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Reisen Per Sofa lässt sich die Welt entdecken

Früher brauchte man viel Geld, um fremde Länder kennenzulernen. Heute reicht eine Couch.

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Dieses Foto brachte die Marburger CouchSurferin Nadja Ring (links) aus Montreal mit. Vier Surfer auf einer Couch, für den Fotografen wörtlich in Szene gesetzt.

Marburg. Nadja Ring liebt Reisen. Die 24-jährige Studentin war schon in Argentinien und Brasilien, in Indonesien und auf Barbados. Sie kennt sich in New York aus und mag das Nachtleben von Toronto, und in Südamerika blieb sie gleich drei Monate.

Doch wer glaubt, die angehende Humanbiologin sei reich, der irrt. Ihre vielen Reisen kann sie sich auch deshalb leisten, weil sie auf eine ganz besondere Art der Unterkunft schwört: das CouchSurfing. Die Idee ist einfach: Anstatt in Hostel, Jugendherberge oder Hotel übernachten CouchSurfer kostenlos bei Privatleuten zu Hause. Dabei ist das mit der „Couch“ nicht Pflicht: Von der Isomatte im Flur bis zum komplett eingerichteten Gästezimmer ist bei den CouchSurfer-Gastgebern rund um den Globus so ziemlich alles im Angebot, worauf man übernachten kann.

Organisiert wird das Ganze über eine Internet-Plattform, auf der Schlafsofa-Besitzer und potenzielle Sofaschläfer zusammenfinden können: www.CouchSurfing.Org .

Nadja Ring ist dort seit 2006 eingetragen und schwärmt von ihren Erfahrungen als Reisende und als Gastgeberin: „Ich bin total überzeugt von CouchSurfing und mache auf meinen Reisen immer Werbung dafür, wenn ich andere Reisende treffe“, erzählt sie.

Das mit dem „Treffen“ ist übrigens ein ganz wichtiger Punkt beim CouchSurfing. Schließlich soll es nicht darum gehen, professionellen Beherbergungsbetrieben Konkurrenz zu machen. Vielmehr soll die Völkerverständigung von der Idee profitieren, es sollen Freundschaften geschlossen und fremde Länder ganz anders kennengelernt werden.

Dass diese Idee funktioniert, davon ist Nadja überzeugt: Sie hat mit CouchSurfing schon viele Freundschaften geschlossen, hat landestypische Feste mitgefeiert und Facetten ihrer Gastländer kennengelernt, die sich keinem Pauschaltouristen jemals offenbaren werden. Wie in Halifax, wo ihr Gastgeber seine beiden Couch-Gäste mit dem Segelboot in die Stadt brachte und den beiden Deutschen damit ungeahnte Aus- und Einblicke ermöglichte. „Und man lernt Leute kennen, die man bei der Arbeit oder an der Uni nicht treffen würde, weil sie ganz andere Dinge tun und auch ganz andere Typen sind als man selbst – außer dass sie auch weltoffen sind.“

Die Geschichte von CouchSurfing begann mit einem Flugticket: Der Amerikaner Casey Fenton, damals Anfang 20, hatte einen Billigflug nach Island gebucht, um dort ein verlängertes Wochenende zu verbringen. Das Geld war knapp, und so schlug der smarte Kosmopolit einen anderen Weg ein, um sich eine Übernachtungsmöglichkeit zu organisieren: Er verschickte Hunderte Mails an die Studenten der Universität Rejkjavik, in denen er fragte, ob jemand ihn auf seinem Sofa kampieren ließe. Die Idee des „Couchsurfing“ war geboren.
2003 startete die Internetseite, die Fenton mit drei Mitstreitern aus dieser Idee entwickelte. Inzwischen machen weltweit mehr als 2,5 Millionen Menschen mit.

Im Raum Marburg haben sich rund 1700 „Couchsurfer“ auf der Plattform registriert. Längst nicht alle bieten ein Sofa an, viele wollen lieber selbst reisen. Doch zwischen immerhin 240 Schlafplätzen in Marburg kann der Reisende wählen. Hinzu kommen noch solche CouchSurfer, bei denen sich eine Nachfrage lohnt, weil sie nicht immer jemanden beherbergen können. Und solche, die gar keine Möglichkeit zum Übernachten anbieten, aber gern bereit sind, Gäste herumzuführen oder auf einen Kaffee zu treffen.

Die Organisation basiert auf freiwilligen Spenden. CouchSurfer, die spenden, bekommen einen Vorteil: Sie können ihre Identität überprüfen lassen und sich dann in ihrem persönlichen CouchSurfing-Profil als besonders vertrauenswürdig kennzeichnen lassen.

von Sabine Nagel-Horn

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