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Der Input kommt per Video-Beitrag

Ringseminar Der Input kommt per Video-Beitrag

In einem neuen Lehrformat sind Dozenten und Studenten mehrerer Universitäten per Videokonferenz verbunden. Auch Vor- und Nachbereitung teilen sich die Studenten ortsübergreifend auf.

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Dr. Kerstin Zimmer vom Zentrum für Konfliktforschung und Soziologiestudentin Nina Wilhelmi. Per Videokonferenz nehmen sie an einem neuen Lehrformat teil.

Quelle: Philipp Lauer

Marburg. „Könnt ihr mich hören? Bitte einmal kurz winken“, ruft der Dozent Alexander Kobusch aus Tübingen. Seine Stimme kommt aus einem Lautsprecher, per Videokonferenz ist er fünf deutschen Unis zugeschaltet. Kobusch moderiert die Sitzung des Ringseminars „Gefährdung des Friedens in Europa?“. Dr. Kerstin Zimmer vom Zentrum für Konfliktforschung in Marburg winkt in die Webcam. Studenten und Dozenten in Tübingen, Mainz, Düsseldorf und Hamburg melden sich ebenso per Handzeichen. Insgesamt nehmen 150 Studenten am Ringseminar teil.

Jonas aus Mainz eröffnet den ersten Teil der Sitzung, die „Ask and Analyse“-Runde, die er mit seiner Gruppe vorbereitet hat. Er fasst die Ergebnisse der Vorwoche zusammen und ordnet diese ein. Es ging um die Bedrohung der Rechtsstaatlichkeit in Europa. Dann übergibt Jonas an Mareike in Hamburg. Es entwickelt sich eine ausgiebige Diskussionsrunde.

Im zweiten Teil erörtern die Studenten die These, ob die ­soziale Ungleichheit die gesellschaftlichen Spannungen in der EU verschärfen. Professor Hans-Jürgen Bieling hatte dazu im Voraus ein Video und Texte zur Vorbereitung auf die Lernplattform hochgeladen. Der Tübinger Politikwissenschaftler hat in Marburg studiert und war von 2002 bis 2008 Juniorprofessor an der Philipps-Universität.

Eine spontane Programmänderung

Einige der Fragen zur Diskussion stammen von Nina Wilhelmi, sie belegt das Seminar in Marburg. Sie wirkte in der Gruppe mit, die Fragen für den Diskussionsteil vorbereitet hat. „Wir haben über den Chat und die Telefonkonferenz-Funktion­ auf der Lernplattform Ilias kommuniziert und ein gemeinsames Google-Dokument bearbeitet“, erklärt die Soziologiestudentin­ aus Gießen. Sind die Gräben zwischen den Ländern neue oder alte „Cleavages“? Wird die EU zu einem Projekt einiger ­weniger?

Nach einer ersten Diskussionsrunde unterbricht Kobusch. „Wir machen eine spontane Programmänderung. Es gibt jetzt eine Minute Pause, damit die einzelnen Standorte noch neue Fragen entwickeln können“, sagt er und schaltet auf stumm. Die Video-Verbindung läuft ohne Ton weiter. Nach einer Minute hat auch das Marburger Seminar eine Frage an Bieling.

Leider will das Mikrofon nicht so, wie es soll, sodass Dr. Kerstin Zimmer die Frage per Gruppenchat nach Tübingen schickt: Wie wird sich der Brexit auf die Ungleichheit in der EU auswirken? Schließlich war Großbritannien immer ein finanzstarkes Mitglied. Bieling erklärt, man wisse noch gar nicht, was beim Brexit rauskomme. „Aber es muss sich nicht negativ auf die Ungleichheit auswirken. Die Briten haben viele ausgleichende Maßnahmen und ökonomische Korrekturen blockiert.“ Nach etwas über einer Stunde intensiven Austauschs verabschiedet Kobusch die Studenten und ihre Dozenten an den einzelnen Standorten.

„Es ist schon anstrengender und erfordert mehr Aufmerksamkeit als eine normale Lehrveranstaltung, bei der man ­direkt miteinander spricht“, sagt Zimmer. Hinzu komme die technische Herausforderung und die eine oder andere Panne, die es zu bewältigen gebe. Das Rechenzentrum sei sehr kooperativ und stelle die nötige Ausrüstung zur Verfügung. „Didaktisch ist das neue Lehrformat sehr spannend und es ist interessant zu experimentieren.“

Thessaloniki, London, Oxford, Ottawa und Ungarn

Es sei anspruchsvoll, mit mehreren Kollegen auf einen Nenner zu kommen, erklärt Zimmer. Man sei es sonst gewohnt, Seminare alleine zu planen. Dadurch, dass die Verantwortung für die einzelnen Sitzungen zwischen den Standorten wechselt, spare man zwar etwas an Planungsaufwand. Allerdings müsse auch mehr kommuniziert werden.

Das inhaltliche Konzept hat eine Gruppe an der Tübinger Universität entwickelt, um die technische Umsetzung haben sich die Freiburger gekümmert. Als Referenten beteiligen sich über die teilnehmenden Hochschulen hinaus auch Wissenschaftler aus Thessaloniki, London, Oxford, Ottawa und der Central European University in Ungarn.

Weitere Infos zum neuen Lehrformat gibt es auf www.ringseminar-europa.politik.uni-freiburg.de

von Philipp Lauer

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