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„Kulturelle Brücken“ durch das Theater

Dramarasmus „Kulturelle Brücken“ durch das Theater

Seit 2011 hat es sich die Uni-Theatergruppe Dramarasmus zur Aufgabe gemacht, Erasmus-Studenten und Deutsche zusammenzubringen. Auf der Bühne und auch außerhalb.

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Szene aus Aufführungen von früheren Stücken der Dramarasmus-Theatergruppe.

Quelle: Dramarasmus

Marburg. Es sind nur wenige Worte, die jeweils zwischen zwei Schauspielern gewechselt werden. Kurze Dialoge, die nur einige Sekunden lang andauern. Immer wieder wiederholen sich die gleichen Sätze — und doch entsteht jedes Mal eine komplett andere Szene. Das liegt an den heimlichen Regieanweisungen, die Kursleiterin Annika Prätsch jeweils nur einem der Protagonisten zuflüstert. Von „Berühr den Anderen“, über „Wende dich ab und ignorier ihn“, bis hin zu „Setz dich auf den Boden“ ist alles dabei. Gleicher Text, ganz andere Wirkung. Auf diese Weise lernen die Neudarsteller, wie sich ihre Gestik und ihr Tonfall auf den Zuschauer auswirken. Es sind ihre ersten Schritte am neuen Stück. Doch schon in einem Monat wartet die Premiere.

In jedem Semester fängt Dramarasmus aufs Neue bei Null an. Neues Stück, neue Schauspieler. In nur wenigen Wochen proben deutsche Studenten (die meisten aus der Romanistik) und Austauschstudenten aus den verschiedensten Ländern dann bis zu den großen Aufführungen kurz vor dem Vorlesungsende. Und doch schaffen es die beiden Leiterinnen Prätsch und Romy Semler gemeinsam mit dem Team im Hintergrund jedes Mal das Ensemble auf ein beachtliches Niveau zu hieven.

Begegnungen außerhalb der Erasmus-„Bubble“

„Viele können am Anfang kaum die Grundlagen. Es ist jedes Mal wieder toll, welch immense Fortschritte sie machen“, sagt Semler. Zumal es auch sprachlich für einige eine große Herausforderung ist. Doch das gehört zur Idee von Dramarasmus - sich unter anderem sprachlich zu helfen. „Unser Ziel ist es eine kulturelle Brücke zu schlagen“, so Semler. Es gehe darum Begegnungen „außerhalb der Bubble“ zu ermöglichen. Oft seien Erasmus-Studenten sonst viel unter sich, da es außerhalb der Vorlesungen kaum Berührungspunkte gebe. Im Mix aus Deutschen und anderen EU-Bürgern nutzt die Theatergruppe daher auch die Chance, „europäische Themen zu besprechen“.

So zum Beispiel im aktuellen Stück, das insgesamt dreimal in der Waggonhalle aufgeführt wird und am 23. Januar Premiere feiert. „Exit“ heißt es - ein Titel, der auf einen klaren Bezug zu aktuellen politischen Strömungen in Europa hinweist. „Es geht darum, was passiert, wenn einer aus einer Gruppe plötzlich geht“, bestätigt Prätsch.

Das „European Scene Network, zu dem neben Dramarasmus auch Theater-Projekte an den Unis im spanischen Valencia und dem italienischen Padua zählen, wird aufgrunddessen von der Europäischen Union gefördert (über den Fördertopf „Erasmus Plus“). Zudem gibt es eine Kooperation mit dem Hessischen Landestheater. Und: In diesem Semester zählt der Theaterkurs von Dramarasmus auch als Lehrveranstaltung. Vom Lehrstuhl des Romanistik-Professors Ulrich Winter gibt es dafür Credit-Points.

Ein wöchentlicher Termin (immer dienstags von 18 bis 20 Uhr) sowie das ein oder andere Probewochenende müssen dafür aber bis zur ersten Aufführung noch genutzt werden. „Es ist mit viel Zeitaufwand verbunden“, sagt Semler. Nicht nur die Proben an sich, sondern auch die komplette Vorbereitung für den Probenablauf, das Schreiben der Texte, Kostüme und vieles mehr gehören dazu und bedeuten eine Menge Arbeit. Semler und Prätsch stehen dabei aber nicht alleine da.

„Da steht ein komplettes Team dahinter“, so Semler. Das sei auch wichtig für die Kontinuität. „Wir legen Wert darauf, dass wir keine Eintagsfliege sind“. Beide Leiterinnen sind nicht mehr allzu weit entfernt von ihren Abschlüssen. Auch danach wird es aber mit Dramarasmus weitergehen. „Wir haben als studentische Initiative angefangen. Jetzt sind wir dabei mit der Uni zu verwachsen“, sagt Semler.

von Peter Gassner

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