Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Besser Esser Einfach würzig
Einfach würzig
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:00 25.05.2017
Kim (links) und Veronika Blecker. Quelle: Katharina Kaufmann-Hirsch
Schröck

Bei Veronika und Kim Blecker ist noch alles Handarbeit. Die beiden jungen Frauen haben sich Anfang des Jahres mit einem Onlinehandel selbstständig gemacht. Nun heißt es fast täglich abwiegen, abfüllen, mischen und etikettieren. In einem kleinen Raum der Schröcker Wohnung des Ehepaares steht alles, was dafür notwendig ist: Große Pakete mit Rohstoffen, eine Waage und etliche kleine Glasbehälter. Zusammengemischt werden dort Gewürze. „Wir wollen mit unseren Mischungen für Geschmacks­explosionen sorgen, die präsent sind, aber nicht den Geschmack der Speisen übertönen“, ist das erklärte Ziel der beiden Jungunternehmerinnen. Liebevoll mischen sie deshalb Salz, Pfeffer und Kräuter zusammen, probieren aus wie es schmeckt und verfeinern das Ergebnis. Mischung für Mischung, Tag für Tag.

Der Renner im Shop: Einhornstaub

Die Einhörner sind los. Einfach alle Produkte, die rosa glitzern und mit dem Fabelwesen bedruckt sind, werden zum sofortigen Verkaufsschlager – egal ob Duschgel, Müsli, Schokolade oder Toilettenpapier. Diesen Trend der „Einhornisierung“ haben sich auch die beiden Gründerinnen von „Der kleine Gourmet“ zu eigen gemacht und ein pinkfarbenes Salz hergestellt. Der „Einhornstaub“ besteht aus Meersalz und Rote ­Bete-Pulver und eignet sich hervorragend zum Würzen von Butterbroten, dem Frühstücksei, Steaks, Saucen, Dips und Gemüse wie Spargel. „Einfach drüberstreuen, genießen und glücklich sein“, empfehlen Veronika und Kim Blecker.

Kochen ist mehr als nur Mittel zum Zweck

Die Geschichte des Online-Shops beginnt im Jahr 2013. Damals lernten sich die beiden jungen Frauen kennen. Für die eine – Kim – ist Kochen Mittel zum Zweck, für die andere – Veronika – ist Kochen eine Leidenschaft. Nicht nur auf das selbst zubereitete Essen legt sie Wert, auch die Herkunft und Qualität der Produkte spielen für die heute 27-Jährige eine wichtige Rolle. „Ich habe dann öfter für Kim gekocht, die alles, was ich ihr servierte als Gourmet-Schmaus empfand“, erinnert sich Veronika Blecker. Schnell habe sie den Spitznamen „kleiner Gourmet“ bekommen. Daraus und aus der Tatsache, dass Kim verschiedene Allergien entwickelte, entstand schließlich die Idee, eigene Gewürzmischungen herzustellen und zu verkaufen. „Wir haben uns dann kiloweise hochwertige Gewürze bestellt, zusammengemischt und ausprobiert“, berichtet Kim Blecker. „Der kleine Gourmet“ war geboren.

Seit April verkaufen die Veranstaltungskauffrau und die Wirtschaftsrecht-Studentin die Gewürzmischungen über ihre Internetseite. „Momentan läuft der Shop so nebenher“, erklärt Geschäftsführerin Kim Blecker. „Langfristig wollen wir aber wachsen. Unser Traum ist es, komplett selbstständig zu sein“, ergänzt Veronika, die für das Marketing und die Produktentwicklung in dem jungen Unternehmen zuständig ist.

Neben den fertigen Gewürzmischungen bieten die beiden Frauen auf ihrer Internetpräsenz auch einen Blog mit Rezepten an. „Wir wollen unsere Kunden nicht einfach mit den Mischungen allein lassen, sondern ihnen helfen, sich gesund und bewusst zu ernähren“, erläutern sie.

