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"Keine Gnade" bei Abschlussarbeiten

Plagiate "Keine Gnade" bei Abschlussarbeiten

Politikern wie Karl-Theodor zu Guttenberg oder Annette Schavan hat es nicht nur den guten Ruf, sondern auch die Karriere gekostet. Wer an der Uni beim Abschreiben erwischt wird, muss harte Konsequenzen fürchten.

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Das gestellte Themenfoto zeigt eine in Marburg geschriebene Doktorarbeit, die einen Stempel mit der Aufschrift „Plagiat“ erhält. Archivfotos: Thorsten Richter und Rainer Sturm/pixelio.de, Montage: Richter

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Nichts ist in der Welt der Wissenschaft normaler, als sich in der eigenen Forschung auf Arbeiten anderer zu stützen. Gegenseitiges Zitieren zählt zu den wichtigsten Methoden wissenschaftlichen Schreibens. Wer aber fremde Gedanken oder gar ganze Textpassagen übernimmt, ohne dies kenntlich zu machen, verstößt gegen die oberste Regel der Wissenschaft. Plagiate können im schlimmsten Fall zur Aberkennung des akademischen Titels beziehungsweise zum Ausschluss vom Studium führen.

Eine Statistik darüber, wie viele Plagiatsfälle es in Marburg gibt, wird nicht geführt. Die Beurteilung, ob ein solcher Fall vorliegt oder nicht, ist angesichts der Schwere des Vergehens ohnehin nicht immer einfach.

Wann also ist ein Plagiat tatsächlich eines? Reicht dafür schon ein einzig falsch gekennzeichnetes Zitat? In den „Grundsätzen und Verfahrensregeln für den Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten an der Philipps-Universität Marburg“ sind Verstöße gegen die akademischen Spielregeln definiert. Ein Plagiat liegt demnach vor, „wenn in einem wissenschaftserheblichen Zusammenhang bewusst oder grob fahrlässig Falschangaben gemacht werden, geistiges Eigentum anderer verletzt oder in anderer Weise deren Forschungstätigkeit beeinträchtigt wird“. Entscheidend für die Einschätzung seien jedoch „jeweils die Umstände des Einzelfalles“. Ob ein Vergehen als Plagiat gewertet wird, liegt im Ermessensspielraum des Prüfers, denen die Universität unter anderem die Software „Plagiarism Finder 2.0“ zur Verfügung stellt.

„Eine einzelne falsch zitierte Stelle erfüllt noch nicht die Kriterien eines Plagiats. Ein solches liegt aber dann vor, wenn umfangreichere Textpassagen übernommen wurden, die zugleich die Kernaussagen einer wissenschaftlichen Arbeit betreffen“, sagt Helmut Remschmidt, der als Ombudsperson Arbeiten (in der Regel Dissertationen) überprüft, die von einem dritten als mögliches Plagiat gewertet werden. Trotz aller Definitionen komme es aber stark auf den Einzelfall an. „Man kann ein Plagiat nicht durch den Prozentsatz der abgeschriebenen Textpassagen definieren. Es kommt stark auf die Wertigkeit an, es sei denn, es liegt ein vollständiges Plagiat vor“, erklärt er.

Bewusstsein über Konsequenzen gewachsen

„In Grenzfällen kann ich mir natürlich überlegen: Ist das ein Plagiat oder einfach nur unsauber gearbeitet?“, berichtet Anglistik-Professor Martin Küster aus seinem Prüfungsalltag. Die meisten Täuschungsversuche erlebt er nicht in Abschlussarbeiten, sondern in einfachen Seminararbeiten. „In diesen Fällen kann man die Studenten manchmal noch darauf hinweisen, dass sie das tunlichst zu unterlassen haben.“ Allgemein sei in den letzten Jahren das Bewusstsein gewachsen, dass ein Plagiat Auswirkungen auf die komplette spätere Karriere haben könne. Die Zahl der entsprechenden Fälle sei daher gerade bei Bachelor- oder Masterarbeiten zurückgegangen. Komme dies aber vor, gebe es kein zurück mehr. „Wenn die Arbeit einmal abgegeben ist, gibt es kein Zurück mehr - dann gebe ich selbstverständlich eine Meldung an das Prüfungsamt ab.“

„Am Anfang des Studiums wird noch manchmal Nachsicht walten gelassen. Bei der Masterarbeit gibt es dann keine Gnade mehr“, bestätigt Sabina Möglich vom Prüfungsbüro des Fachbereichs 21 (Erziehungswissenschaften). „Einen entsprechenden Fall haben wir hier vielleicht einmal im Jahr“, schätzt sie.

„Es kommt schon ab und zu einmal vor, dass ein Fall bei uns gemeldet wird“, sagt auch Karin Krause vom Prüfungsamt des Fachbereichs 09 (Germanistik und Kunstwissenschaften) der Philipps-Universität. Generell seien aber nur „relativ wenig“ Täuschungsversuche unter den insgesamt eingereichten Arbeiten. Die Überprüfung der Arbeiten jedoch „liegt in den Händen der Professoren“, so Krause. Viele Fälle, in denen es leichtere Verstöße gibt, landen also gar nicht erst bei den Prüfungsämtern der jeweiligen Fachbereiche.

von Peter Gassner

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