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Das „Bedürfnis nach Antworten“ stillen

Studenten helfen Flüchtlingen Das „Bedürfnis nach Antworten“ stillen

Wie versichere ich mich? Welche Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten habe ich? Das sind Fragen, die sich viele Flüchtlinge stellen, wenn sie nach Deutschland kommen. Marburger Studenten wollen ihnen helfen.

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Nawar Alkhayer (33) (Mitte), Dozentin am Centrum für Nah- und Mitteloststudien (CNMS), erarbeitet mit ihren Studenten (auf dem Bild: Anna Christina Scheiter (24) und Anja Smasal (27), von links) Vorträge für Flüchtlinge auf Arabisch.

Quelle: Ruth Korte

Marburg. „Die Flüchtlinge haben viele Fragen, wenn sie nach Deutschland kommen, und ein Bedürfnis nach Antworten“, weiß Anne Martin (25), deren Freund in einer Erstaufnahme­einrichtung arbeitet
und ihr viel von ihnen berichtet. Dies war Grund genug für sie, an dem Projekt teilzunehmen, das der Landkreis Marburg-Biedenkopf in Kooperation mit ihrem Institut, dem Centrum für Nah- und Mitteloststudien (CNMS) der Philipps-Universität Marburg, durchführt.

„Mich hat an dem Projekt überzeugt, dass es bisher kaum Infomaterialien zu den Themen, die wir übersetzt haben, auf Arabisch gibt“, sagt Annes Kommilitonin Anja Smasal (27).
Zusammen mit ihren Kommilitonen haben die jungen Orientwissenschaftlerinnen in diesem und letztem Semester Präsentationen auf Arabisch zu ausgewählten Themen wie dem deutschen Bildungssystem, dem Sozialversicherungssystem, deutscher Kultur oder den Berufs- und Ausbildungsmöglichkeiten erarbeitet.

Manche Begriffe sind schwer zu übersetzen

„Die Inhalte waren selbst für uns, die wir teilweise in Deutschland geboren und aufgewachsen sind, sehr komplex und neu“, berichtet Achim Böhling (25) und nennt als Beispiel das deutsche Rentensystem.
Doch nicht nur die Komplexität mancher Themen, auch die Übersetzung waren bei der Vorbereitung der Präsentationen eine Herausforderung. „Es ist schwer, manche Begriffe ins Arabische zu übersetzen, zum Beispiel ‚Leistungskurs‘. So etwas gibt es an den Schulen in den arabischen Ländern nicht, weil das Bildungssystem ein anderes ist. Also gibt es auch kein Wort dafür.“

Bei der Übersetzung geholfen hat ihnen die CNMS-Dozentin Nawar Alkhayer (33), die mit ihnen die Vorträge, bevor sie im Kreisjobcenter gehalten wurden, durchgesprochen und, wo nötig, verbessert hat.
Bereits vier Präsentationen wurden im vergangenen Semester gehalten – alle gut besucht. Zwölf weitere folgen in diesem. „Es ist eine gute Sache“, resümiert Anne. „Es tut gut, mal eine andere Perspektive einzunehmen.“

Auch ein YouTube-Channel ist in Planung

„Es tut auch gut, mal etwas nicht ‚nur‘ für die Uni zu machen, sondern Menschen damit konkret zu helfen“, ergänzt Anna Christina
Scheiter (24).

Das Material, das die Studenten des CNMS erarbeitet haben, soll nun hessen- und bundesweit Menschen, die mit Flüchtlingen arbeiten, zur Verfügung gestellt werden. Darüber hinaus planen die Marburger Studenten, einen YouTube-Channel aufzubauen, in dem diese und weitere Themen viral aufgearbeitet werden.

Angestoßen hatte die Idee einer Art „Grundkurs Deutschland“, die den arabischsprechenden Flüchtlingen Einblicke in wichtige Themenbereiche gewähren, die Projektgruppe
„Voice“ (Vocational Orientation Information Culture Experience) des Landkreises Marburg-Biedenkopf.
„Die Studierenden, die sehr gut Arabisch sprechen, hatten diese Idee einer Zusammenarbeit mit dem Kreisjobcenter mit Begeisterung aufgenommen und widmen sich mit Engagement ihrer Aufgabe“, freut sich CNMS-Geschäftsführerin Dr. Leslie Tramontini.

von Ruth Korte

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