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Pfarrersfrau von Balken erschlagen

OP-Serie Leichenpredigten, Teil 2 Pfarrersfrau von Balken erschlagen

Der Tod einer Pfarrersfrau im Dreißigjährigen Krieg ereignete sich nicht in den Kriegswirren, sondern geschah aufgrund eines tragischen Unglücksfalls.

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Marburg . Maria Dumradius, die Frau des Pfarrers Valentin Dumrath, starb am Anfang des Jahrs 1643 im Alter von 43 Jahren. Das war zur Zeit, als der Dreißigjährige Krieg (1618 bis 1648) in ganz Europa tobte. Doch die Pfarrersfrau wurde kein Opfer der blutigen militärischen Auseinandersetzungen und umherziehenden Söldnertruppen. Stattdessen starb sie wegen eines Unfalls im baufälligen Pfarrhaus in Iven bei Anklam in Ostvorpommern.

Das geht aus der in der Historischen Bibliothek in Rudolstadt archivierten Leichenpredigt von Moevius Volschow hervor, die Birthe zur Nieden, Mitarbeiterin der Marburger Forschungsstelle für Personalschriften, aufgearbeitet hat.

Maria Dumradius wurde am 6. März 1599 als Tochter eines Pfarrers in Medow geboren und heiratete im Alter von 24 Jahren den damaligen Theologiestudenten und späteren Pfarrer Valentin Dumrath. Aus der Ehe gingen neun Kinder hervor – davon starben vier Töchter bereits als Kinder. Der Dreißigjährige Krieg beutelte die Familie: Sie wurde 1638 aus der Pfarrei in Iven vertrieben, und verlor „ihr Haab und Guth in diesen landverderblichen und gantz unchristlichem Kriegswesen“, wie es in der Leichenpredigt hieß. Erst nach Jahren des Exils kehrten der Pfarrer und seine Familie zurück nach Iven.

Doch das Pfarrhaus befand sich in einem sehr schlechten Zustand, denn für die dringend notwendigen Reparaturen hatte es schon lange kein Geld mehr gegeben. Und so geschah dann das Unglück an einem Mittwoch nach dem Neujahrstag des Jahres 1643. Nachdem sich der Pfarrer und seine Frau im Ehebett schlafen gelegt hatten, stürzten vom Dachboden herab „zwo Fache“ (Stützbalken), auf das Bett herab. Vergeblich riefen die beiden um Hilfe. Für Maria Dumradius kam jede Hilfe zu spät. Ihr Mann Valentin wurde unter Mithilfe eines Schmiedes aus der Nachbarschaft von Kindern und Gesinde schwerverletzt aus den Trümmern gerettet. Im Vorwort zur Leichenpredigt beklagte sich der Witwer darüber, dass Gelder für die Restaurierung des Pfarrhauses fehlten. Er hoffe „dass viele gute und fromme Christen durch die Predigt erweicht werden könnten, damit nicht mehr dergleichen besorgliche Fälle möchten verursacht werden“, schrieb Valentin Dumrath.

von Manfred Hitzeroth

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Spannende und kuriose Lebensläufe aus der Zeit zwischen 1530 und 1750 arbeiten die Mitarbeiter der Forschungsstelle für Personalschriften an der Uni Marburg auf.

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