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Fußball-Regeländerungen

Grätsche in Socken ist jetzt erlaubt

Zur Europameisterschaft in Frankreich hat sich der Fußball verändert - zumindest ein Stück weit. 95 Regeländerungen sind zu dem Turnier in Kraft getreten. Und die greifen nun auch in den hessischen Amateurligen.
Nach neuen Regeln dürfte er auch in Socken eingreifen: Stadtallendorfs Admir Pllana (unten) verliert in einem Hessenliga-Spiel gegen Rot-Weiß Hadamar seinen Schuh, während Mitspieler Muhamet Arifi (rechts) gegen Baris Özdemir um den Ball kämpft.

Nach neuen Regeln dürfte er auch in Socken eingreifen: Stadtallendorfs Admir Pllana (unten) verliert in einem Hessenliga-Spiel gegen Rot-Weiß Hadamar seinen Schuh, während Mitspieler Muhamet Arifi (rechts) gegen Baris Özdemir um den Ball kämpft.

© Miriam Prüßner

Marburg. Es ist eine kleine Revolution. Nie zuvor hat es auf einen Schlag so viele Veränderungen der Fußball-Spielregeln gegeben. Allerdings sind viele Neuerungen für das eigentliche Spiel völlig unbedeutend. Beispiel: Der Abschnitt „Wie ein Tor erzielt wird“ im Regelwerk heißt nun „Bestimmung des Spielausgangs“. Andere Regeln bleiben gleich, sind nur klarer formuliert. Etwa: Dass die Hände und Arme aller Spieler, einschließlich der Torhüter, bei der Beurteilung einer Abseitsstellung nicht berücksichtigt werden, steht nun explizit so im Regelwerk. Vorher hieß es, dass Kopf, Rumpf und Füße ausschlaggebend sind - was aber genau dieselbe Bedeutung hatte.

Andere Änderungen, die das International Football Association Board (siehe „Hintergrund“ unten) im März beschlossen hat, haben hingegen durchaus Einfluss auf das Spiel. Die offensichtlichste bei der EM: Der Anstoß muss nicht mehr nach vorne ausgeführt werden, der Ball darf auch direkt nach hinten gespielt werden - in Frankreich haben das direkt alle Teams so praktiziert. Marcus Rolbetzki, Lehrwart der Schiedsrichtervereinigung Marburg, erwartet, dass es die Amateurmannschaften in der neuen Saison genauso machen werden.

In Pflichtsitzungen sind die Referees in den vergangenen Wochen im Umgang mit den wesentlichen neuen Regeln geschult worden. Damit ist es nicht gut, erklärt Rolbetzki: „Die Veränderungen und wie die neuen Regeln ausgelegt werden, wird uns auch künftig immer wieder beschäftigen.“ Manche Neuerung mache es für die Unparteiischen „durchaus kniffliger“.

Wichtige Regeländerungen

Anstoß nicht mehr zwingend nach vorne: Wie bei der EM beobachtet: Ein zweiter Mann im Mittelkreis, der den bisher obligatorischen 30-Zentimeter-Pass nach vorne annimmt, ist nicht mehr nötig. Das fällt auf, verändert das Spiel ansonsten aber kaum.

„Dreifachbestrafung“ als Auslegungssache: Foult ein Spieler seinen Gegner als letzter Mann im Strafraum, gibt es weiterhin Strafstoß, aber nicht mehr zwingend eine Rote Karte und eine damit verbundene Sperre. Voraussetzung dafür: Der Angriff des verteidigenden Spielers muss nach Ansicht des Schiedsrichters dem Ball gegolten haben. „Für uns macht es die Sache etwas schwieriger“, sagt Rolbetzki. „Es ist keine ­klare Schwarz-Weiß-Angelegenheit mehr. Wir müssen beurteilen, ob der verteidigende Spieler den Ball spielen wollte und die Chance dazu hatte.“ Ganz klar ist damit allerdings: Wer als letzter Mann seinen Gegenspieler im „Sechzehner“ beispielsweise umreißt, muss auch weiterhin damit rechnen, vom Platz zu fliegen.

Rote Karte vor dem Spiel möglich: Apropos vom Platz fliegen: Ab sofort ist es möglich, dass ein Spieler das Spielfeld erst gar nicht betreten darf oder schon vor Anpfiff verlassen muss. Bislang konnten Referees Spielern während und nach einem Spiel Karten zeigen, künftig ist das schon vorher - beginnend mit der Platzabnahme - möglich, etwa bei einer Tätlichkeit oder Beleidigung im Sportheim. Die betroffene Mannschaft muss dann ohne den Rotsünder auskommen, darf aber das Spiel dennoch mit elf Akteuren beginnen.

