Navigation:
Ticket-Shop Anzeigen- und Abo-Service

Seniorenstudium

Alter schützt vor Neugier nicht

Nach dem Berufsleben als Ingenieur noch einmal etwas ganz anderes machen - das hat sich Karl Heinz Becker vorgenommen. Nun studiert er im achten Semester evangelische Theologie an der Uni Marburg.
Senioren sitzen in einem Hörsaal. Derzeit sind 71 Seniorenstudenten in Marburg eingeschrieben.

Senioren sitzen in einem Hörsaal. Derzeit sind 71 Seniorenstudenten in Marburg eingeschrieben.Foto: Jens Wolf

© Jens Wolf

Marburg. Karl Heinz Becker (63) aus Niederweimar ist Ingenieur der Metallurgie. Mit Beginn seiner Altersteilzeit nahm er ein Studium der Evangelischen Theologie auf und ist nun im achten Semester. In diesem Sommersemster stehen montags Kurse zur Theologie der Moderne und Schleiermachers Glaubenslehre auf Beckers Stundenplan. „Gerade zu diesen komplexen Themen muss man viel lesen.

Aber es macht Spaß, sich im Kreis junger, hochintelligenter Menschen damit auseinanderzusetzen“, sagt Becker. Auch die Lehrenden empfinden die Seniorenstudenten als Bereicherung für ihre Veranstaltungen, erklärt Karin Mosebach. „Das Feedback ist positiv. Die Jungen bringen die Neugier und die älteren Studenten viel Lebenserfahrung mit.“

Becker hatte schon lange vor, später nochmal in die Uni zu ­gehen, seine Frau hat ihm dann einen kleinen Anstoß gegeben. In der Studienfachberatung machte man ihm zunächst keine große Hoffnungen, fehlten ihm doch Griechisch- und Hebräischkenntnisse. Im Gespräch ermutigte Professor Dietrich Korsch ihn dann, doch zu seiner Veranstaltung zu kommen. Und das hat sich gelohnt. „Das Studium hat mich komplett verändert, ich möchte das noch so lange wie möglich machen“, sagt Becker.

Alle Fächer außer Medizin und Pharmazie möglich

In den vergangenen Semestern hat er sich etwa mit dem Islam beschäftigt. „Wenn ich mitdiskutieren will, muss ich auch etwas darüber wissen - Wissen überzeugt.“ Natürlich falle man als Senior in der Uni auf, aber er versteht sich gut mit den jungen Kommilitonen und fühlt sich wohl, sagt der 63-Jährige. Bei ein paar Kleinigkeiten sieht Becker noch Verbesserungsmöglichkeiten.

Selbst mit Hilfe eines EDV-Mitarbeiters gelang es ihm zum Beispiel nicht, sich ins W-Lan der Uni einzuloggen. „Senioren dürfen mit ihrem Account anscheinend nicht ins W-Lan. Da fühle ich mich als Oldie ein wenig diskriminiert“, sagt Becker.

In der Kontaktstelle für das Seniorenstudium berät Karin Mosebach die aktuell 71 eingeschriebenen Seniorenstudenten. „Im Wintersemester sind es meistens sogar mehr Studenten, zwischen 80 und 110“, sagt Mosebach. Bei ihr melden sich die Studenten an und wählen ihre Kurse aus. Außer Medizin und Pharmazie dürfen sie alle Vorlesungen und Proseminare als Gasthörer belegen.

„Man kann bei den einzelnen Jahrgängen Interessensschwerpunkte erkennen. Die 1930er Jahrgänge zum Beispiel interessieren sich sehr für Geschichte.“ Mütter belegen oft Kurse zur Psychologie im Kinder- und Jugendalter, Juristen und Ärzte wählen eher Kunst-, Literatur- und Musikwissenschaften, beobachtet Mosebach. Wieder andere wollen ihren Interessen in den Naturwissenschaften nachgehen und aus ihrem Halbwissen ein „Ganzwissen“ machen. Insgesamt können Seniorenstudenten zwölf Semesterwochenstunden belegen, zur Auswahl der Kurse wird in jedem Semester ein neuer Studienführer aufgelegt.

Für das Seniorenstudium werden pro Semester 100 Euro Semesterbeitrag fällig. Über einen eigenen Account können Seniorenstudenten an den PC-Arbeitsplätzen der Uni und von zuhause aus die Lernplattformen der Uni nutzen. Mit der gelben U-Card können sie in der Uni-Bibliothek Bücher ausleihen und für einen kleinen Aufschlag auch in der Mensa essen. Wer im Alter ein reguläres Studium aufnehmen will, muss den vollen Beitrag zahlen. Im Sommersemester haben sich 59 Studenten über 60 Jahren dazu eingeschrieben.

Sprechzeiten für Seniorenstudium

Wer sich für ein Seniorenstudium interessiert, kann sich während der Sprechzeiten montags bis freitags von 8.30 bis 12 Uhr und montags bis donnerstags von 13.30 bis 15.30 Uhr an Karin Mosebach in Raum 1007a in der Biegenstraße 10 wenden. Studienführer liegen kurz vor dem Start in das neue Semester in der Kontaktstelle, in Buchhandlungen, Sparkassenfilialen und dem Studierendensekretariat aus. Ab Ende September steht der Studienführer bereits online auf www.uni-marburg.de/studium/seniorenstudium zum Download bereit.

Am Freitag, den 14. Oktober findet eine Informationsveranstaltung zum Seniorenstudium statt. Uhrzeit und Veranstaltungsort werden im Studienführer und in dieser Zeitung veröffentlicht.

von Philipp Lauer


Nächster Artikel
Nächster Artikel
Vorheriger Artikel
Voriger Artikel

Anzeige




Jubiläum




Wünsche




Terra-Tech




Lokschuppen-Sanierung

Lokschuppen-Sanierung: Sollten Marburger über die Umsetzung eingereichter Projektangebote abstimmen dürfen?

Sport-Tabellen




Spielerkader




zur Galerie

Fußballfotos vom Wochenende

Sonderveröffentlichungen




Spielplatz-Serie




LWL-Shop




Mit der OP durch das Gartenjahr




Blende 2016




Heimatprämie sichern!




Instagram

Meistgelesene Artikel

Schüler lesen die OP




Kommentare




OP kostenlos lesen




Der Online-Shop der OP




Städtewetter
Ihre Stadt/Ihr Ort
Tagestemperatur
°
Tiefsttemperatur
°
Regenprognose
%
Windstärke
km/h
Pollenflug
Ihre Wettervorschau
zur Galerie

Willkommen im Leben:

Die Transfers im Landkreis




Die OP-Serien

Mmmm, wie das duftet! Das Rezept für diesen saftigen Stollen finden Sie unten im Text. Foto: Hartmut Berge Besser Esser

Christstollen: Ein Gebäck fürs ganze Jahr

Als die OP Mike Schmidt in der Backstube besucht, riecht es nach Rosinen und Mandeln. Der 39-Jährige macht das, was seine Vorfahren schon vor rund 180 Jahren in der Vorweihnachtszeit praktizierten: Er backt Stollen. mehrKostenpflichtiger Inhalt

In 12 Schritten zum perfekten ChriststollenGalerie   



90 regionale Rezepte: Das Besser-Esser-Buch


Das Besser Esser Buch mit 70 regionalen Rezepten.

Die Grill-App der Oberhessischen Presse


Rostkost: Rezepte und Grilltechnik




  • Sie befinden sich hier: Seniorenstudium – Alter schützt vor Neugier nicht – op-marburg.de