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Hochschulzulassung

Es geht auch ohne Abi in die Uni

Es gibt unterschiedliche Wege des Hochschulzugangs ohne Abitur. Stefan Erdhofer brachte ausreichend Berufserfahrung mit, die ihm jetzt außerdem während des Studiums zu Gute kommt.
Stefan Erdhofer studiert im dritten Semester Jura in Marburg. Dazu hat er sich mit beruflicher Erfahrung qualifiziert. Foto: Lauer

Stefan Erdhofer studiert im dritten Semester Jura in Marburg. Dazu hat er sich mit beruflicher Erfahrung qualifiziert. Foto: Lauer

Marburg. Die Mehrheit der Studenten in Deutschland qualifizieren sich über das Abitur oder die Fachhochschulreife für ihr Studium. Dass es auch anders geht, beweist Stefan Erdhofer. Der 22-Jährige studiert im dritten Semester Jura an der Uni Marburg.

Ursprünglich kommt er aus der Nähe von Augsburg und hat dort nach dem qualifizierenden Hauptschulabschluss eine Ausbildung zum Rechtsanwalts-Fachangestellten gemacht. Mit der Ausbildung hat er die mittlerere Reife erlangt und danach drei Jahre Berufserfahrung gesammelt. „Als meine Freundin zum Studium nach Marburg gezogen ist, habe ich mich auch mit dem Thema befasst“, erklärt Erdhofer, „und einfach mal drauf los gegoogelt.“

Drei Zugänge

Es gibt drei unterschiedliche Wege des Hochschulzugangs ohne Abitur: Den Zugang mit der Meisterprüfung, den Zugang mit Abschlüssen, die mit der Meisterprüfung vergleichbar sind und den Zugang für beruflich Qualifizierte über eine Zugangsprüfung.

Diese legte Erdhofer zu den Themen Wirtschaftsrecht und BWL erfolgreich ab. Vorbereitet hat er sich anhand der Literaturhinweise der prüfenden Uni. „Wenn man die beherzigt, kann man es schaffen“, rät Erdhofer.

Bei der beruflichen Qualifikation gibt es jedoch Unterschiede in den Studienmöglichkeiten. Wer eine Meisterprüfung oder einen vergleichbaren Abschluss vorweist, kann den Studiengang frei wählen. Studieninteressierte mit einer mindestens zweijährigen Berufsausbildung und mindestens drei Jahren Erfahrung in diesem Bereich müssen eine Prüfung ablegen, ob sie für den Hochschulzugang geeignet sind. Diese Prüfung findet einmal im Jahr statt und der Anmeldeschluss dazu ist jeweils am 15. Februar. Wer die Prüfung besteht, darf Studiengänge aus dem Fachbereich der Ausbildung studieren.

Probleme, wie jeder andere Student

Wer die Hochschulzugangsberechtigung auf einem dieser Wege erreicht hat, steht noch vor der Hürde der Zulassungsbeschränkung. Zum Sommersemester 2014 war Jura in Marburg NC-frei, sodass Erdhofer gleich loslegen konnte.

„Das Studium macht Spaß. Im ersten Semester konnte ich noch von meinem Vorwissen profitieren, mittlerweile hat sich das etwas relativiert.“ Bisher hat Erdhofer aber alle Prüfungen bestanden. Die dreijährige Lernpause nach der Berufsschule bereite ihm keine Schwierigkeiten. „Manchmal habe ich Motivationsprobleme, aber die kennen wohl die meisten Studenten.“

Im Vorhinein hatte er mehr negative Reaktionen auf seinen Weg zum Studienplatz erwartet. „Es ist kein Geheimnis, aber eigentlich finden es die meisten gut“, sagt er. Erdhöfer ist froh, dass er diesen Weg eingeschlagen hat: „Mit der Ausbildung in der Hinterhand muss ich mich nicht so verrückt machen, ob ich das Studium schaffe. Und ich kann nebenbei in einer Kanzlei jobben und bleibe in der Praxis drin.“

von Philipp Lauer

[Philipp Lauer]

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