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Die Uni macht sich ihren Druck selbst

Berufe-Serie: Drucker Udo Stein Die Uni macht sich ihren Druck selbst

Was rattert und dröhnt da im Untergeschoss des Verwaltungsgebäudes Biegenstraße 12? Es ist die Uni-Druckerei. Dort arbeitet der Buch- und Offsetdrucker Udo Stein.

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Udo Stein zeigt den Werdegang einer Uni-Veröffentlichung in der Hausdruckerei: Am Anfang steht ein elektronischer Auftrag, am Ende ein gebundenes Buch.

Quelle: Sabine Nagel-Horn

Marburg. Laut ist es hinter der unscheinbaren Stahltür im Tiefparterre. Aus Maschinen, die aussehen wie überdimensionierte Fotokopierer, quellen unter Rattern und Brummen unzählige Broschüren und Flyer.

Einen Raum weiter lärmt eine Buchbindemaschine, die aus dicken Papierstapeln und Heißleim echte Bücher macht. Daneben faltet eine hochmoderne Kuvertiermaschine Tausende von Briefen und schiebt sie in Umschläge.

Noch einen Raum weiter sitzt ein bärtiger Mann an einem Computer und hat alles im Griff: Udo Stein, der Leiter der Uni-Druckerei, weiß genau, welche Maschine gerade welches Druckwerk in Arbeit hat.

Der gelernte Buchdrucker begleitet die Uni-internen Druckaufträge von der ersten Anfrage über Layout und Druckvorstufe bis hin zur Abholung und Abrechnung durch den Auftraggeber. Ob es Plakate für Uni-Veranstaltungen sind, Vorlesungsverzeichnisse, Weihnachtskarten, Klausuren oder Visitenkarten: All diese Dinge für den Uni-Gebrauch können in der Biegenstraße gedruckt werden.

Eine Firma ist die Druckerei aber nicht, private Kunden gibt es keine: „Wir sind ausschließlich für Aufträge da, die aus der Uni kommen und über Uni-Kostenstellen abgerechnet werden“, erklärt Udo Stein. Die Aufträge bekommt er in der Regel digital: Die Uni hat ein Online-Auftragssystem für die Druckerei. „Anfang des Jahres ist das System sogar noch einmal vereinfacht worden. Jetzt kommen auch Uni-Mitarbeiter damit klar, die nicht so vertraut mit der EDV sind", sagt Stein.

Rund acht Millionen Seiten pro Jahr werden in der Hausdruckerei der Philipps-Universität gedruckt. Das macht Udo Stein nicht allein, er hat noch zwei Kollegen, die ebenfalls ausgebildete Drucker sind.

Doch obwohl der heute 51-Jährige ursprünglich Buchdrucker lernte und später zum Offsetdrucker umschulte, wird in der Uni-Druckerei mittlerweile nur noch digital gedruckt. „Dennoch hilft die Erfahrung aus dem Offsetdruck“, sagt Stein. Wer jahrelang Farben aus verschiedenen Töpfen von Hand zusammengemischt habe, um exakt den gewünschten Ton zu treffen, der habe ein ganz anderes Gespür für das Drucken als jemand, der „nur aufs Knöpfchen drückt“.

Seinen Beruf erlernte Udo Stein in einer Zeitungsdruckerei in Gießen. An der Uni ist er mittlerweile seit 21 Jahren. Er ist stolz auf „seine“ Druckerei: „Technisch sind wir immer auf dem neuesten Stand“, sagt er. Die aktuellste Neuerung ist eine Farbdruckmaschine, mit der komplett farbig gedruckte Flyer, Broschüren und Bücher hergestellt werden können. Was es Neues gibt auf dem Druckmaschinenmarkt, welche Anschaffungen sinnvoll sind für die Zwecke der Uni und wie sich die Arbeit organisieren lässt, das verfolgt Stein auch im engen Kontakt mit Druckereien anderer Universitäten. Im Vergleich mit denen kommt Marburg übrigens gut weg: „Was die Zahl der Aufträge und der gedruckten Seiten angeht, sind wir vergleichbar mit anderen Unis“, sagt Stein, „aber die sind meist zu fünft oder gar zu acht, während wir dieses Volumen Dank der modernen Technik mit zweieinhalb Stellen stemmen“, erzählt er stolz.

Zu Gedrucktem hat Udo Stein nach so vielen Berufsjahren ein ganz besonderes Verhältnis. „Ich mag Bücher“, sagt er. Aber: „Ich kann ein Buch nicht einfach so durchlesen. Ich ertappe mich dabei, dass ich überprüfe, wie es gedruckt ist.“ Da kommt es schon mal vor, dass er im Buchgeschäft einen Roman doch wieder zurücklegt, weil einige Seiten „grau aussehen“.

Innerhalb der Uni wird Udo Steins Arbeit auch deshalb hoch geschätzt, weil er immer für ein beratendes Gespräch da ist – und weil er Fehler und optische Stolpersteine in den Druckvorlagen bemerkt. In solchen Fällen hält er Rücksprache mit den Auftraggebern, anstatt stur weiterzudrucken. „Keiner fragt nachher: ,Wer hat das gestaltet?‘, wenn er die Broschüre in der Hand hält“, sagt Udo Stein augenzwinkernd. „Sondern jeder fragt: ,Wer hat das gedruckt?‘“

von Sabine Nagel-Horn

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