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Besser Esser Im Namen des guten Geschmacks
Im Namen des guten Geschmacks
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20:39 23.02.2017
Quelle: Tobias Hirsch
Marburg

Ungemütlich. Irgendwie grau. Das Wetter war in jedem Fall schon mal besser für einen Marktbesuch. Es ist Mittwochvormittag und der feine Regen tropft beharrlich in die zahlreichen Pfützen an der Frankfurter Straße. Wie zum Trotz gegen die nasskalten äußeren Bedingungen herrscht in den meisten Verkaufsständen beste Stimmung. Das liege auch an den Kunden, sagt Margarete Tittmann: „Die sind fast immer witzig.“ Einer habe mal nach dem Wildschweinfleisch gefragt, dass sie ja sonst immer anbieten würden.

Mit einiger Aufklärungsarbeit habe man dem Kunden aber klarmachen können, dass es sich beim Spezialitätenangebot von Betreiberin Gerlinde Christine Mohr um einen rein vegetarischen Stand handelt. Vor allem die selbstgemachten Cremes (siehe unten) aus Anzefahr seien auf dem Markt ein „Renner“, berichtet Tittmann. Die netten und kuriosen Geschichten gibt es dann zum Verkaufsgeschäft als Zugabe. Von solchen Geschichten weiß auch Hans May, der ein paar Meter weiter an seiner mobilen Metzgertheke Wurst- und Fleischspezialitäten verkauft, zu berichten.Silberhochzeit feiert der Schrecksbacher in diesem Jahr. Beruflich wohlgemerkt. Seit 25 Jahren kommt er nun schon auf den Markt. „Werbung habe ich nie gebraucht“, sagt May. Mundpropaganda reiche völlig aus, um seine Waren bekannt zu machen. Und auch das Sortiment habe sich im letzten Vierteljahrhundert kaum geändert – einfach, weil die Kunden es so zu schätzen wüssten.

Ob er Angst hat vor der nahenden Fastenzeit, in der ja bekannterweise viele Menschen die Metzgertheke meiden? „Nein gar nicht. Gute Wurst und gutes Fleisch sind immer gefragt“, sagt May und kümmert sich wieder um die Wartenden vor seiner Theke.

„Renaissance der Roten Bete“ und „richtig frischer Fisch“

Etwas weiter in Richtung Rudolphsplatz herrscht plötzlich reger Betrieb am Gemüsestand von Carmen Gaus-Staubitz: „Heute scheint Tag der Austauschstudenten zu sein“, sagt sie. Zahlreiche Zettel, auf denen verschiedene Obst- und Gemüsesorten abgebildet sind, werden über die Theke gehalten: Birnen, Äpfel, Gurken und vieles mehr. Die japanischen Studenten bemühen sich sehr, die deutschen Wörter korrekt auszusprechen. Gaus-Staubitz beobachtet die Szenerie mit einem Lächeln.

Dass an diesem Mittwoch sowieso mehr los sein würde als sonst, war ihr schon im vorhinein klar, denn heute hat sich ein Kollege, der ebenfalls einen Gemüsestand betreibt, urlaubsbedingt abgemeldet. Für Gaus-Staubitz gehört das zum „guten Ton“: „Wir sagen uns da schon gegenseitig Bescheid.“ So könne sich der jeweilige Händler darauf einstellen, die übrige Kundschaft mit zu versorgen und eventuell mehr Ware einzupacken. Die Stimmung untereinander sei überwiegend freundschaftlich, sagt Gaus-Staubitz, die selbst seit 17 Jahren zur „Frankfurter-Straßen-Marktgemeinde“ gehört.

Über die Jahre habe es immer wieder verschiedene Trends am Gemüsestand gegeben, sagt Gaus-Staubitz. So zum Beispiel die „Renaissance der Roten Bete“. Und Steckrüben seien auch wieder „in“. In früheren Zeiten als „Arme-Leute-Essen“ verschrien, sei die Nachfrage nun wieder groß. Aber eigentlich stehe das menschliche Miteinander im Vordergrund: „Gerade mittwochs sind hier viele Kunden, die einfach froh sind, wenn sie eine Unterhaltung führen können. Schließlich kennen wir die meisten ja schon ziemlich lange“, sagt Gaus-Staubitz.

Und dann gibt es noch jeden Tag frischen Fisch. „Richtig frischen Fisch“, wie Wolfgang Beyse betont. Der Marburger sagt, dass bei ihm zu 90 Prozent Stammkunden einkaufen. Eine äußerst verlässliche Gruppe. Was besonders gut läuft? „Alles mit Matjes. Wobei der Aal-Rauch-Matjes nochmal heraussticht. Der ist sogar prämiert“, erklärt Beyse, der seinen Lieferanten aber lieber nicht nennen will. Die kleinen Geheimnisse – auf dem Wochenmarkt gehören sie einfach dazu.
Schräg gegenüber des Fischverkaufs riecht es nach frischem Brot und Käse. Es ist der Stand des Biolandhofs Duske aus Rauischholzhausen. Hinter der Theke arbeiten Pierrot Knieriehmen und Annegret Scholler-Hilgenberg. „Bei uns ist das Besondere, dass aus dem eigenen Getreide das eigene Brot hergestellt wird“, sagt Knieriehmen, während er auf das Gramm genau den Käse in der angeforderten Menge mit dem Messer vom Laib trennt. Große Nachfrage gäbe es nach dem hellen Landbrot. „Genial“, findet Scholler-Hilgenberg die Lage ihres Standes. „Hier hat man einen guten Überblick und auch für die Kunden ist es super. Die können auch mit dem Auto vorbei kommen.“

