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Austausch als Antwort auf Rassismus

Studenten engagieren sich für Flüchtlinge Austausch als Antwort auf Rassismus

Mit der Zahl der ankommenden Flüchtlinge in Marburg und dem Landkreis steigt auch das Engagement vieler Studenten. Ein Projekt, das Flüchtlinge unterstützen will, ist das Projekt „Ideen Botschafter“.

Marburg. Nicht über, sondern mit Flüchtlingen reden – dieses Prinzip hat sich das Projekt „Ideen Botschafter“ auf die Fahne geschrieben. Hinter dem Projekt steckt Jörg Probst, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Politische Theorie und Ideengeschichte lehrt. Der Kunsthistoriker kritisiert, dass Asylbewerber häufig als Masse behandelt und nicht mehr als Individuen gesehen werden. Ziel seines Projektes ist es, ihre Individualität in den Mittelpunkt zu stellen – und ihnen zu helfen.

Bei regelmäßigen Treffen mit Marburger Studenten sollen die geflohenen und in Deutschland Asyl suchenden Akademiker und Studenten die Möglichkeit bekommen, ihre politischen und kulturellen Erfahrungen, Kenntnisse und Ideen einzubringen und sich an den Diskussionen über Migration und Flucht zu beteiligen.

„Der Diskurs ist für mich das Wichtigste. Dafür wurden wir in Syrien bestraft“, sagt Mohammad Gafar, der heute Nachmittag extra aus Stadtallendorf zu dem Treffen der „Ideen Botschafter“ in die philosophische Fakultät gekommen ist. „Mein Anliegen ist, das Bild, das sich viele von den Flüchtlingen gemacht haben, zu verändern“, führt der Philologe fort, während Studentin Inana Othman übersetzt. „Wir bringen nicht nur Hunger und Leiden mit, sondern auch Fertigkeiten und intellektuelles Gut.“

Projekt steckt noch in den Kinderschuhen

Viele Flüchtlinge sind sehr gebildet. Gerade Syrien galt bis zum Ausbruch des Bürgerkriegs als das Bildungs-Vorzeigeland der arabischen Welt. In der Runde sitzen neben Gafar ein Jurist, ein Sport- und ein Kunstwissenschaftler.
„Mir gefällt an dem Projekt, dass Aspekte der Individualität im Vordergrund stehen. Jeder Flüchtling hat seine eigene Geschichte“, sagt Nawar Yaghi, der in seinem Heimatland Syrien Sportcoach war. „Ich bin motiviert mitzumachen, um Kenntnisse und Wissen über uns und unser Land in diese Gesellschaft weiterzuvermitteln. Meiner Meinung nach ist das die beste Antwort auf Rassismus.“ Die Männer in der Runde nicken.

Mittendrin sitzt auch Studentin Anja Kunz. Im Sommer hat die angehende Ethnologin an der griechisch-mazedonischen Grenze geforscht und Aktivisten interviewt, die sich für Flüchtlinge einsetzen. In Marburg zurückgekehrt, wollte auch sie sich weiterhin für Flüchtlinge einsetzen und ist gespannt, was dieses Projekt mit sich bringt.

Noch steckt das Projekt in den Kinderschuhen. „Wir stehen noch ganz am Anfang“, sagt  Projekt-Mitarbeiter und Lehramtsstudent Matthias Naumann.
„Wir müssen erstmal abwarten, wo die teilnehmenden Flüchtlinge, aber auch die Studenten schwerpunktmäßig hin möchten.“

Geplant sei aber, dass Flüchtlingen geholfen werden soll, ihre berufliche Laufbahn vorzubereiten, in ihren Beruf oder ins Studium zurück zu finden und so ihre durch Krieg und Gewalt unterbrochenen Lebensentwürfe fortzuführen.
Angedacht ist auch, im Rahmen studentischer Projekte Erfahrungen von Flucht und Bürgerkrieg in Form von Interviews, Berichten und kleinen Ausstellungen zu dokumentieren.

von Ruth Korte

Die Ideen Botschafter
Die Ideen Botschafter treffen sich jeden Donnerstag um 13 Uhr im K-Gang der PhilFak, Raum 00025. Mehr Informationen zu dem Projekt finden Sie hier.
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