Navigation:
Ticket-Shop Anzeigen- und Abo-Service

Gender Studies

Hitzige Debatte um Redeverbot

Steht ein Redeverbot der Universität wirklich gut zu Gesicht?
Der Evolutionsbiologe und Autor Ulrich Kutschera, aufgenommen am 22.01.2012 in Köln. Foto: Horst Galuschka

Der Evolutionsbiologe und Autor Ulrich Kutschera, aufgenommen am 22.01.2012 in Köln. Foto: Horst Galuschka

© Horst Galuschka

Marburg. Diese Frage warf Professor Michael Bölker bei der letzten Debatte im Uni-Senat in den Raum - und diese Frage wurde in den vergangenen Wochen hitzig diskutiert.

Eigentlich sollte Professor Ulrich Kutschera (Foto: Galuschka) am Mittwoch, 13. April, in Marburg über „Evolutionstheorien und Kreationismus“ sprechen. Sein Vortrag sollte den Auftakt bilden zum „Studium generale“, das in diesem Semester die Evolution zum Thema hat. Vor Marburger Studenten wird der renommierte Biologe aus Kassel jetzt aber doch nicht lehren.

Grund dafür sind seine Ansichten zur Genderforschung. Kutschera hatte Gender Studies unter anderem als „unwissenschaftlichen Unsinn“, „feministische Sekte“ und „Krebsgeschwür“ bezeichnet. Auf Anregung der Frauenbeauftragten der Universität, Dr. Silke Lorch-Göllner, hatte der Uni-Senat für die Ausladung von Kutschera votiert. Der Biologe kam dieser Ausladung durch die Universitätsleitung zuvor und sagte „das erbärmliche Schauspiel“ von sich aus ab.

"Ungeist der Zensur"

Aufgrund dieser Vorgänge hat sich in Marburg eine Debatte entzündet. Wird die Freiheit der Lehre durch die Verbannung Kutscheras eingeschränkt? Sollte nicht gerade eine Universität, die sich nach außen hin als weltoffen präsentiert, unterschiedliche Positionen zulassen? Zumal der geplante Vortrag Kutscheras nicht in direktem Zusammenhang mit der von ihm kritisierten Geschlechterforschung stand. Diese hatte er allerdings mit dem Kreationismus verglichen.

Bei der Oberhessischen Presse ging eine Vielzahl von Leser-Reaktionen ein. Dr. Hans Moser schrieb etwa von einem „Bärendienst“, den die Universität der Meinungsfreiheit und der Freiheit der Lehre erweise, „wenn sie sich - wie gerade geschehen“ - dem Diktat der Minderheiten beugt“. Dr. Hans-Reinhardt Ritter schämt sich als Absolvent der Philipps-Universität „für diesen Ungeist der Zensur an meiner Uni“.

Dr. Heinz-Werner Kubitza warf die Frage auf: „Wie kann es sein, dass eine Frauenbeauftragte es schafft, einem international renommierten Forscher, der zu seinem eigenen Forschungsgebiet sprechen soll, quasi ein Redeverbot zu erteilen, weil er auf einem anderen Gebiet eine andere Meinung vertritt als sie?“ Lorch-Göllner selbst hatte die Debatte angestoßen, weil sie es für nicht akzeptabel halte, dass ein Forscher, der wegen „diffamierender Äußerungen gegenüber der Geschlechterforschung in die Öffentlichkeit geraten“ sei, den Auftaktvortrag der „Vorzeige-Veranstaltung“ an der Uni Marburg halte.

Präsidentin: "Respekt für alle Disziplinen"

Laut Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause steht das Studium generale für einen „fachübergreifenden Diskurs“, der dazu beitragen solle Antworten auf gesellschaftliche Fragen zu finden. Dies setze „Respekt für alle wissenschaftlichen Disziplinen“ voraus, den Kutschera vermissen lasse. „Für den Auftaktvortrag schien uns das nicht die geeignete Basis für eine differenzierte, wissenschaftlich fundierte Diskussion“, erklärt Krause.

