie besonders daran, „die Reformation auch Menschen näherzubringen, die sonst nicht viel mit Kirche zu tun haben“.

„Ich mochte Marburg schon immer sehr“, sagt Käßmann, die in Stadtallendorf aufwuchs und in Marburg zur Schule ging. „Es ist klein genug, um sich heimisch zu fühlen, aber als Uni-Stadt gerade groß genug, um nicht provinziell zu sein.“ Gerne hält sie immer wieder Predigten oder Vorträge in ihrer alten Uni-Stadt.

Heutigen Studenten rät sie, „keine Angst vor großen Herausforderungen zu haben und nicht enttäuscht zu sein, wenn es einmal anders kommt, als man es ursprünglich einmal geplant hat“.

Besonders jungen Frauen würde sie empfehlen „eine Chance auch wahrzunehmen, wenn sie kommt“. Erschreckend sei, dass viele noch immer glaubten, „dass Kind und Karriere nicht vereinbar seien“. Als vierfache Mutter habe sie selbst das Gegenteil erlebt.

von Peter Gassner

[Peter Gassner]

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