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Die Bücherzauberer am Krummbogen

Universitätsbibliothek Die Bücherzauberer am Krummbogen

Sie machen den Weg vom Buch zum Benutzer einfach, der Name ihres Berufes ist allerdings ziemlich kompliziert: Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste, Fachrichtung Bibliothek.

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Vier "FaMis" der UB (von links): Stephanie Simon, Thomas Schubert, Stefanie Simon und Franziska Stief.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

„Du bist was bitte?“ – Verwirrung beim Gegenüber ist an der Tagesordnung, wenn sie ihre korrekte Berufsbezeichnung angeben: „Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste, Fachrichtung Bibliothek“ lautet der offizielle Bandwurmname. Die Abkürzung „FaMI“ klingt zwar putzig, hilft Außenstehenden aber auch nicht weiter. 1998 hat die Ausbildung zum Beruf „FaMI“ in fast allen Bundesländern den älteren Beruf des oder der „Bibliotheksassistentin“ abgelöst. Darunter kann man sich schon mehr vorstellen. Oder auch nicht. „Viele Leute denken, wir tragen einen Dutt und Brille und sagen den ganzen Tag ‚Pst!’“, sagt Stefanie Simon schmunzelnd. Mitnichten.

Die 28-Jährige hat ihre Ausbildung in einer öffentlichen Bibliothek in Sachsen-Anhalt gemacht und arbeitet inzwischen in der Benutzung der Zentralbibliothek der Marburger Universität. Dort ist es ihr vorrangiger Job, die Benutzer mit den Büchern zu versorgen, die diese brauchen. Dazu gehört aber mehr, als nur im Lesesaal präsent zu sein oder an der Auskunft zu sitzen. Sie gehört zu den „Generalisten“ unter den „FaMIs“. „Bei Bedarf überall“ ist das Stichwort, das ihr Kollege Thomas Schubert liefert. Der 20-Jährige hat im vergangenen Jahr seine Ausbildung abgeschlossen und ist aus Nordrhein-Westfalen an die Marburger Universitätsbibliothek (UB) gewechselt. Auch er ist in der Benutzung tätig. „Ich wollte unbedingt mit Menschen zu tun haben“, erklärt er seinen Entschluss, diesen Beruf zu ergreifen.

Als „Fachangestellter für Medien- und Informationsdienste“ kann man sich in fünf Fachrichtungen spezialisieren: Information/Dokumentation, Bildagentur, Medizinische Dokumentation, Bildagentur und eben Bibliothek. Die Theorie absolvieren die hessischen Auszubildenden in einer Landesfachklasse der Stauffenberg-Berufsschule in Frankfurt, wo Blockunterricht stattfindet. Der Praxisteil findet im jeweiligen Ausbildungsbetrieb statt. Für die „FaMIs“, die die Fachrichtung Bibliothek belegen und an der Marburger UB ausgebildet werden, gehört zum Beispiel auch ein Pflichtpraktikum in der Stadtbücherei und im Hessischen Staatsarchiv zum Ausbildungsplan, erklärt Monika Lerp, die für die Azubis zuständig ist. Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre und setzt mindestens einen guten Realschulabschluss voraus.

Neben den „Generalisten“ gibt es in der Bibliothek auch „FaMIs“, die in ganz speziellen Bereichen arbeiten. Stephanie Simon, die vor fast fünfzehn Jahren noch die „alte“ Ausbildung zur Bibliotheksassistentin an der UB gemacht hat, hat eine geteilte Stelle und ist halbtags für die Fernleihe der Zentralbibliothek zuständig und halbtags in der Bereichsbibliothek der Psychologie. Während sie dort alle Tätigkeiten übernimmt, die anfallen – vom Kaufen und Katalogisieren von Büchern bis hin zur Arbeit mit den Benutzern, hat die 30-Jährige in der Fernleihe die spezielle Aufgabe, die Bücher, die aus fremden Bibliotheken angeliefert werden, für die Marburger Benutzer abholfertig zu bearbeiten.

Eine ähnliche „Arbeitsteilung“ hat auch Franziska Stief. Mit einer halben Stelle arbeitet sie im Bereich Erwerbung an der Zentralbibliothek, wo sie mit dem Einkauf von Literatur und der Rechnungsbearbeitung zu tun hat und mit einer zweiten in der Bereichsbibliothek der Soziologie. „Dort bin ich in einem Projekt, das den Umzug in den Neubau vorbereitet“, erläutert die 22-Jährige. Für alle gilt indes: Ohne Computer läuft heute nichts mehr. In Bibliotheken mögen Bücher nach wie vor das am häufigsten vorhandene und am meisten genutzte Medium sein. Aber von der Katalogisierung bis hin zur Ausleihe ist die Technik unverzichtbar. Das konkrete Arbeitsumfeld ist dabei jeweils sehr unterschiedlich: Bei einer öffentlichen Bücherei gibt es nicht nur ein völlig anderes Publikum als wiederum in einer wissenschaftlichen oder einer Firmen-Bibliothek. Dass das Feld an Einsatzmöglichkeiten derart weit ist, reizt die „FaMIs“ an ihrem Job. Und Franziska Stief, die ursprünglich einmal Tierpflegerin werden wollte, schwärmt: „Ich wusste vom ersten Tag an, das passt wirklich perfekt für mich“. Dafür nimmt man auch eine Berufsbezeichnung in Kauf, mit der man im Zweifel auf Verwirrung stößt.

von Nadja Schwarzwäller

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