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Sport-Welt US-Team entschuldigt sich für Panne bei Hymne
Sport Sport-Welt US-Team entschuldigt sich für Panne bei Hymne
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21:57 12.02.2017
„Fassungslos“: Die Teams bei den Nationalhymnen. Quelle: DAZN
Lahaina

Julia Görges schossen die Tränen in die Augen, Andrea Petkovic setzte zu einer emotionalen Wutrede an, und Bundestrainerin Barbara Rittner sprach von einem „Skandal“. Noch Stunden nach dem peinlichen Nationalhymnen-Zwischenfall beim Fed-Cup-Gastspiel auf Hawaii gegen die USA debattierten die deutschen Tennis-Frauen über den „traurigen und schockierenden Moment“, wie es Teamchefin Rittner formulierte.

„Das ist mit Abstand das Schlimmste, was mir jemals passiert ist in meinem Leben“, sagte Andrea Petkovic nach ihrer 6:7 (10:12), 2:6-Niederlage gegen Alison Riske. Einen Tag später relativierte sie bei Twitter: „Das Schlimmste, das mir in meinem Fed-Cup-Leben passiert ist. Das Ganze passierte unmittelbar vor meinem Match. Wir waren vor allem überrumpelt und fassungslos und wussten nicht, wie wir reagieren sollten.“

Was Spielerinnen und Verantwortliche so dermaßen erzürnte, war eine nicht für möglich gehaltene Panne bei der Eröffnungszeremonie. Der Solist auf dem Centre-Court sang bei der Nationalhymne die erste Strophe des Deutschlandliedes, die mit den Worten „Deutschland, Deutschland über alles“ beginnt – und die in der Zeit des Nationalsozialismus mit der heute verbotenen NS-Kampfhymne „Horst-Wessel-Lied“ gesungen wurde. Nach den ersten vier Worten schauten sich die Spielerinnen und Teambetreuer ungläubig an. Görges fing an zu weinen, Co-Trainer Dirk Dier schlug fassungslos die Hände vor sein Gesicht. Mannschaft und Zuschauer stimmten trotzig „Einigkeit und Recht und Freiheit“ an, was aber gegen die Lautsprecher-verstärkte Stimme keine Chance hatte.

Für einen kurzen Moment dachte Petkovic daran, das Stadion zu verlassen. Rittner überlegte, auf die andere Seite des Platzes zu gehen und dem Sänger das Mikrofon zu entreißen. „Ich konnte das nicht glauben“, sagte die mitgenommene Teamchefin später. „Ich hätte heulen können. Ich war fassungslos, wie das passieren konnte.“ Und Petkovic nach dem Spiel: „Wenn wir irgendwo in Timbuktu spielen oder weiß der Geier wo, okay, aber in Amerika? Im 21. Jahrhundert? Dass so etwas passiert, ist echt bezeichnend und eine absolute Unverschämtheit, eine Frechheit in meinen Augen.“

Wie es zu dem Fehler kommen konnte, war den Verantwortlichen des US-Tennisverbandes unerklärlich. Das US-Team habe sich aber umgehend „offiziell schriftlich sowie persönlich entschuldigt und bedauert die peinliche Panne zu tiefst“, sagte Ulrich Klaus, der Präsident des Deutschen Tennis Bundes, gestern. Die Tatsache, dass im Jahr 2017 eine falsche Hymne gespielt werde, die man mit viel Grausamkeit aus der lange zurückliegenden Vergangenheit assoziiere, sei für das gesamte Team und für die deutschen Fans „gleichermaßen verstörend wie schockierend“ gewesen.

Von Wolfgang Müller

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