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Suchthilfe

Manche Studenten trinken viel zu viel

Wenn es darum geht, sich ein Alkoholproblem einzugestehen, ist man selbst die größte Hemmschwelle, erklärt Thomas Schneyer von der Psychotherapeutischen Beratungsstelle der Universität.
Während des Studiums ergeben sich zahlreiche Gelegenheiten, ein Glas über den Durst zu trinken. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert / dpa

Während des Studiums ergeben sich zahlreiche Gelegenheiten, ein Glas über den Durst zu trinken.

© Klaus-Dietmar Gabbert / dpa

Marburg. Weil die Studenten die Gesellschaft widerspiegeln, gibt es auch unter ihnen eine Gruppe von Menschen mit einer Affinität zum Alkoholmissbrauch. „Zwar kommt niemand wegen einer konkreten Alkoholsucht zu uns, aber im Laufe der Beratung stoßen wir gelegentlich auf problematische Trinkverhalten“, berichtet Thomas Schneyer von der Psychotherapeutischen Beratungsstelle (PBS).

Laut dem Diplom-Psychologen glauben die Betroffenen irrtümlich, ihre psychischen Schwierigkeiten mit Alkohol in den Griff zu bekommen. „Und mit manchen Studiengängen lassen sich die Nebenwirkungen eines Alkoholmissbrauchs noch besser vereinbaren als später mit dem Berufsleben.“

Der gemeinschaftliche Alkoholkonsum hat einen festen Platz in der deutschen Gesellschaft. Allerdings macht nicht nur „die Gelegenheit Diebe“ – meistens haben die gefährdeten Studenten bereits vor dem Studium eine ungute Gewohnheit entwickelt. Wenn die Belastungen zu groß werden, greifen viele zur Flasche, sagt Stefan Stark, Suchtberater beim Blauen Kreuz Marburg.

Größte Hemmschwelle ist man selber

Stark nennt einen weiteren großen Risikofaktor: „Junge Menschen, die in einer suchtbelasteten Familie aufgewachsen sind, haben ein sechsfach erhöhtes Risiko, selbst in eine Sucht zu fallen.“ Wenn die Studenten dann nach dem Abitur von zuhause ausziehen, sind sie zwar nicht mehr in dem Umfeld eines trinkenden Vaters oder einer trinkenden Mutter, aber haben es trotzdem schwer, erlerntes Verhalten abzulegen. Der Suchtberater beziffert drei Millionen betroffene Kinder und Jugendliche in Deutschland.

Die zweite Gruppe Studenten, die wegen ihres bedenklichen Alkoholkonsums in die Suchtberatung kommt, ist auf der Partylaune im Studium „hängengeblieben“, sagt Stark. So fest der Alkohol in der Gesellschaft verankert ist, so stigmatisiert ist auch die krankhafte Alkoholabhängigkeit. „Der Leidensdruck muss schon sehr hoch sein, damit man die größte Hemmschwelle überwinden und sich selbst das Problem eingestehen kann“, bringt es der Psychotherapeut auf den Punkt.

Oft kommen Studenten zu ihm, die Probleme mit dem Studium haben, ohne eine genaue Ursache zu erkennen. Wer sich ernsthafte Gedanken um seinen Umgang mit Alkohol oder auch anderen Drogen mache, dem rät Schneyer in einem Selbstversuch zwei Fragen auszutesten: Kann man auch mal vier bis sechs Wochen ganz darauf verzichten? Und kann man während dem Trinken auch die Kontrolle darüber behalten, und zu alkoholfreien Getränken übergehen?

„Wenn jemand damit ein ernsthaftes Problem haben sollte, wäre die Suchtberatung die richtige Adresse. Gerne kann derjenige dann aber auch zu einer Erstberatung in die PBS kommen“, lädt Schneyer zur anonymen Sprechstunde ein.

von Philipp Lauer

 
Hilfe holen

Machen Sie sich Gedanken über ihren Alkoholkonsum? Hilfe gibt es bei der Erstberatung in der Psychotherapeutischen Beratungsstelle oder beim Blauen Kreuz.

Offene Sprechstunden bei der PBS am Erlenring 5: montags von 13 bis 15.30 Uhr, mittwochs von 9.30 bis 12.30 Uhr, freitags von 8.00 bis 11 Uhr.

Die Möglichkeit zur Suchtberatung beim Blauen Kreuz Marburg gibt es nach telefonischer Vereinbarung unter 06421 / 23129. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter: www.marburg.blaues-kreuz.de

 

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