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Über Umweg Jura beim Film gelandet
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13:04 16.12.2011
Daniel Sonnabend hat Mut bewiesen, als er sich entschied, das Jurastudium zu schmeißen und kreativ zu arbeiten. Quelle: Privatfoto

Marburg. „Du, Papa. Ich und die Jura-Sache, wir werden keine Freunde.“ Daniel Sonnabend hat lange gebraucht, bis er diesen Satz über die Lippen brachte. Zwei Jahre, um genauer zu sein. Jetzt arbeitet er als Juniorproduzent an der Seite von Mattthias Schweighöfer.

Vor einigen Monaten noch begleitete er die Kino-Tour von Schweighöfers Film „What a Man“ quer durch Deutschland. Sonnabend ist in den vergangenen Monaten über rote Teppiche gelaufen, hat namhafte Größen aus der Film- und Fernsehbranche kennengelernt und trotzdem die Bodenhaftung nicht verloren. Wohl auch, weil sein Leben alles andere als geradlinig verlaufen ist. Es waren eher die Umwege, die Daniel Sonnabend zum Ziel brachten.

Am Anfang stand das  Jurastudium. Für  den 24-Jährigen  gab es keine Diskussion: Überall wollte er studieren, nur nicht in Marburg. Er wollte rauskommen, etwas anderes sehen, neues lernen. Sonnabend bekam die Zulassung für ein Studium in Göttingen, schrieb  gute Noten. Und trotzdem: zufrieden war  er nicht. Es folgten ein Urlaubssemester in Valencia und die Einsicht: „Das ist es nicht.“

Die Jura-Zwischenprüfung legte der 24-Jährige noch ab, dann ließ er Studium Studium sein. „Das war meine kleine Sicherheit“, erklärt Sonnabend. Denn einfach hinschmeißen – das wäre nicht seine Art gewesen. Ein Praktikum beim Theater erweckte das, wozu das Jurastudium nicht in der Lage war: Leidenschaft. Der Applaus, die Anspannung, die Atmosphäre im Theater – all das zog den Marburger in den Bann. „Theater ist eine schöne, weil sehr direkte  Form von Kunst.“

Und dennoch ist der 24-Jährige  beim Film gelandet. Wieso? Das kann er selbst nicht in Worte fassen. Zufall? Glück? Talent? Er weiß es nicht. Er weiß nur noch, dass er während einer Bildungsreise im Winter 2010 vor seinem Laptop in Burkina Faso saß, und in der Hitze Afrikas das weitere Leben im kalten Deutschland plante. Am Theater bleiben? Zu unsicher. „Auf Knopfdruck immer kreativ sein liegt mir nicht.“

Durch Zufall stieß er auf  eine Stellenanzeige. Die Produktionsfirma von Matthias Schweighöfer, Pantaleon Films GmbH, war auf der Suche nach Praktikanten.  Ein Anruf, ein Gespräch, Koffer gepackt und ab nach München.  „Da war noch nicht mal der Boden verlegt“, erinnert sich Sonnabend. Das Film-Unternehmen – es steckte in den Kinderschuhen. Auch Sonnabend wagte mit Pantaleon die ersten Schritte in der Filmbranche. Nach einem anstrengenden Acht-Stunden-Arbeitstag legte der 24-Jährige immer wieder Nachtschichten ein. Grund für Schlafmangel und kreative Schaffungskrisen waren die ausstehenden Bewerbungen für die Filmhochschulen in Berlin und München – schließlich wollte Sonnabend weiter studieren.

Die Studienzusage kam – geblieben ist er im Schweighöfer-Unternehmen. Einfach, weil er hier das tun kann, wovon er nicht zu träumen gewagt hat: Die Kinofilme von morgen mitbestimmen. Er liest Drehbücher, schreibt Bewertungen. Einer dieser Filme von „morgen“ kommt, wie soll es anders sein, aus dem Schweighöfer-Unternehmen. Sonnabend bereitet derzeit in Berlin gemeinsam mit einem kleinen Team den Dreh für den Film „Schlussmacher“ vor. Im kommenden Jahr sollen erste Szenen gedreht werden – auch in Hessen.

Vielleicht wird der 24-Jährige dann seiner Heimatstadt wieder einen Besuch abstatten. Das letzte Mal liegt  nämlich schon ein paar Monate zurück. Gemeinsam mit  Matthias Schweighöfer war er im Rahmen der Kino-Tour zu „What a Man“ in Marburg. Und während Schweighöfer nach der Autogrammstunde ins Hotel ging, zog Daniel Sonnabend noch einmal los, schlief auf dem Matratzenlager bei Freunden. „Marburg ist für mich einfach das Gefühl von Unbeschwertheit.“

von Marie Lisa Schulz