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„Chance, sich gewissen Freiraum zu nehmen“

Sprungbrett Marburg „Chance, sich gewissen Freiraum zu nehmen“

Bekannt geworden ist Manfred Breuckmann als Sportreporter. Zuvor studierte er Jura in Marburg.

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Vom Marburger Juristen zum Sportreporter: Manfred Breuckmann.

Quelle: Privat

Marburg. „Die Wege zum Journalismus sind vielfältig“, sagt Manfred Breuckmann. Auch in seinem Fall trifft das zu. Der 63-Jährige kommentierte über 40 Jahre lang Fußballspiele im Radio und war auch auf anderen Ebenen als Journalist tätig. Sein erstes Spiel für den Westdeutschen Rundfunk (WDR) kommentierte er als freier Mitarbeiter während seines Jura-Studiums in Marburg. An der Philipps-Universität war Breuckmann von 1971 bis 1975 eingeschrieben.

„Ich habe damals im Stadion einen Reporter kommentieren sehen. Das hat mich so fasziniert, dass ich den Drang hatte, das auch einmal zu machen“, sagt Breuckmann. Als der WDR dann nach freien Mitarbeitern suchte, ergriff er seine Chance. „Während der Woche studieren in Marburg, am Wochenende nach Hause fahren, Mutti die schmutzige Wäsche bringen und Fußballspiele kommentieren – schöner konnte es nicht sein“, erinnert sich die Reporterlegende. Obendrein arbeitete er noch als DJ in einer Discothek im Vogelsberg-Kreis.

Nach dem Studium arbeitete Breuckmann drei Jahre lang in Bonn beim Bundespresseamt, wofür ein abgeschlossenes Jura-Studium zu diesem Zeitpunkt Voraussetzung war. 1982 wurde er beim WDR fest angestellt.

Breuckmanns Leidenschaft: Reportagen

„Es hat mich gereizt, Reporter zu sein, weil ich Spaß am Beschreiben habe. Und daran, mit der Sprache Informationen und Stimmungen zu transportieren.“

Besonders gerne habe er daher Reportagen gemacht – „und Fußball ist heutzutage ja eine der letzten Domänen, wo es solche Reportagen noch gibt“. Dennoch habe er immer auch den Anspruch gehabt, „nicht nur Fußballreporter zu sein“. Beim WDR arbeitete er unter anderem als landespolitischer Sprecher und moderierte lange Zeit die Sendung „Zwischen Rhein und Weser“.

Heute ist Breuckmann als Autor tätig und veröffentlichte gerade seinen Mallorca-Krimi „Schnee am Ballermann“. Mit Fußball habe dieser nichts zu tun, es handele sich auch nicht „um die Memoiren von Christoph Daum“, so Breuckmann augenzwinkernd.

Zimmer ohne Dusche und warmes Wasser

An Marburg erinnert sich Breuckmann noch heute sehr gerne. „Es war eine tolle Zeit, mit vielen Feten“, sagt er. Gewohnt habe er damals für 50 Deutsche Mark in einem kleinen Zimmer in Ockershausen. Dort habe es keine Dusche und kein warmes Wasser gegeben. Zum Haarewaschen habe er sich daher Wasser mit einem Tauchsieder warm gemacht. „Dennoch habe ich mich dort sehr wohl gefühlt“.

Das Studium sei eine Zeit, in der „man noch einmal die Chance hat, sich einen gewissen Freiraum zu nehmen – auch wenn heute vieles auf Effizienz ausgerichtet ist“, so Breuckmann. Er empfiehlt, „etwas zu studieren, was eine berufliche Perspektive hat“, trotzdem aber das Leben nebenbei zu genießen.

Wer dann in den Journalismus gehen wolle, müsse „erst einmal etwas Fachliches anbieten können“. Zudem müsse man bereits während des Studiums journalistisch arbeiten, um eine Chance zu haben. „Da sind oft viele Illusionen im Spiel“, so Breuckmann.

von Peter Gassner

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