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Kicken gegen den Uni-Stress

Fußball Kicken gegen den Uni-Stress

Beim Training fischten sie den Ball aus der Lahn. Nun spielen sie vor fast 100 Zuschauern. Eine Studentenmannschaft mischt die Marburger Freizeitliga auf.

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Studieren und Sport: Die Freizeitkicker der "Elfmeterbeinküste" kombinieren beides. Gekickt wird aber nicht im Hörsaal, da haben sie sich nur fürs Foto versammelt.

Quelle: Ronny Zimmermann

Marburg . Der Ball fliegt in die Lahn. Das Tor hat er weit verpasst. Nun stürzen sich die Sportstudenten ins Wasser. Eine Szene aus dem Sommer 2010.

Seitdem haben sie viele Bälle in die Lahn gejagt. Und noch mehr im gegnerischen Tor versenkt. Was auf den Lahnwiesen begann, ist für die Studenten zur Tradition geworden: Kicken gegen den Uni-Stress.
Die Studentenmannschaft fand sogar einen eigenen Namen: Elfmeterbeinküste. Wie bitte? „Wir haben nach einem lustigen Namen gesucht, der unser Temperament widerspiegelt“, sagt Benni Schimmel, der Spieler und Teamleiter zugleich ist. „Als dann der Name Elfmeterbeinküste in die Runde platzte, haben alle gelacht und das Ding war beschlossen.“

Und was macht die „Elfmeterbeinküste“ so besonders? Es sei der Zusammenhalt, die Leidenschaft für den Fußball, welche das Team verbindet, sagt Benni. Die Jungs, alle studieren sie gemeinsam Sport, kennen sich seit dem ersten Tag an der Uni. So eine Erfahrung schweißt zusammen.
Als sie das erste Mal gemeinsam Fußball spielten, hatten sie keinen Ball. Die Spieler legten ihr Geld zusammen. Dann wurde gekickt. „Alle sind mit einem hohen Engagement dabei. Bei uns zählt nur das Team“, sagt Benni. Wahrscheinlich ist die Stimmung auch deswegen so gut.

Die Sportstudenten kämpfen um jeden Ball. Es wird gegrätscht und getrickst. Mit kleinen Sprüchen stacheln sie sich gegenseitig an. „Das war das dritte Mal, dass ich dir durch die Beine gespielt habe“, sagt Niklas zu Janis. Wenig später geht Janis mit einer lockeren Finte an Niklas vorbei. Nach dem Training sitzen die Jungs zusammen.

Ihr Gesprächsthema: die Bunte Liga. Im Sommersemester gaben sie ihr Debüt in der Freizeitstaffel. In der Vorrunde spielten sie die anderen Studentenmannschaften an die Wand. „Da haben wir auf dem Rasen am Afföller ein bisschen Fußball-Zauber veranstaltet“, sagt Benni mit einem Augenzwinkern. Im letzten Spiel kämpften sie um den Gruppensieg.

Unvergessen: Fast 100 Zuschauer pilgerten in das Uni-Stadion. Am Ende unterlagen sie mit 3:6. Das Achtelfinale der Studenten-Liga erreichten sie dennoch. Hannes Kuttler, sicherer Torwart der Mannschaft, fasste die Gruppenphase auf seine Art zusammen: „Ein gutes Pferd springt nur so hoch, wie es muss.“ Der Torhüter ist die Kult-Figur im Team. Er ist verrückter als Oliver Kahn und hat bessere Reflexe als Manuel Neuer. Dem Nachweis seiner Fähigkeiten blieb er jedoch gelegentlich schuldig. Egal, bei der Elfmeterbeinküste steht der Spaß im Vordergrund.

Dass mitunter aber auch hitzig um Siege gerungen wird, zeigt sich in der Finalrunde. Gegen eine Auswahl von Medizin-Studenten, die sich passenderweise AS Pirin nennt, schied die Elfmeterbeinküste aus. Die Spieler trauerten. „Sicher gehen wir nicht auf den Platz, um zu verlieren“, gesteht Benni. Die Niederlage schmerzt doppelt: Da die Liga auf Marburg begrenzt ist, begegnet man womöglich am nächsten Tag dem Gegner in der Mensa oder im Hörsaal. Wer verliert, darf sich spitze Kommentare gefallen lassen.

Während des Jahreswechsels hat das Team pausiert. Einmal im Jahr geben auch sie sich eine fußballfreie Zeit.
Im Sommer aber greifen sie erneut an in der Bunten Liga. Sie wollen endlich die Meisterschaft.

Und ein Spieler würde besonders gern den Titel gewinnen: Tobias Stirner. Die Freundin des knallharten Verteidigers studiert in Berlin. Tobias möchte zu ihr ziehen. Doch zuvor möchte er mit seinen Jungs von der Elfmeterbeinküste noch den Titel feiern…

von Ronny Zimmermann

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