Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Berufe an der Uni 200 Kilo Pommes und der schönste Beruf der Welt
UNIversum Berufe an der Uni 200 Kilo Pommes und der schönste Beruf der Welt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:05 11.11.2010
Ein Schneebesen im XXL-Format: Edwin Henkels Arbeistgeräte sind mitunter etwas größer als gewöhnlich. Er kocht ja auch für 2.000 Menschen pro Tag. Quelle: Nadja Schwarzwäller

Edwin Henkel stammt aus einer Metzgerei und Gastwirtschaft, hat schon als Kind Schinken geschleppt und mit 14 Jahren seine Lehre begonnen. Über München, Brüssel und Frankfurt kam er zurück nach Marburg, wo er in der Mensa Lahnberge heute täglich für mehr als 2.000 Essen zuständig ist. 200 Kilo Pommes gehen an einem Tag weg. Die Dimensionen einer Großküche bedeuten ein ganz anderes Arbeiten als in einem Restaurant – von der Logistik über die Abläufe in der Küche bis hin zum Arbeitsgerät: mannshohe Schneebesen oder Schöpfkellen und Kochtöpfe, die auf keine heimische Herdplatte passen würden.

Wer sich für den Beruf interessiert, muss vor allem eins sein: körperlich belastbar. „Rückenprobleme oder eine Lebensmittelallergie kann man sich nicht leisten“, erklärt Edwin Henkel. Auch ein Gespür für Ordnung und Sauberkeit gehört dazu, ein ausgeprägter Geruchs- und Geschmackssinn, sowie ein Gefühl für Farben und Formen. Das Auge isst bekanntlich mit. „Es bringt nichts, wenn ich klasse kochen kann, aber keine Platte ansprechend anrichten“, so Henkel. Eine schnelle Auffassungsgabe wird ebenfalls vorausgesetzt: Man muss schnell reagieren und schnell lernen können. „Ich sage meinen Auszubildenden immer: Ihr müsst mit den Augen klauen“. Jeder habe seine Tricks und Spezialitäten, und man könne immer wieder etwas dazulernen.

Das Interesse am Beruf des Kochs ist in den letzten Jahren durch die viele Kochsendungen stark gestiegen. „Allerdings glauben viele auch, sie fangen mit der Lehre an und werden gleich Fernsehkoch“, sagt Edwin Henkel. So funktioniert es natürlich nicht. Aber wer mit Leidenschaft dabei ist, dem bieten sich viele Perspektiven – und das nicht nur in Deutschland. „Der Verband ist weltweit organisiert und wer im Ausland arbeiten möchte, dem steht die Welt offen, das ist besonders für jüngere Kollegen eine tolle Sache“, erklärt Henkel. Dazu muss man natürlich die jeweilige Sprache sprechen. Kommunikationsfähigkeit ist aber in jedem Fall ein „must“ – sowohl, was die Gäste betrifft, als auch auch im Team mit den Kollegen.

Das sind Anforderungen, die für jeden Koch gelten, egal ob im Restaurant oder in der Mensa. Doch es gibt auch Unterschiede, zum Beispiel bei den Arbeitszeiten: Abgesehen von einzelnen Abendschichten ist der Tag in der Mensa um halb drei gelaufen. Ein großer Vorteil, wie Edwin Henkel nach vielen Jahren in der „normalen" Gastronomie findet. Dort arbeiten Köche immer dann, wenn fast alle anderen Menschen frei haben: abends. „Dafür fangen wir allerdings auch schon um sieben Uhr morgens an, bis elf muss alles fertig sein“, erläutert der Koch. Zwei weitere Berufskollegen arbeiten mit ihm zusammen auf den Lahnbergen, insgesamt sind es 35 Mitarbeiter, die für die Verpflegung der Studenten und der Gäste der Mensa zuständig sind. Drei angehende Köche werden derzeit ausgebildet. Drei Jahre Lehrzeit, und dann starten sie als „Commis des cuisine“ in den Beruf. Von weiter Welt und Fernsehkarriere dürfen sie schon einmal träumen. Aber morgen warten erst einmal 200 Kilo Pommes.

von Nadja Schwarzwäller