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Edeka-Werbespot sorgt für Gespräche

Provokanter Clip Edeka-Werbespot sorgt für Gespräche

Ein einsamer Mann lockt mit einer Todesanzeige seine Familie zu Weihnachten nach Hause - mit diesem Werbespot sorgt Edeka gerade für Gesprächsstoff, auch an der Uni. Wir haben uns auf dem Campus umgehört.

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Szene aus dem Werbespot „#heimkommen“ der Supermarktkette Edeka.

Quelle: edeka

Marburg. Es ist ein Werbespot, der zu Tränen rührt: In 1:27 Minuten erzählt Edeka im neuen Werbespot „#heimkommen“ die Geschichte eines alten Mannes, dem zu Weihnachten alle Kinder absagen. „Wir werden‘s Weihnachten dieses Jahr wieder nicht schaffen. Wir versuchen es nächstes Jahr und dann klappt es ganz bestimmt.“ Die Tochter, die ihrem Vater diese Nachricht auf dem Anrufbeantworter hinterlassen hat, erhält kurz darauf die Nachricht, dass ihr Vater gestorben ist.

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Familienmitglieder aus aller Welt reisen zur Beerdigung an - um den Vater quicklebendig in seinem Haus vorzufinden. „Opa“ ist also gar nicht tot. „Wie hätte ich euch denn sonst alle zusammenbringen sollen?“, fragt er vor einer festlich dekorierten Tafel. Der Spot schließt mit einem Weihnachtsessen mit der ganzen Familie.

Bis heute wurde das Video rund 40 Millionen Mal bei YouTube angeklickt und millionenfach in den sozialen Netzwerken geteilt, wo es sowohl auf Zustimmung als auch auf Ablehnung stößt.

Bei Marburger Studenten kommt Werbespot gut an

„Ich find den Clip gut“, sagt Philipp Langen (23), der im dritten Semester Medizin studiert. „Ich muss ganz ehrlich sagen, dass er mich auch ein bisschen an mich selbst erinnert, weil ich zu Weihnachten nicht so häufig meine Großeltern sehe.“ Auch Selina hat nichts gegen den Clip einzuwenden. „Im ersten Moment war ich schon sehr betroffen, aber ich fand es eher rührend als schlimm, als am Ende alle da waren und der alte Mann glücklich war“, sagt die Politikstudentin. „Es ist eine drastische Werbung, aber es ist eben eine Hyperbel, eine Übertreibung von etwas und das find ich okay.“

Vielleicht braucht der Mensch manchmal einen „Vorschlaghammer“, wie welt.de vergangene Woche über den Werbespot titelte, um über Tabus nachzudenken?

Für den Geschäftsführer des christlichen Medienverbundes KEP Christoph Irion ist klar: „40 Millionen Klicks - das beweist, dass wir auf diesem Gebiet großen Gesprächsbedarf haben.“ Der Spot bilde seiner Meinung nach reale Lebenswelten ab: „Seit 1991 hat sich die Zahl der Single-Haushalte in Deutschland von 11 auf 16,4 Millionen erhöht. 17 Millionen Menschen leben ihre Beziehungen aufgrund ihrer Arbeitsplatzsituation auf Distanz“, weiß er. „Diese Zahlen zeigen, dass es einen erheblichen Bedarf nach Nähe, Gemeinschaft und nach ‚nach Hause kommen‘ in der Gesellschaft gibt.“

Chance, neu über Beziehungen nachzudenken

Genau diese Werte werden in dem Werbespot angesprochen - ebenso aber auch schwierige Themen wie Einsamkeit, Tod und Sterben. „Überzogen und makaber, ja, das ist der Spot. Aber die Situation, die dargestellt wird - und das ist der Kick an dem Film -, kann eintreffen.“ Manch eine Begegnung mit einem Menschen kann eine letzte Chance sein. „Die Gefahr ist, dass man überdrehte Deutungen und Interpretationen aus der Werbung mit der Wirklichkeit verwechselt.“ Irion sieht den Spot aber auch als Chance, neu über Beziehungen und Weihnachten nachzudenken.

So geht es auch Philipp: „Der Clip hat mich schon motiviert, diese Weihnachten wieder Zeit mit meinen Großeltern zu verbringen.“ Für Selina macht die Werbung hingegen keinen Unterschied: „Ich habe sowieso ein sehr gutes Verhältnis zu meinen Großeltern und sehe sie häufig.“

von Ruth Korte

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