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Sprungbrett Marburg

Geisteswissenschaftler haben viele Vorteile

Als Geisteswissenschaftler lernt man Fähigkeiten, die in vielen Berufen von Vorteil sind, findet Süselbeck. Sie fühlt sich durch ihr Studium und ihre Promotion perfekt auf ihren Beruf vorbereitet.
Kirsten Süselbeck promovierte von 2004 bis 2009 an der Universität Marburg. Privatfoto

Kirsten Süselbeck promovierte von 2004 bis 2009 an der Universität Marburg.

© privat

Augsburg. „Es ist manchmal schwer auszuhalten, dass man lange Zeit im Studium nicht weiß, was eigentlich einmal aus einem werden wird“, sagt Süselbeck. Sie weiß wovon sie spricht. Bis sie ihren Platz fand, absolvierte die studierte Romanistin, Lateinamerikanistin und Soziologin mehrere Praktika – das letzte in Berlin.

„An meinem letzten Arbeitstag ging ich nach Hause, ohne zu wissen, wie es danach mit meinem Leben weitergehen soll“, erinnert sie sich noch an jenen Tag im Sommer 2004, als sie den Anrufbeantworter abhörte. Die Frau ihres Magisterarbeit-Betreuers hatte ihr eine Nachricht hinterlassen, die ihrem Leben eine neue Perspektive geben sollte.

„Sie hatte gerade einen Ruf als Professorin nach Marburg erhalten und fand meine Arbeit so gut, dass sie mich fragte, ob ich sie als ihre wissenschaftliche Mitarbeiterin dorthin begleiten wolle.“ Süselbeck sagte sofort zu.
„Ich kam aus Berlin nach Marburg, das war ziemlich schwer.“ Vor allem die Enge in Marburg störte sie oft. „Zum Beispiel Studierende, die einen, als man gemeinsam in dem Oberstadtaufzug gezwängt war, fragten, ob man ihre Hausarbeit schon korrigiert habe.“

Es hatte jedoch auch seine schönen Seiten: „Es kommt schnell so ein Gefühl der Heimat und Zugehörigkeit auf, wenn man an jeder Ecke etwas oder jemanden kennt.“ Besonders gern erinnert sie sich an die Sommer am Lahnufer und in Kneipen sowie die sehr gute Stimmung am Institut für Romanische Philologie zurück. „Wir waren wie eine kleine Familie.“

„Nun fehlen mir die Aufläufe manchmal“

Auch die „Eigenart“, dass es in vielen Marburger Restaurants Aufläufe gäbe, habe sie nirgendwo anders gesehen. „Erst habe ich mich sehr darüber gewundert, aber nun fehlen mir die Aufläufe manchmal“. Noch während ihrer Promotion in spanischer Sprachwissenschaft entschied sie sich, Fachreferentin in einer Universitätsbibliothek zu werden.

2009 verließ sie Marburg und absolvierte ein Bibliotheksreferendariat am Ibero-Amerikanischen Institut in Berlin und ein theoretisches Jahr an der Bibliotheksakademie in München.

Inzwischen arbeitet Süselbeck als Fachreferentin für Romanistik an der Universitätsbibliothek in Augsburg. Zu ihren Aufgaben gehören die Auswahl der Medien sowie Schulungen für Studenten und Dozenten. „Heute ist er sehr schwer, eine Arbeit zu finden, in dem Bereich, den man tatsächlich studiert hat, gerade bei geisteswissenschaftlichen Fächern“, weiß sie.

Jedoch habe man als Geisteswissenschaftler Fähigkeiten erlernt, die heute in der Gesellschaft immer weniger selbstverständlich seien: „Man lernt, mit Texten umzugehen, zu schreiben, zu verstehen, zu hinterfragen“, zählt Süselbeck auf. „Das kann in vielen Berufen von Vorteil sein.“

von Ruth Korte


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