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Zwei rechts, zwei links und aufgepasst

Stricken im Hörsaal Zwei rechts, zwei links und aufgepasst

Zwei rechts, zwei links. Die Reihe wieder zurück. Und dann geht es von vorne los. Stricken ist die neue Konzentrationstechnik in Vorlesungen.

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Stephanie strickt im Hörsaal - sie findet, dass das die Konzentration fördert.

Quelle: Katharina Fenderl

„Wenn ich in großen Vorlesungen sitze, stricke ich“, sagt Stephanie H., Lehramts-Studentin im 3. Semester.

Schon seit mehreren Jahren in den Vereinigten Staaten ein wieder entdeckter Trend, erlebt die Strickkunst auch in Deutschland ein ‚Revival‘. Auch immer mehr junge Leute greifen wieder zu den Stricknadeln und versuchen sich an Schals und Wollsocken. In Berlin trifft man sich zum sogenannten „Knit in Public“ im Café um die Ecke. Und auch an der Volkshochschule Marburg wird ab April ein Anfängerkurs im Stricken angeboten.

Nun erklingt das sanfte Klackern der Nadeln sogar immer öfter in Vorlesungssälen. „Ich kann mich so super konzentrieren. Die sich wiederholende Tätigkeit hilft mir, meine Gedanken besser auf das Gesagte zu fokussieren“, so Stephanie weiter. Natürlich legt sie den angefangen Schal zwischendurch auch mal beiseite und macht nebenher Notizen, wenn etwas Wichtiges gesagt wird.

An der Fachhochschule Bad Honnef bei Bonn gibt es mittlerweile schon den „Bhoukclette“ – den Bad Honnef University Knitting Club for boys and girls. Hier soll das Stricken als entspannende und gleichzeitig kreative Aktivität mit der Möglichkeit verbunden werden, Studenten aus verschiedenen Fachbereichen zusammenzubringen.

Stephanie hat Stricken von ihrer Mutter gelernt – genauso wie Häkeln und Nähen. Bei solchen praktischen Dingen bräuchte man am besten jemanden, der einem das konkret zeigen und mit dem man sich austauschen kann. Sie findet es toll, etwas handwerklich zu schaffen. „Es ist zwar nicht billiger als ein gekaufter Schal, aber man kann sich Material und Farbe aussuchen und dem Ganzen so eine kreative, persönliche Note verleihen.“

„Zu Hause würde ich nicht stricken“, meint die Lehramtsstudentin. „Aber so verbinde ich zwei Sachen miteinander und bin dabei noch produktiv.“

Was sagen denn eigentlich die zu dem Ganzen, die noch nicht vom Trend Stricken angesteckt worden sind? „Ich stricke so, dass es für den Dozenten kaum auffällt. In einem Seminar mit wenigen Teilnehmern hingegen würde ich es gar nicht machen. Das fände ich respektlos“, stellt Stephanie fest.

Und tatsächlich – trotz weiteren Nachforschens ließ sich kein Dozent oder Professor an der Uni Marburg ausfindig machen, der von strickenden Studenten in der eigenen Vorlesung etwas mitbekommen hätte. „Ich habe noch nie bemerkt, dass jemand in meiner Vorlesung gestrickt hätte“, sagt Dr. Johannes Becker, der am Zentrum für Konfliktforschung der Universität lehrt.

Die anderen Studierenden würden schon mal neugierig rüber gucken, meint Stephanie. Vielleicht ist von denen ja der oder die eine oder andere mittlerweile auch schon im Wolllädchen um die Ecke gesichtet worden.

von Katharina Fenderl

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