Fest steht: Kaum eine Wissenschaft ist in der öffentlichen Diskussion so umstritten wie die Gender Studies (siehe Hintergrundkasten). Jedenfalls hat die Universitätsleitung mit der Absage des Kutschera-Vortrages für eine öffentliche Auseinandersetzung mit diesem Thema gesorgt, die sie vermutlich nicht beabsichtigt hat. Und so bewahrheitet sich vielleicht die Vorstellung von OP-Leserin Dr. Sabine Hofmann. In ihrem Leserbrief schrieb sie: „Ich wünsche mir wieder eine ausgeprägte Debattenkultur, nach allen Regeln der Kunst - vielleicht bietet die Universität ja mal ein Forum dafür.“

von Peter Gassner

Gender Studies

Die Hochschuldisziplin „Gender Studies“, zu deutsch: Geschlechterforschung, beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Geschlecht zu Gesellschaft, Kultur und Wissenschaft. Besonderes Augenmerk legen die Forscher auf die Frage, wie das Geschlecht menschliche Gemeinschaften prägt und wie es im Gegenzug von ihnen geprägt wird.

Einen besonderen Schwerpunkt legen viele Forschungszentren auf die Erforschung der ungleichen Geschlechterverhältnisse in Politik, Wirtschaft und gesellschaftlichem Leben.

Die „Gender Studies“ entwickelten sich in den 1960er und 70er Jahren aus den amerikanischen „Women’s Studies“ und vertreten einen klaren feministischen Standpunkt. Die Annahme, dass Geschlecht sozial konstruiert sei – sprich: ob wir uns als Mann oder Frau fühlen, hängt nicht von der Chromosomenanzahl in unserem Körper ab, sondern davon, wie unsere Eltern uns erzogen haben – sorgte in den letzten Jahren für viel öffentlichen Zündstoff.

Die Kritiker bezeichnen die Hochschuldisziplin als unwissenschaftliche Verschwendung staatlicher Gelder, welche auf den Umsturz gesellschaftlicher Verhältnisse ziele.

Ein weiterer Streitpunkt in der Debatte ist die geschlechtergerechte Sprache, umgangssprachlich als „gendern“ bezeichnet. Die Kenntlichmachung der weiblichen Personen in Gruppen wird von vielen als Affront auf die deutsche Sprache empfunden.

Die Philipps-Universität Marburg unterhält seit 2001 das „Zentrum für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung“. Die Geschlechterforschung genießt in der Marburger Philipps-Universität eine besondere Beachtung und vereint Forscher aus 15 verschiedenen Disziplinen.

von Muriel Kalisch


Nächster Artikel
Nächster Artikel
Vorheriger Artikel
Voriger Artikel

Anzeige




Jubiläum




Wünsche




Terra-Tech




Sport-Tabellen




Spielerkader




zur Galerie

Fußballfotos vom Wochenende

Sonderveröffentlichungen




Spielplatz-Serie




LWL-Shop




Mit der OP durch das Gartenjahr




Blende 2016




Heimatprämie sichern!




Instagram

Meistgelesene Artikel

Schüler lesen die OP




Kommentare




OP kostenlos lesen




Der Online-Shop der OP




Städtewetter
Ihre Stadt/Ihr Ort
Tagestemperatur
°
Tiefsttemperatur
°
Regenprognose
%
Windstärke
km/h
Pollenflug
Ihre Wettervorschau
zur Galerie

Willkommen im Leben:

Die Transfers im Landkreis




Die OP-Serien

Eine Vergleichsstudie zwischen Marburg und Osnabrück hat die Wirksamkeit von Karies-Präventionsprogrammen in Marburger Schulen bewiesen. Foto: dpa Kariesprophylaxe

Marburger Schüler haben die besseren Zähne

Marburg nimmt beim Kampf gegen Karies eine Vorreiterposition ein. Dies beweist eine Studie von Professor Klaus Pieper, Leiter der Abteilung Kinderzahnheilkunde der Marburger Zahnklinik. mehrKostenpflichtiger Inhalt



90 regionale Rezepte: Das Besser-Esser-Buch


Das Besser Esser Buch mit 70 regionalen Rezepten.

Die Grill-App der Oberhessischen Presse


Rostkost: Rezepte und Grilltechnik




  • Sie befinden sich hier: Gender Studies – Hitzige Debatte um Redeverbot – op-marburg.de