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Der Bootsheiler vom Wehrdaer Weg

Matthias Horn Der Bootsheiler vom Wehrdaer Weg

Schleifen gehört zu seinem Handwerk. Matthias Horn, der einzige Bootsbauer an der Philipps-Universität Marburg, macht im Winter die Boote für den Einsatz auf der Lahn und dem Edersee fit.

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Bootsbauer Matthias Horn schleift am Bug der „Elster“ eine kleine beschädigte Stelle an. Im Hintergrund frisch lackierte Skulls für die Ruderer der Philipps-Universität.

Quelle: Gabriele Neumann

Die „Elster“ liegt ziemlich nackt auf einem Bootstrailer in der Werkstatt. Die Jolle, die im Sommer auf dem Edersee als Schulungsboot im Einsatz ist, wird im Winter in der Werkstatt in Marburg repariert und überholt. Sie ist vergleichsweise gut durch die Saison gekommen. Ein paar kleine Macken am Bug hat sie davongetragen. Die schleift Bootsbaumeister Matthias Horn an und bessert sie mit Polyester-Gelcoat aus. Im Idealfall so, dass die Außenhaut nachher wieder so aussieht wie aus einem Guss.
Schwieriger zu lösen ist da schon ein konstruktionsbedingtes Problem der „Piraten“. Zu diesem Bootstyp gehört die fünf Meter lange „Elster“ wie die anderen Schulungsboote für die Segelkurse des Zentrums für Hochschulsport am Edersee. Das Edelstahl-Schwert, das die „Elster“ beim Fahren stabil aufrecht hält, erweist sich als veritables Hindernis, wenn das Boot doch einmal kentert. Nicht nur der Mast zeigt nämlich dann in die falsche Richtung – nach unten – sondern auch das Schwert sinkt ins Wasser, weil es aus seiner Befestigung rutscht. Wenn die beiden schwersten Teile unter Wasser sind, „lässt sich das Boot kaum noch aufrichten“, erklärt Matthias Horn.
Also muss Stabilität in die lose Sache. Halterung bauen, Gewinde schneiden, einpassen und wieder einbauen. Klingt einfach, doch der Bootsbauer muss erst einmal eine geeignete Lösung für jedes individuelle Problem finden. Probleme gibt es reichlich, denn insgesamt betreut der 47-Jährige rund 100 Boote der Philipps-Universität, davon etwa 20 Segelboote. Da ist immer etwas zu reparieren – so wie die gebrochene Pinne eines anderen „Piraten“. Die äußere Mahagoni-Schicht ist auf einer Seite eingerissen und muss ersetzt werden.
Das Telefon in der Brusttasche seines Blaumanns klingelt denn auch öfters während des Gesprächs. Draußen absolviert derweil ein Vierer mit Steuermann bei mageren zwei Grad Außentemperatur eine Trainingseinheit auf der Lahn. All das kann der Bootsbauer aus dem Fenster seiner kleinen Werkstatt sehen. Nur etwa zwei Meter trennen das Gebäude am Wehrdaer Weg vom Ufer der Lahn.
Bootsbauer in Hessen? Eine Frage, die der gebürtige Oldenburger oft beantworten muss. Viele seiner Zunft gibt es nicht im waldreichen Binnen-Bundesland. Aber die Universität blickt auf eine lange Wassersport-Tradition zurück. Und bei den Nachwuchs-Hochschulmeisterschaften im Rudern belegen die Marburger regelmäßig vordere Plätze. Einen ganz vorderen Platz, den ersten, hat der erste Auszubildende von Matthias Horn jüngst belegt. Der angehende Bootsbauer Sebastian Petereit legte die beste Zwischenprüfung seines Jahrgangs ab – in Travemünde. In Hessen gibt es keine Berufsschule für Bootsbauer. Ausgebildet wird außer in Marburg noch in Wetzlar und Kassel.
Seine eigene Ausbildung absolvierte Matthias Horn am Steinhuder Meer. „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht“, erzählt der passionierte Segler. Was mit der Restauration eines alten hölzernen Jollenkreuzers in der Freizeit anfing, endete mit dem Bau einer 13-Meter-Jacht und einer Lehrstelle. Dass sein Maschinenbaustudium dabei auf der Strecke blieb, bereut Matthias Horn nicht. Seit elf Jahren arbeitet er jetzt an der Uni Marburg. Sein jüngstes Boot baute er 2010, ein Elektromotorboot für den Schulungsbetrieb am Edersee, das er von der Konstruktions-Zeichnung bis zur Lackierung betreute. Das nächste Projekt steht schon an: Die Uni verhandelt über den Kauf eines größeren Jollenkreuzers. Das 6,5 Meter lange und 2,5 Meter breite Boot muss im Sommer in Werkstatt am Edersee überholt werden: Die Marburger Werkstatt ist nur zwei Meter breit.

von Gabriele Neumann

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