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Zwetschgenholz und Ohrenschützer

Tischler Manfred Lauer Zwetschgenholz und Ohrenschützer

Warum hat die Uni einen eigenen Tischler? Weil unglaublich viele Dinge an der Philipps-Universität aus Holz sind. Das wird schnell klar, wenn man Manfred Lauer in seiner Werkstatt besucht.

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Manfred Lauer an der Formatkreissäge: Er zerschneidet Kiefernbohlen in kleinere Leisten, aus denen er dann eine Leimholzplatte zusammenfügt.

Quelle: Sabine Nagel-Horn

„Das schönste an meinem Beruf ist, dass ich Dinge bauen kann", sagt Manfred Lauer. „Und dass ich sie mir hinterher anschauen kann und sagen: ,Das ist mir gelungen'."

Die Dinge, die Lauer baut, sind in aller Regel aus Holz, denn der 48-Jährige ist Tischler. Das Spektrum seiner Arbeiten ist groß. „Ich bin Mädchen für alles", sagt er mit einem feinen Lächeln. „Ich mache Restaurationen, ich baue Büromöbel nach Maß, ich repariere Fenster und Türen".

An einer jahrhundertealten Hochschule wie der Philipps-Universität sind Maßarbeit und Kreativität gefagt. Viele Räume sind verwinkelt und jenseits aller Standardmaße. Wo ein Schreibtisch aus dem Möbelhaus nicht hineinpasst, da baut Lauer eben ein Spezialmöbel. Und auch dort, wo Neues in den historischen Kontext passen muss, sind die Ideen des Tischlers gefragt. Zum Beispiel im Rittersaal des Landgrafenschlosses, für den er eine hölzerne Rampe mit Einlegearbeiten angefertigt hat. Aus edlen Hölzern: Eiche und Nussbaum bilden das historisch wirkende Muster in diesem Einzelstück.

Auch Forschung und Lehre profitieren von Lauers Können. So hat er beispielsweise für den Fachbereich Biologie staubdichte Vitrinen gebaut, in denen die Tierpräparate-Sammlung zur Schau gestellt wird. „Jede dieser 18 Vitrinen war 2,40 Meter hoch. Als die alle fertig waren, war die Werkstatt voll", erinnert sich Lauer schmunzelnd.

Zurzeit bereitet der Handwerker gerade den Bau eines Arbeitstisches vor. Dafür zerschneidet er dicke, rohe Kiefernbohlen an der Kreissäge. Das macht einen Heidenlärm, die Maschine kreischt ohrenbetäubend, während Lauer die Bohlen Stück für Stück in kleinere Hölzer zerteilt. Mit diesen Leisten geht er hinüber zur Hobelbank und leimt sie mit Weißleim und Zwingen zusammen. „Durch das Verleimen verzieht sich das Holz nicht so leicht. Und ich kann viel größere Flächen herstellen als aus dem gewachsenen Holz", erläutert Lauer, während er eine Zwinge ansetzt. Wenn der Leim getrocknet ist, wird die so entstandene Platte noch an allen Seiten mit Hobel und Schleifmaschine geglättet, sodass sie aussieht wie aus einem Stück und nicht mehr wie ein schlecht zusammengesetztes Holzpuzzle.

Seine Begeisterung für das Tischlerhandwerk gibt Lauer gern weiter. Regelmäßig betreut er Praktikanten. „Manche sind Schulpraltikanten, manche aber auch interessierte Studenten", erzählt er. Auch für eine zweite Klasse der Erich-Kästner-Schule stellte er seine Werkstatt schon einmal zur Verfügung. Davon zeugt ein buntes Bild, das die Kinder ihm nach der Exkursion gemalt haben und auf dem zu sehen ist, wie die Mädchen und Jungen sich in Lauers Werkstatt kleine Pinnwände bauen. „Lieber Herr Lauer! Sie sind sehr nett", steht in bemühter Schreibschrift neben der Zeichnung. Sie hat einen Ehrenplatz in der Werkstatt bekommen.

Manfred Lauer ist der einzige Tischler, den die Philipps-Universität noch in ihrer Schreinerei beschäftigt. Früher arbeiteten dort zwei Meister und bildeten auch Lehrlinge aus. Heute ist der Geselle Lauer der letzte seiner Art.

„Wenn ich mich mit anderen Schreinern unterhalte und erzähle, dass ich an der Uni arbeite, sind sie meistens ein bisschen neidisch", sagt Lauer. Denn so regelmäßige und verlässliche Arbeitszeiten wie im öffentlichen Dienst gebe es in der freien Wirtschaft nicht. Das weiß auch Lauer, der viele Jahre in der Schreinerei Braun in Heskem gearbeitet hat. Doch auch im Ein-Mann-Betrieb der Uni-Schreinerei kommt gewiss keine Langeweile auf, Aufträge gibt es immer reichlich. „Man darf sich nicht verrückt machen lassen", sagt Lauer. Der mittelgroße Mann mit dem feinen dunkelblonden Haar rückt den Träger der beigefarbenen Tischlerhose auf seiner Schulter zurecht. Dann stülpt er sich wieder den Gehörschutz über die Ohren und schaltet die Dekupiersäge an. Ein Rahmen aus Zwetschgenholz-Leisten steht als Nächstes auf der Liste. Wieder so ein „Ding", das Manfred Lauer baut. Und das ihm gelingt.

von Sabine Nagel-Horn

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