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Für 30 Minuten „Auf nach Isfahan“

Filmvorführung Für 30 Minuten „Auf nach Isfahan“

Ein Filmprojekt hat drei junge Männer in den Iran geführt. Auf ihrer Reise stießen sie auf zahlreiche Widersprüche. Heute Abend zeigt das Centrum für Nah- und Mittelost-Studien ihren Film.

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Tristan Stöber (von links), Jan Wohlfarth und Alexander Hauser haben sich im Iran ein eigenes Bild von Land und Leuten gemacht. Und ein Selfie vor dem Platz des Imams in Isfahan.

Quelle: Privat

Marburg. Tristan Stöber aus Kirchhain brach im Sommer 2013 mit seinen Kommilitonen Jan Wohlfarth und Alexander Hauser für ein Filmprojekt in den Iran auf. Was am Ende dabei rauskommen sollte, wussten die drei jungen Studenten noch nicht. „Erst im Iran hat sich gezeigt, was geht“, erzählt Stöber.

Aus 30 Stunden Filmmaterial produzierte das Team dann den 30-minütigen Film, der heute Abend im Marburger Centrum für Nah- und Mittelost-Studien gezeigt wird (siehe Kasten). Das dauerte ein Jahr – auch, weil Hauser mittlerweile in Kopenhagen lebt und der Schnitt neben den Studium erfolgte. Dabei stand das Projekt lange auf der Kippe. Erst drei Tage vor der geplanten Anreise erteilten die Behörden das nötige Visum. Vor Ort genehmigte die Stadt ihnen Dreharbeiten für einen Film über die Sehenswürdigkeiten. „Wir mussten trotzdem zur Zensurbehörde Ershad. Die dann erteilte Erlaubnis erschien mir aber, wie so vieles, etwas willkürlich“, erzählt Stöber.

Film hinterfragt öffentliche Wahrnehmung

Mit ihrem Film wollten die drei Studenten vor allem zwei Dinge hinterfragen: Die sehr umstrittene Städtepartnerschaft zwischen Freiburg und Isfahan sowie die öffentliche Wahrnehmung des Irans in Deutschland. „Bei beidem sind wir auf starke Widersprüche gestoßen. Wir haben sehr viele gut gebildete, moderne Menschen getroffen, die sich in dem Gottesstaat nicht wohlfühlen“, berichtet Stöber.

Ihnen sei eine enorme Gastfreundschaft entgegengebracht worden, sodass sie sogar Einladungen ausschlagen mussten, um ihr Filmprojekt voranzutreiben: „Ich denke, die Gespräche mit Gästen sind für viele Iraner das einzige Fenster aus ihrem Land, deshalb ist die Partnerschaft auch so wichtig.“ Ihre Filmreise führte die Gruppe auch in die Wüstenstadt Yazd und zum Wandern nach Kurdistan, das Grenzgebiet zum Irak, Syrien und der Türkei.

Freiburg-Isfahan-Trailer.mp4 from Alexander Hauser on Vimeo.

Der einzige Ort, an dem Stöber, Wohlfarth und Hauser nicht frei filmen durften, war die Universität. Dort erlebten sie strenge Kontrollen, die wohl seit der Regierung Ahmadinedschads an der Tagesordnung seien. „Ich hatte den Eindruck, der Staat sieht die Uni als Unruheherd. Es gab viel Sicherheitspersonal.“ Besonders sei darauf geachtet worden, dass sich Männer und Frauen nicht zu nahe kommen. In Gesprächen außerhalb der Uni haben Studenten ihren Unmut geäußert: „Sie sehnen sich danach, aus dem Iran rauszukommen und im Ausland zu studieren.“ Das gestalte sich schwierig: „Der Iran erteilt Ausreise­papiere erst nach einem mehrjährigen Wehrdienst. Die EU lehnt aber auch viele Visa-Anträge ab.“

von Philipp Lauer

Der Film
Der Film „Freiburg Isfahan - Eindrücke einer umstrittenen Städtepartnerschaft“ wird heute um 18.15 Uhr in der Deutschhausstraße 12, Marburg vorgeführt. Anschließend kann diskutiert werden.
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