Und so erklärt Veronika Blecker im Blog unter anderem, wie Grillhähnchen lecker und einfach zubereitet werden können (siehe Rezeptbox). Die gebürtige Freiburgerin setzt dabei auf hochwertige, saisonale Zutaten aus der Region. Das Grillhähnchen wäscht sie zuerst ab, tupft es dann trocken und reibt es mit einer ihrer Gewürzmischungen ein. „Das muss dann, damit es einen kräftigen Geschmack entwickelt, erst mal zwei bis drei Stunden ziehen, am besten ist sogar über Nacht“, erläutert die Hobbyköchin. Mit indirekter Hitze wird das Hähnchen anschließend knapp 90 Minuten gegart. „Jetzt im Sommer bietet sich dafür der Grill an, sofern er einen Deckel hat. Es funktioniert aber auch im Backofen“, betont Blecker. Während das Hähnchen über der Kohle brutzelt, hat sie ruckzuck eine Kräuterbutter zubereitet, indem sie ein Stück Butter mit einer weiteren ihrer eigenen Gewürzmischungen verrührt.

Keine Aromen und andere Zusatzstoffe

„Unsere Gewürze klumpen vielleicht ein bisschen und man muss sie kräftig schütteln, dafür kommen sie komplett ohne ­Chemie aus“, betont die 23-jährige Kim Blecker. Weder Zusatzstoffe noch Geschmacksverstärker oder Rieselhilfen werden bei „Der kleine Gourmet“ verwendet. „Wir wollen die Ausrede ,es geht schneller, mit Tüten zu kochen‘ nicht mehr hören. Das stimmt nicht – und mit unseren Mischungen erst recht nicht“, sagt Veronika Blecker.
34 Mischungen sind derzeit erhältlich. Eingeteilt in drei Kategorien kann man wählen zwischen „mediterran“, „asiatisch“ und „wie bei Oma“. Weitere Mischungen sind in Planung. „Es wird auf jeden Fall noch etwas Süßes geben“, verrät Veronika Blecker. Aber das muss erst noch fertig getestet werden – ist ja schließlich alles Handarbeit . . .

von Katharina Kaufmann-Hirsch

Das Rezept: Grillhähnchen mit Pitabrot und hausgemachter Kräuterbutter

von Veronika Blecker
Grillhähnchen

  • 1 großes Grillhähnchen (ca. 1,5 Kilogramm)
  • 3 Esslöffel Honey Bee Rub – Der kleine Gourmet
  • 100 Milliliter Bier (alternativ Orangensaft)
  • Hähnchengrillständer oder Bier-/Coladose
  • 1 Esslöffel Olivenöl       

Griechisches Pitabrot

  • 400 Gramm Mehl
  • ½ Würfel frische Hefe
  • 2 Teelöffel Salz
  • 1 Tasse Wasser lauwarm
  • ½ Tasse lauwarme Milch