Sie kennen die Rubrik „Marktbericht“, die in der OP an jedem Mittwoch in der Randspalte veröffentlicht wird? In Zukunft werden die Preise für die jeweiligen Obst- und Gemüsesorten vom Biohof Gaus-Staubitz zur Verfügung gestellt.

von Dennis Siepmann

Das Geheimnis um den „Spundello“

Ein Tipp aus „Omas Zeiten“, eine kaputte Wäscheschleuder und Tränen vor Lachen in den Augen:  Der Spezialitäten-Stand von Gerlinde Christine Mohr ist bekannt für seine Cremes. Einfach aufs Brot oder als Tomatensoße-Ersatz auf die Pizza. Eine herzhaft-südländische Alternative für die Kunden – für Mohr viel Arbeit. Denn jede neue Komposition bedarf einiger Versuche. „Ich forsche da sehr lange. Da ich keine Verdickungsmittel verwende, muss ich die Flüssigkeit, die sich immer in solchen Cremes bildet, irgendwie anders herausbekommen“, sagt die Unternehmerin.
Ein Aufstrich, der sich besonders gut verkauft, ist der „Spundello“. Nicht nur der Name der Creme zeugt von Kreativität, sondern auch die Entstehung derselben.
Für das Stadtfest in Hanau bereitete Mohr zum ersten Mal Spundekäs zu. In Verbindung mit Brezeln verkaufte sich die rheinhessische Spezialität sehr gut. Ein Argument, den Käse in anderer Form in ihr Sortiment aufzunehmen. Also frisch ans Werk. Als erstes änderte Mohr den Namen. Schließlich steht an ihrem Wagen in großen Lettern „Südländische Spezialitäten“. „Spundello passt da doch viel besser“, sagt sie. Schwieriger gestaltete sich die Zubereitung einer eigenen Creme. „Das Ergebnis war zu Beginn sehr flüssig“, erinnert sich Mohr. Von einer Freundin erhält sie den Tipp, es mit einer elektrischen Trockenschleuder zu probieren. Die Oma der Bekannten habe so immer ihre selbstgemachten Klöße in eine feste Form bekommen. Mohr erwarb also eine Schleuder für 150 Euro und kleidete diese aus hygienischen Gründen mit Leinentüchern aus.
Beim Starten habe die Schleuder aber sofort eine Unwucht bekommen. Also konsultierte Mohr erneut ihre Freundin. „Wie hat deine Oma das bloß hinbekommen mit den Klößen?“, lautete die Frage. Na, die habe sich immer auf die Maschine gesetzt, war die Antwort. Also gut. „Zuerst lief das auch richtig gut“, sagt Mohr. Doch plötzlich habe es einen lauten Schlag gegeben. „Die Schleuder ist dann hochgesprungen, der Stecker flog aus der Steckdose und der Deckel quer durch den Raum“, sagt Mohr und muss lachen. Nachdem sich der Qualm verzogen hatte, war klar, dass dies nicht der Weg sein könnte. Heute bereitet Mohr die „Quark-Frischkäse-Zwiebel-Paprika-Mischung“ mit Hilfe einer Obstpresse zu. Was nun aber ganz genau im „Spundello“ enthalten ist, bleibt weiter ein Geheimnis. 

Das Rezept: Postelein-Salat

von Carmen Gaus-Staubitz
Zutaten:

  • 150 Gramm Postelein
  • Ein Apfel
  • Zwei Esslöffel Zitronensaft oder Balsamico-Essig
  • Ein Esslöffel Apfelsaft
  • Zwei bis vier Esslöffel Sonnenblumen- oder Nussöl
  • Zwei Esslöffel Sesam oder grob gehackte Nüsse
  • etwas Pfeffer

Zubereitung:

Zitronen- und Apfelsaft mischen und den fein gewürfelten Apfel damit etwa 15 Minuten marinieren. Mit Öl und Pfeffer vermischen. Den Postelein vorsichtig waschen,verlesen und gut abtropfen lassen. Die Stiele werden mitverwendet. Mit der Marinade vermengen und mit dem gerösteten Sesam oder den Nüssen bestreuen.

Hintergrund:

Postelein ist regional auch als Portulak bekannt. Er enthält viel Vitamin C, B-Vitamine und Provitamin A. Postelein war sogar schon im alten Ägypten als Gemüse- und Heilpflanze bekannt. Die Pflanze ist ein einjähriges, etwa 7 bis 20 Zentimeter hohes Kraut. Es wird auch Tellerkraut, Kuba-Spinat und in den USA Bergmann-Spinat genannt. Die Heimat ist der Westen Nordamerikas. Dort wächst die Pflanze im feuchten Halbschatten.
Postelein ist winterhart.   Postelein wird häufig wie Feldsalat zubereitet. Der Salat wird gewaschen, eventuell die Stiele etwas abgeschnitten und mit einer Salatsauce angemacht. Wenn Postelein, mit einem feuchten Tuch abgedeckt, an einem kühlen Ort steht, hält es sich drei bis sechs Tage.