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Die Kunst steht im Fokus der Kamera

Fotograf Thomas Scheidt Die Kunst steht im Fokus der Kamera

Rund 1,9 Millionen Bilder beherbergt das Bildarchiv Foto Marburg, das Deutsche Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte, bis heute. Und ständig kommen neue dazu. Unter anderem Aufnahmen des Fotografen Thomas Scheidt.

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Die Kamera ist das Hauptarbeitsgerät von Thomas Scheidt, Fotograf beim Bildarchiv Foto Marburg.

Quelle: Fay Nolan/Sven Köhler

Marburg . Seine Motive laufen nicht davon. Das ist aber auch schon das einzige, was alle Dinge gemeinsam haben, die Fotograf Thomas Scheidt für das Bildarchiv Foto Marburg fotografiert. Architektur und Kunst sind die beiden Hauptbereiche, die die Fotografen von Foto Marburg ablichten. Hauptsächlich für wissenschaftliche und dokumentarische Zwecke. "Der Gebrauchswert für die Forscher steht im Vordergrund", erklärt Scheidt. Was aber nicht heißt, dass die Bilder nicht gut aussehen sollen. Für die Forscher ist es natürlich wichtiger, dass das Motiv gut erkennbar ist, als dass eine besonders schöne Lichtstimmung festgehalten wird. "Die Fotografien, die wir machen, sollen für den Nutzer einen möglichst hohen Erkenntniswert haben", formuliert es Scheidt ganz nüchtern. Aber auch ein Forscher schaut sich lieber ein Bild an, das auch gut aussieht, oder anders ausgedrückt: "Der ästhetische Aspekt wird mitbedient."

Der liegt in der Architekturfotografie meist nicht in der ungewöhnlichen Perspektive, sondern in der möglichst guten Präsentation des Objekts. "Was muss man tun, damit das Objekt gut aussieht?", ist eine Frage, die täglich aufs Neue gelöst werden muss. Eine Skulptur in einer Kirche richtig ausleuchten, damit die Mischung aus natürlichem und Kunstlicht nicht unnatürlich wirkt. Oder entscheiden, ob man alles vor Ort machen kann oder einzelne Dinge am Computer nachbearbeiten muss. 2009 zum Beispiel fotografierte Scheidt in Venedig barocke Gemälde bei einer Exkursion. Die Bilder waren hinter grünlichem Panzerglas geschützt. "Das Grün haben wir nachträglich rauskorrigiert", sagt er, betont aber "was wir auf keinen Fall machen, ist, Bilder aufhübschen." Wenn irgendwo der Putz bröckelt, bröckelt er auch auf dem Foto. Schließlich sind die Bilder Dokumente, die auch über den Zustand eines Objekts zu einer bestimmten Zeit Auskunft geben.

Die drei Fotografen von Foto Marburg sind viel in Deutschland unterwegs, fotografieren aber auch in Marburg, zum Beispiel zum Elisabethjahr 2007 eine neue Dokumentation des Elisabethschreins in der Elisabethkirche. Und sie stehen vor allem im Dienste der Wissenschaft. "Wir fotografieren auch für Bildbände oder Kirchenführer", ergänzt Scheidt. Einen beeindruckenden Einblick in die Fotobestände des Bildarchivs können Besucher in der Wolffstraße erlangen. In deckenhohen Holzregalen stehen dort die "Bildbände" des Archivs. Alle alten Negative sind so als Positive für jedermann zugänglich. Die digitalen Bilder - und die digitalisierten Bestände sind unter www.bildindex.de zugänglich.

Die Digitalfotografie führe übrigens für Fotografen nicht zur Zeitersparnis. Im Gegenteil. "Die Sichtung von analogem Bildmaterial mit Lupe und Leuchtkasten ist schneller als die gleiche Menge digitaler Bilder am Monitor." Die moderne Bildbearbeitung koste mehr Zeit, meint Scheidt. "In der Vorbereitung wird man manchmal nachlässiger, in der Nachbearbeitung pedantischer", fasst er zusammen. Der Blick fürs Motiv aber, der ist sowohl analog als auch digital eine zentrale Aufgabe des Fotografen - und nur bedingt erlernbar. "Man kann viel lernen, aber ein gewisses bildliches Vorstellungsvermögen muss man schon mitbringen", erklärt der 44-Jährige, der seit 2009 wieder bei Foto Marburg arbeitet. Anfang der 90er Jahre absolvierte er dort auch seine Fotografenlehre, arbeitete dann 14 Jahre als freier Fotograf. Seine Tätigkeit sieht er eindeutig als Handwerk. "Wir interpretieren das, was andere geschaffen haben", sagt er. Besonders wichtig für den Fotografen ist nach Scheidts Auffassung neben dem richtigen Sehen das richtige Zuhören. "Man muss verstehen können, was der Auftraggeber will." Aber ohne gestalterisches Talent und ein gewisses technisches Grundverständnis geht es nicht. Spaß am Fotografieren ist sowieso Voraussetzung für den Beruf. Und der Ehrgeiz, es "immer ein bisschen besser machen" zu wollen.

von Gabriele Neumann

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