Hausgemachte Kräuterbutter

  • ein Einmachglas      
  • 4 bis 5 Esslöffel Dip it! – Der kleine Gourmet

Für die Kräuterbutter, die weiche Butter mit dem Kräuterbutter-Gewürz verrühren. Das geht am besten mit der Küchenmaschine oder einem Schneebesen. Danach die Butter in ein Glas füllen und bis zum Servieren kalt stellen. Man kann die Butter auch in einen Spritzbeutel füllen und kleine Röschen auf etwas Backpapier spritzen. Nach dem Erkalten können diese in einer verschlossenen Dose für einige Tage im Kühlschrank aufbewahrt werden.
Für das griechische Pitabrot zunächst Wasser und Milch mischen. Ein Drittel davon in ein anderes Gefäß umfüllen und zur Seite stellen. Zucker und Hefe zur Milch-Wasser-Mischung geben und verrühren. Mehl in eine Schüssel geben und eine Mulde in der Mitte hineindrücken. Hefeflüssigkeit nach und nach in die Mulde geben und zu einem Vorteig verrühren. An einem warmen Ort etwa 30 Minuten abgedeckt gehen lassen. Restliches Milchwasser mit Salz mischen und langsam in den Vorteig einarbeiten. Den Teig rund zehn Minuten kneten bis er geschmeidig und glatt ist. Bei Bedarf etwas Mehl oder lauwarmes Wasser hinzugeben. Olivenöl einarbeiten. Der Teig kann jetzt nochmal 30 Minuten gehen oder  aber auch sofort weiterverarbeitet werden. Und zwar so: Den Teig in kleine Stücke schneiden und zu Kugeln formen. Die Kugeln zu Fladen ausrollen und mit Olivenöl bestreichen, dann mit etwas Venezia-Gewürz bestreuen. Die Fladen brauchen bei mittlere Hitze auf dem Grill gut ein bis zwei Minuten von jeder Seite, bis sie goldbraun sind.
Für das Grillhähnchen das Huhn von außen und innen waschen und trocken tupfen. Dann zuerst mit Olivenöl und danach mit dem „Honey Bee Rub“ einreiben. Wer es lieber etwas würziger mag kann an dieser Stelle den „BBQ ChickenRub“ verwenden. Das Hähnchen in Frischhaltefolie einwickeln und zwei bis drei Stunden oder über Nacht im Kühlschrank marinieren. Den Grill vorbereiten – das Huhn wird mit indirekter Hitze zubereitet. Daher empfiehlt es sich, die Glut nur auf einer Seite des Grills vorzubereiten und auf der anderen später das Huhn zu platzieren. Beim Gasgrill wird einfach nur eine Seite eingeschaltet. Den Grillständer mit Bier und der angedrückten Knoblauchzehe befüllen und das Huhn daraufsetzen. Wenn der Grill die richtige Temperatur hat (etwa 170 bis 200 Grad), das Huhn auf den Rost setzen und den Deckel schließen. Die Garzeit liegt zwischen 75 und 90 Minuten, je nach Grill und Gewicht des Huhns. Das fertige Huhn zerteilen und mit Pitabrot und Kräuterbutter servieren.

Die Fakten

Zusatzstoffe
Als Zusatzstoffe werden vom deutschen Lebensmittelrecht Stoffe definiert, die Lebensmitteln aus technologischen Gründen zugesetzt werden, etwa um Struktur, Geschmack, Farbe, chemische und mikrobiologische Haltbarkeit sicherzustellen. Für echte Lebensmittel und bei traditioneller Verarbeitung sind Zusatzstoffe unnötig. Gekennzeichnet sind Zusatzstoffe auf den Verpackungen durch den Buchstaben E und einer Kennziffer.

Aromastoffe, Enzyme und technische Hilfsstoffe gelten laut Recht nicht als Zusatzstoffe, sind aber dennoch meist chemische Nahrungszusätze.
Geschmacksverstärker
Der wichtigste Zusatzstoff der Nahrungsmittelindustrie ist Glutamat. Dieser sogenannte Geschmacksverstärker beeinflusst die Abläufe in bestimmten Gehirnregionen, die für die Regulierung des Appetits sorgen sowie die Nahrungsaufnahme und die Sättigung steuern. Zahlreiche Studien ergaben, dass Glutamat dick macht, Allergien auslösen und zahlreiche Krankheiten negativ beeinflussen kann. Der weltweite Absatz hat sich von 1976 bis 2009 laut des Ernährungsexperten Hans-Ulrich Grimm mehr als versechsfacht auf zwei Millionen Tonnen pro Jahr.

In vielen Nahrungsmitteln ist Glutamat von Natur aus enthalten. Dazu zählen Tomaten, Eier, Rindfleisch und sogar Muttermilch. Offiziell ist es als Lebensmittelzusatz zugelassen und gilt als unbedenklich, dennoch kann der Stoff eine Fülle von Beschwerden auslösen. Glutamat wird auf dem Etikett auch als ­Würze, Geschmacksverstärker, Carrageen, Malto­dextrin, Weizenprotein oder Hefe­extrakt gelistet.
Rieselhilfen
Als Rieselhilfen – auch Rieselhilfsmittel, Rieselfähigkeitsförderer oder Antiagglomerationsmittel genannt – werden Trennmittel bezeichnet, die kristallinen Substanzen zugesetzt werden, um das Zusammenklumpen der Einzelkristalle zu verhindern. Durch ihren Einsatz soll etwa verhindert werden, dass Koch- oder Meersalz vor oder während der Verarbeitung verklumpt und schlechter dosierbar wird. Enthält ein Salz etwa keine Rieselhilfe, kann es Feuchtigkeit aufnehmen. Ein einfaches Hausmittel dagegen ist übrigens, im Salzstreuer Reiskörner zu verwenden.