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Ein Mann, zwei Frauen, drei Hoden

Philipp der Großmütige Ein Mann, zwei Frauen, drei Hoden

Philipps-Universität, so heißt die Marburger Hochschule. Mit Fernsehern und Radioweckern einer ähnlich heißenden Marke hat das nichts zu tun. Der Namensgeber war ein Graf.

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Der Philippsstein im Innenhof des Marburger Schlosses: Wer Philipps Schamkapsel berührt, darf auf besondere Manneskraft hoffen.

Quelle: Eva Seyer

Marburg. Allen dümmlichen Witzen zum Trotz: Genausowenig, wie die Leibniz-Universität Hannover etwas mit Butterkeksen zu tun hat, wird die Philipps-Universität Marburg von einem Elektronik-Hersteller gesponsort. Der Name ist viel älter: Er bezieht sich auf den Gründer der Uni, den hessischen Landgrafen Philipp den Ersten (1504 bis 1567).

1527 gründete der Landgraf, der sich seit 1524 zu den Lehren Martin Luthers bekannte, die Marburger Universität. Sie war damit weltweit die zweite protestantische Hochschule und ist heute die älteste noch bestehende Uni, die als protestantische gegründet wurde. Philipp galt als mächtiger Wegbereiter der Reformation.

Unter anderem deshalb trug der Landgraf den Beinamen „der Großmütige". Doch nicht nur der Mut des reformfreudigen Adeligen war groß. Auch in anderer Hinsicht war er überdurchschnittlich gut ausgestattet: Laut Überlieferung hatte Philipp drei Hoden, womit er auch seinen ausufernden Sexualtrieb begründete – nebst einer Geschlechtskrankheit, welche ihm dieser Trieb eingebracht hatte. Und auch die Tatsache, dass Landesvater Philipp mit zwei Frauen gleichzeitig verheiratet war, wurde in seinem Umfeld damit begründet, dass ein Mann mit seiner Anatomie eben mit nur einer Frau nicht ausgelastet sei. Dieser Ansicht schloss sich auch Reformator Martin Luther an und genehmigte die Zweitehe.

Heutige Mediziner bezweifeln, dass es sich bei Philipps asymmetrischer Sonderausstattung tatsächlich um drei Hoden handelte. Als wahrscheinlicher gilt, dass das dritte Exemplar eine Zyste oder die Folge eines Hodenbruchs war.

Ob Hoden oder Zyste: Philipps Gemächt beschäftigt seit Jahrhunderten die Phantasie der Marburger und nährt einen mündlich überlieferten Aberglauben, dessen Spuren auch heute noch in Marburg zu sehen sind. Im Innenhof des Landgrafenschlosses steht der „Philippsstein", ein Relief, auf dem der Landgraf und seine Urahnin, die heilige Elisabeth (1207 bis 1231), zu sehen sind. Angefertigt wurde es noch zu Lebzeiten des Grafen. Philipp trägt auf dieser Darstellung sein Gemächt in einer Schamkapsel, wie es der Mode der Zeit entsprach. Und just dieses Detail des Kunstwerks trägt einen besonderen Glanz: Es ist speckig von der Berührung zehntausender Finger. Denn wer Philipp an dieser außergewöhnlich gesegneten Stelle berührt, der darf angeblich auf besondere Manneskraft und Fruchtbarkeit hoffen. Der Landgraf selbst hatte mindestens 19 Kinder.

von Sabine Nagel-Horn

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Was Philipp der Großmütige so alles geleistet hat, kann man in schlauen Büchern nachlesen. Oder man hört sich einfach den satirischen Song „Philipp" an.

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