Keine Wiederholung nach unzulässigem Täuschen: Ein Strafstoß muss in einer Bewegung ausgeführt werden. Verzögern beim Anlauf bleibt zwar erlaubt, sobald das Standbein zum Schuss steht kostet Verzögern oder Täuschen jedoch nicht nur die Torchance, sondern führt auch zu einer Gelben Karte gegen den Schützen und - das ist neu - zu einem indirekten Freistoß fürs gegnerische Team. Bislang wurde der Elfmeter wiederholt, sofern er verwandelt wurde.

Eingriffe von außen werden härter bestraft: Rannte ein Ersatzspieler oder beispielsweise ein Betreuer auf den Platz, um etwa einen aufs eigene Tor zurollenden Ball wegzuschlagen, gab es bislang lediglich indirekten Freistoß für den Gegner beziehungsweise Schiedsrichterball - trotz der Unsportlichkeit. Jetzt ist klar geregelt, dass es in solchen Situationen direkten Freistoß für die andere Mannschaft gibt, im Strafraum entsprechend Elfmeter.

Keine Pause nach kurzer Behandlung: Wer sich als Feldspieler auf dem Platz behandeln lässt, muss er in der Regel anschließend vom Feld und auf die Erlaubnis des Schiedsrichters warten, bis er zurückkehren darf. Nun gibt es eine Ausnahme: Wird ein Spieler gefoult, sieht der Gegner dafür eine Karte und dauert die Behandlung weniger als 25 Sekunden, muss der Spieler nicht mehr raus, sondern darf direkt weitermachen. Also: schnell Eisspray draufsprühen lassen und weiterspielen!

Ohne Schuh geht‘s zunächst weiter: Wer seinen Schuh verliert, darf erst einmal so weiterspielen. Was zunächst kurios anmutet, ist durchaus nicht unbedeutend. Denn bislang durfte etwa ein Verteidiger, der nach einem Zweikampf mit einem Angreifer ohne einen Schuh dastand, nicht mehr ins Geschehen eingreifen - oder er riskierte einen indirekten Freistoß für den Gegner und gegebenenfalls eine Verwarnung. Jetzt darf er auch in Socken klären. Schlechte Nachricht jedoch für alle, die ganz unten am liebsten „ohne“ sind: Spätestens bei der nächsten Spielunterbrechung muss die Ausrüstung vervollständigt, der Schuh also­ wieder angezogen werden. Dasselbe gilt, wenn sich ein Schienbeinschützer selbstständig macht.

Erlaubte Trinkpausen: Bei hochsommerlichen Temperaturen hatten die Unparteiischen auch bisher meist ein Einsehen, unterbrachen das Spiel für Trinkpausen, beispielsweise zur Mitte der beiden Halbzeiten. Regeltechnisch bewegten sie sich damit allerdings bislang in einer Grauzone, denn solche Pausen waren nicht vorgesehen. Das ist jetzt anders. Verlorengegangene Spielzeit - auch das ist logisch, nun aber ebenfalls festgeschrieben - wird nachgespielt.

Kuriose Regeländerungen

Boxershorts nur in Hosenfarbe: Ein langes Shirt oder eine lange Hose unter kurzem Trikot beziehungsweise der Short - das ist bekannt - muss die Farbe der jeweiligen Spielkleidung haben. Neu im Regelwerk: Auch die Farbe der Unterhose ist vorgeschrieben, sie muss der der Spielhose entsprechen. Doch wie ist das umzusetzen? Müssen sich nun alle Amateurspieler, deren Team in gelben Hosen aufläuft, entsprechende Boxershorts zulegen? „Theoretisch ist das so“, erklärt Rolbetzki. Aber er beruhigt: „Wenn die Unterwäsche nicht sichtbar ist, werden wir da sicherlich nicht genauer nachsehen, als es unbedingt nötig ist.“

Kein Eigentor aus einem Eckball: Schon bisher galt der Gedanke, dass aus einem gegebenen Vorteil kein direkter Nachteil entstehen darf. Konkret konnte auch bislang etwa mit einem Abstoß oder einem Freistoß kein direktes Eigentor erzielt werden. Konsequenterweise wird diese Regelung beim Eckball künftig auch angewandt. Bedeutet: Fliegt der Ball nach einem Eckstoß quer über den kompletten Platz direkt ins eigene Gehäuse, ist das kein Tor für den Gegner. Stattdessen gibt es wiederum Ecke für die andere Mannschaft. Die könnte sich dann theoretisch direkt am gleichen Kunststück versuchen ...

von Stefan Weisbrod

Hintergrund
Das International Football Association Board (Ifab) kommt einmal im Jahr zusammen, um über mögliche Regeländerungen zu beraten und diese gegebenenfalls zu beschließen. Es wurde 1882 – 22 Jahre vor dem Weltfußballverband Fifa – von den vier „Ur-Fußballverbänden“ England, Schottland, Irland und Wales gegründet. Noch heute gehören sie – mit Nordirland statt Irland – dem Gremium fest an, hinzu kommen vier wechselnde Fifa-Mitglieder. Für die Änderung einer Regel sind sechs Stimmen nötig.

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