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Marburger Studenten achten auf ihre Ernährung

Studie: Gewichtszunahme im Studium? Marburger Studenten achten auf ihre Ernährung

Dass Studenten faul seien, ist ein verbreitetes Klischee. Als dick gelten sie hingegen nicht. Eine Studie besagt jedoch, dass sie während des Studiums durchschnittlich drei bis fünf Kilo zunehmen.

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Laut einer Studie nehmen Studenten im Laufe ihres Studiums fast fünf Kilogramm zu. Was ist dran?

Quelle: dpa

Marburg . Hotel Mama hat schon so seine Vorzüge. Nicht nur, dass die Wäsche immer gewaschen und gebügelt ist – auch für abwechslungsreiche (und auch einmal gesunde) Küche ist gesorgt. Wenn Studenten zum ersten Mal in eine Wohnung
beziehungsweise WG ziehen, ändern sich schnell einige Gewohnheiten, unter anderem bei der Ernährung. Morgens in der Uni trinkt der typische Student einen Kaffee aus dem Pappbecher und isst dazu vielleicht ein Stück Gebäck.

Mittags geht es in die Mensa oder schnell zum Dönermann um die Ecke, und abends in der WG werden oft Nudeln oder Pizza serviert. Nach Partys (mit reichlich Bier) gibt es nachts noch ein paar Burger und morgens ein ausgiebiges Katerfrühstück. Sport hingegen bleibt bei all der Feier- und Lernerei nicht selten auf der Strecke.

Kaum verwunderlich, dass da bei manchem das eine oder andere Kilo auf den Rippen bleibt. Laut einer Studie der Uni Erlangen-Nürnberg legen weibliche Studenten im Durchschnitt drei Kilo in vier Jahren zu. Bei Männern sind es sogar fünf Kilo in vier Jahren. Im englischsprachigen Raum gibt es für dieses Phänomen sogar einen Ausdruck. „Freshman 15“ heißt es in den USA in Anlehnung an die vermeintlichen 15 Pfund (7 Kilo), die Studenten zunehmen. In Australien nennt man Erstsemester auch „First Year Fatties“ oder „Fresher Five“ (wegen fünf Kilo).

Experte: „Je weniger Geld zur Verfügung steht, desto höher ist das Gewicht“

„Wir nehmen alle mit dem Alter zu“, relativiert Professor Winfried Rief von der AG Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Philipps-Uni zunächst. Zwischen der Volljährigkeit und der Rente seien das laut Untersuchungen etwa 18 Kilo. Dennoch sei es besorgniserregend, dass „junge Erwachsene  jetzt schon im Schnitt dicker sind als ihre Eltern“.

Das Phänomen, dass „die Gewichtsrate in diesem Alter deutlich zunimmt“, bestehe also tatsächlich. Nicht nur bei Studenten, aber diese seien aus einfachen Gründen stark betroffen. Zum einen passe sich der Mensch automatisch dem Essverhalten seiner Umgebung (etwa einer WG) an. Zum anderen „hat es damit zu tun, dass man zum Beispiel einen Döner für 2,50 Euro hinterhergeschmissen bekommt.“ Sozial Schwächere seien in der Regel ebenfalls schwerer als Reichere – und auch Studenten müssten schließlich mit wenig Geld auskommen. „Je weniger Geld zur Verfügung steht, desto höher ist das Gewicht“, sagt Rief.

Eine Campus-Umfrage bestätigt die Ergebnisse der Studie allerdings nicht . Jennifer Eckhoff (24) und ihre Mitbewohnerin Katharina Waubke (23) kommen gerade aus einer Salatbar. „Wir haben eher die Erfahrung gemacht, dass wir beide vor unserem ersten Staatsexamen massiv abgenommen haben, weil wir so einen Stress hatten“, sagt Jennifer, die wie ihre Mitbewohnerin Medizin studiert und inzwischen zu ihrem Normalgewicht zurückgefunden hat. „Wir machen aber auch beide relativ viel Sport“, ergänzt sie. „Ich hab mich im ersten Semester schon recht ungesund ernährt“, räumt Katharina ein. Trotzdem habe sie „vor lauter Stress abgenommen“. Auch von ihren Kommilitonen habe niemand „massiv zugenommen“, sind sich beide einig.

"Dicker bin ich nicht geworden"

Anderes beobachtet Sheol Moon (23). „Viele meiner Kommilitonen haben zugenommen“, sagt der Pharmaziestudent. Auch er und seine Freundin Anna Weihrauch (24) treiben viel Sport und versuchen darauf zu achten, was sie essen. „Es hängt mit dem Alter zusammen“, vermutet die Erziehungswissenschaftlerin. „Wenn man 19 ist und auszieht, kann man noch nicht so viel und so gesund kochen und hat noch nicht so viel Erfahrung mit dem Alleine-Leben.“

Das bestätigt auch Felix Burghardt (20) (von links). „Wenn man für sich selbst einkauft, dann kapiert man irgendwann, dass man etwas kaufen sollte, durch das man nicht auseinandergeht wie ein Hefekloß“, so der Jurastudent. Sein Kommilitone, der gerade dabei ist, ein Käsebrötchen zu verspeisen, sieht’s gelassen: „Als Student ernähre ich mich viel von Nudeln und sowas. Aber dicker bin ich dadurch nicht geworden“, sagt Anton Krivickij (20) und klopft auf seinen flachen Bauch.

von Peter Gassner und Ruth Korte

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