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Atomenergie ist nicht alternativlos

Meinungsänderung Atomenergie ist nicht alternativlos

Irren ist menschlich. Dieses Prinzip gilt auch in der Wissenschaft. In dieser Rubrik berichten Wissenschaftler in den kommenden Wochen, welche Überzeugungen sie im Laufe des Lebens über Bord geworfen haben.

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Johannes Maria Becker ist Geschäftsführer am Zentrum für Konfliktforschung.

Quelle: Privatfoto

Marburg. "Ich war, Jahrgang 1952 und aufgewachsen in einer konservativen Ingenieurs-Familie – mein Vater und einer meiner Brüder waren Ingenieure und technikbegeistert –, lange Jahre der Überzeugung, dass der Auf- und Ausbau der Atomenergie alternativlos und unproblematisch sei.

Auch während der Zeit auf dem humanistischen Gymnasium wurden hier keine Zweifel gesät. Das Ganze wurde obendrein genährt durch eine gewisse Fortschrittsgläubigkeit eines jungen Linken: Wenn Technologie in verantwortlichen Händen liegt, ist sie beherrschbar. Dann kamen Tschernobyl und später Fukushima (und dann Harrisburg und Three Miles Island).
Beharrliche und kluge Köpfe, von Robert Jungk über Klaus Traube bis hin zu meinem Marburger Freund aus langen gemeinsamen Hochschullehrerjahren, Hans Ackermann, rechneten (und lebten) vor, dass eine grundlegende Wende in der Energiepolitik möglich ist.

Aber erst in der furchtbaren Zeit des Bangens um Tschernobyl ist bei mir das Denken ins Wanken geraten, dass das Vertrauen in die Nuklearkraft – übrigens auch in den Köpfen der Masse meiner Mitmenschen –
alternativlos sei. Jetzt ist die Energiewende im vollen Gange! Und sie wird nur von Ignorantinnen und Ignoranten in Frage gestellt.

Und selbst in unserem Nachbarland Frankreich, über das ich arbeite und in dem ich seit 40 Jahren eine Dependance habe, wird immer mehr in diese Richtung gedacht – unübersehbar!
Auf dem Weg in ein von mir sehr geschätztes südgallisches Dorf entstehen immer mehr Windkraftwerke (unter anderem vom Mistral genährt), auf immer mehr Dächern finden sich Solarkraftwerke. Und auch hier geht das Umdenken voran: Die fortwährenden kleineren und größeren Unfälle auch in französischen AKWs, die in den sozialen Netzwerken nicht verschwiegen werden können, ebnen den Weg für alternative Energien."

von Johannes Maria Becker

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