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Zwischen Studium und Kamera

Campus TV Zwischen Studium und Kamera

Fernsehen an der Uni? Ja, das gibt es auch - zu Studienzwecken. Aber das Marburger Campus TV hat eine andere Aufgabe. Die Studierenden, die hier aktiv sind, machen selbst Fernsehen.

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Das Team des Marburger Uni-Fernsehens Campus TV.

Quelle: Barbara Slotta

Marburg . Das Studium ist schon längst kein Lebensabschnitt mehr, den man allein mit drögem Büffeln oder einsamen Nächten in der Universitätsbibliothek füllt. Die zahlreichen Möglichkeiten der Eigengestaltung eines studentischen Lebens reichen vom Auslandsjahr bis hin zum Unisport, von Konzerten des Studentischen Orchesters bis hin zu groß angelegten Demonstrationen und selbst organisierten Lesungen und Vorträgen. Das Angebot ist so groß, dass viele zunächst gar nicht wissen, was sie nun eigentlich tun sollen beziehungsweise, was von ihnen erwartet wird, und die Verwirrung ist oft so anhaltend, dass erst einmal nichts getan wird, bis man sich einen gewissen Überblick verschafft hat.

Nun, die Idee des Überblicks ist gerade an der Uni Marburg so eine Sache; denn gerade dann, wenn man glaubt, man habe nun alle Aktivitäten ausgemacht, kommt ein neues Projekt daher, das ebenso aufregend und verlockend klingt, und der Überblick ist dahin und das Chaos wieder da. So mag es dem ein oder anderen gehen, der in diesen Tagen zum ersten Mal vom Uni-Fernsehen hört.

Uni-Fernsehen? Ja, Uni-Fernsehen. Mit Namen Campus-TV.

Nicht wenige nämlich – mich selbst eingenommen – wussten bis vor kurzem noch nicht einmal, dass es so etwas überhaupt gibt. Grund genug, der Sache auf den Zahn zu fühlen, und zu erfahren, wer und was sich hinter diesem Projekt verstecken.

Ich treffe Markus Voigt und Dominique Bosle, die neue Doppelspitze bei Campus-TV, an einem Mittwochnachmittag in der Phil-Fak. Im Januar 2011 erst haben sie die Führung des studentischen Projekts übernommen. „Es war mehr der Rettungsgedanke als das Wissen, wie es wirklich geht“, sagt Bosle, der im sechsten Semester Jura studiert. „Auf einmal saßen da 15 Menschen, die wir bespaßen mussten“, ergänzt Voigt, seines Zeichens Studierender des Studienganges Kunst, Musik und Medien.

Die Übernahme, wie zum Beispiel der rechtliche Zugriff auf die eigene Website, die Organisation und der Aufbau eines eigenständigen Teams, verursachten so manche Startschwierigkeiten und verlangten den beiden einen gewissen Ideenreichtum ab.

Doch nach knapp fünf Monaten, einem eigeninitiierten Kamera- und Filmseminar und vielen Stunden der Einführung und Übung, haben die zwei Chefredakteure eine Mannschaft um sich, auf die sie sich verlassen können.

10 bis 15 Leute sitzen nun jeden Mittwoch in den Redaktionssitzungen, diskutieren, äußern Ideen und Vorschläge für mögliche Beiträge und tragen zur Realisierung einer Sendung bei. Die meisten von ihnen studieren Kunst, Musik und Medien, aber auch einige Philosophie-, Anthropologie- und Jurastudenten sind dabei. Noch immer kann man dem Team beitreten; damit der nächste Führungswechseln leichter wird, und man nicht noch einmal bei null anfangen muss.

Es ist diese Mischung, von der die monatliche Sendung profitiert: eine halbe Stunde dauert sie und steht auf www.campustv-marburg.de auf Abruf.

Die Kameras, mit denen sie ihre Beiträge filmen, stellt ihnen das HRZ – das Hochschulrechenzentrum – zur Verfügung. Geschnitten werden die selbstgedrehten Kurzfilme ebenfalls an Uni-Computern, dennoch bestehen Bosle und Voigt auf ihrer Eigenständigkeit: „Wir sind kein direktes Projekt der Uni, gehören nicht offiziell dazu, und erhalten deshalb auch keine besondere Finanzierung.“

Den Großteil der Zeit frisst die Restproduktion eines Beitrages. Es dauert, bis ein Bericht tatsächlich die Form gefunden hat, die man selbst vor Augen hatte.

Dabei können sie mittlerweile ein buntes Repertoire von Berichten und Sendungen vorweisen, zu denen sowohl Spaßbeiträge, Sonderberichte, Umfragen als auch Interviews mit Oscarpreisträgern (im Zuge des Marburger Kamerapreises) gehören.

Auf diese Art hat das Team um Bosle und Voigt recht erfolgreich auf sich aufmerksam gemacht, denn beim Hessentag vom 10.-19. Juni 2011 in Oberursel kam den Marburger Studenten eine besondere Rolle zu: „Wir haben die Veranstaltung im Auftrag des Hessentagsradio dokumentiert und waren jeden Tag live vor Ort.“ Interviews mit Badesalz, Nächte im Pfadfinderheim und zehn Tage Berichterstattung waren das, eine besondere Herausforderung - aber das Ergebnis kann sich sehen lassen.

von Barbara Slotta

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